Zurück an die Arbeit – die Zeit läuft

Wir kehrten nach 2 Wochen “Ferien” in der Schweiz zu Milagros zurück und mussten schon auf dem Weg wieder mit Bürokratie kämpfen. Und kaum waren wir angekommen, verlangte Milagros auch schon erste Aufmerksamkeit. Dank einer neuen Herangehensweise im Projektmanagement konnten wir direkt in der ersten Woche viele Aufgaben mit “erledigt” markieren. Wir belohnten uns mit einem Ausfährtchen in die Dünen.  

Unsere Reise zurück nach Mexiko zu Milagros führte über Madrid, Mexiko Stadt und Hermosillo. Entspannt stiegen wir am Tag unserer Abreise in das Flugzeug nach Madrid. Wir hatten alle notwendigen Zertifikate, Dokumente und QR Codes – dachten wir. Als wir nach der Landung in Madrid zum Infoschalter gerufen wurden, dachten wir uns nichts dabei. Das war nämlich auf der Hinreise auch schon so: Iberia wollte die Dokumente sichten. Die Dame am Schalter fragte uns nach einer Buchung oder Ähnlichem, was unsere Ausreise aus Mexiko innerhalb der nächsten 6 Monate bestätigen würde. Wir schauten sie mit fragenden Gesichtern an.   

Das muss so sein?  

Davon hatten wir noch nie gehört. Wenn ich ein Land nennen müsste, das es mit Visa locker nimmt, dann Mexiko. Und Lufthansa fragte uns im Januar auch nicht danach. Es sei eine unternehmensinterne Richtlinie von Iberia, teilte uns die Dame mit. Sollten wir von Mexiko nicht ins Land gelassen werden, müsse Iberia für die Rückführungskosten aufkommen. Aha. Ohne eine Ausreisebescheinigung würden sie uns nicht ins Flugzeug einsteigen lassen. Es war 22.30 Uhr und Boarding war eine Stunde später. Wir kamen kurz ins Schwitzen.  

(K)ein Flug  

Also musste sofort ein Flug her. So buchten wir einfach zwei Flüge Mexiko Stadt – Los Angeles im Januar 2022 für total 250 CHF bei der Mexikanischen Billigairline Volaris. Die Dame von Iberia war damit zufrieden und liess uns an Bord. Der Clou an der ganzen Sache war, dass man innerhalb von 24 Stunden nach der Buchung kostenfrei wieder stornieren konnte. So stornierte ich diese Flüge wieder, alsbald wir durch die Mexikanische Passkontrolle durch waren. Und ich machte wegen der Währungsumrechnung sogar noch einen Franken Gewinn. Was für ein Witz!   

Entspannung lässt auf sich warten  

Auf der 8-stündigen Busfahrt nach Puerto Peñasco sahen wir viel sattes Grün und es hat sogar geregnet. So hofften wir darauf, dass es in Peñasco auch so sein würde. Leider verwandelte sich unsere Aussicht kurz vor unser Ankunft am Ziel wieder in die bekannte trockene Wüste. Schade... Nach total 35 Stunden wurden wir netterweise von Sam von SV Pablo am Busbahnhof abgeholt. In dieser Nachmittagshitze wollten wir jetzt nur noch die Klimaanlage auf unserem Schiff starten und die Füsse hochlegen. Als wir Milagros an das Boatyardstromnetz anschlossen, passierten jedoch zwei Dinge: Beim Verlängerungskabel brach die Erdung ab und drinnen am Elektropanel leuchtete die Warnlampe für Verpolung (umgekehrte Polarität) auf. Fehlersuche und Reparatur statt Entspannung war angesagt.  

Lösungen mussten her  

Da wir das Problem schon mal hatten, wussten wir, dass nicht unbedingt Milagros das Problem sein musste, sondern auch jemand anders es verursachen konnte. So stellten wir rasch fest, dass es ein Verlängerungskabel von einem anderen Boot war, dass die Verpolung verursachte. Check Problem Nr. 1. Von SV Pablo liehen wir ein Verlängerungskabel, um unsere Klimaanlagen in Betrieb nehmen zu können. Kurz darauf konnten wir in der schön heruntergekühlten Kabine von Milagros den Stecker des Verlängerungskabels ersetzen. Check Problem Nr. 2. Wo wir schon dran waren, sind wir auch gleich noch einkaufen gegangen. So hatten wir uns unsere Rückkehr nicht vorgestellt. Aber sonst war mit Milagros alles in Ordnung.  

Reparatur des Steckers

Neues Projektmanagement  

Nach einer etwa eintägigen Starre wegen kompletter Überforderung aufgrund aller noch offenen To Dos, änderten wir die Art und Weise, wie wir unsere Projekt managen. Anstelle von Post-its an der Wand haben wir nun ein Planungstool in Excel. Es war sehr ungemütlich, immer – auch nach Feierabend – die Wand mit den farbigen Zetteln anschauen zu müssen. Zu sehen, was alles noch nicht erledigt war. Jetzt hängen dort nur noch Zettel für Dinge, die wir nicht vergessen sollten. Und unsere Motivation war wieder da.

Und du erinnerst dich vielleicht an die Geschichte über das Paket in Mexiko. Nun, zwei Tage nach unserer Ankunft in Mexiko ist auch unser Paket am Ziel angekommen. Jetzt konnte die Herstellung unserer neuen Püttinge aus Titan endlich starten.   

Angerostete Bolzen  

Eine Sache, die uns schon länger Kopfzerbrechen bereitete, waren vier grosse Bolzen im Mast. Sie dienen dazu, die Festmacher der Wanten und Stage (Stahlseile, die den Mast stützen) am Mast selbst zu befestigen. Die Edelstahlbolzen werden in Aluröhren durch den Mast geführt. Diese Röhren schützen den Mast davor, zusammengedrückt zu werden, wenn die Bolzen festgeschraubt werden. Ebendiese Bolzen waren mit den Aluröhren zusammengerostet.   

Das Zeugs muss raus  

Wir hatten es bereits geschafft, einen Bolzen zu entfernen, wobei die Aluröhre im Mast blieb. Und in einer nächtlichen Aktion hatten wir mittels langer Eisenrohre die restlichen 3 Alu/Edelstahl Kombos zum Drehen gebracht. Sie bewegten sich immerhin, liessen sich aber nicht aus dem Mast entfernen. Wir konnten sehen, dass z. B. eine Aluröhre im Mast drin aufgebrochen war und deshalb nicht mehr durch das Loch passen wollte. Aber das Zeugs musste raus. Seit Wochen probierten wir (und andere) daran rum.   

Endlich!  

Wir hatten gerade wieder einen Versuch gestartet, als Matt von SV Haricot Vert um die Ecke kam. Er schnappte sich ein Stück Holz und hebelte binnen einer Minute einer dieser Bolzen raus. Wir hatten gehämmert, gerüttelt, geschmiert, aber nichts half. Seit Wochen. Und dann das. Aber wir waren glücklich und hebelten die restlichen 2 ebenfalls raus. Jetzt konnten wir sie genauer untersuchen und nachmachen lassen.   

Ausräumen und auseinanderbauen  

Wir mussten uns auch um unsere künftige Wasserversorgung kümmern. Da der Wassertankhersteller partout nicht wollte, dass wir die Anschlüsse selbst montieren, mussten wir dem Hersteller gezwungenermassen die genauen Positionen von Einlass, Auslass und Entlüftung mitteilen. Dazu bauten wir ein Modell aus Holz. Damit es an seinen Zielort unter einem der Sitze passte, musste ich alles ausräumen und auseinanderbauen. Und nein, man hatte z. B. die Schubladenführung nicht mit praktischen Torks eingebaut – nein, mit Nägeln für die Ewigkeit.   

Auftrag erfüllt  

Aber es musste alles raus. Ein bisschen reissen, hebeln, treten, rütteln, ziehen und das Modell hatte Platz. Die Positionen der Anschlüsse waren schnell bestimmt. Aber wir stellten fest, dass die Führung des einen Dieseleinlasses noch etwas geändert werden musste, damit sich die Sitzbank nicht um 5 cm erhöhte. Aber darum kümmern wir uns dann, wenn es soweit ist. Die Wassertanks halten uns nicht vom Einwassern ab, deshalb sind sie nicht oberste Priorität.  

Ein Ausfährtchen?  

Jeden Tag fährt unser neuer Freund Lionel, Besitzer des Caterpillar Shops um die Ecke, bei uns am Boatyard vorbei. Man winkt sich, wünscht sich einen guten Tag oder plaudert ein bisschen. So haben wir erfahren, dass er einen Dünenflitzer besitzt und auch gerne mal mit uns ein Ausfährtchen machen würde. Das musste man uns nicht zweimal fragen. Wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Mexiko trafen wir uns nach Ladenschluss mit ihm. Sein knallgelbes Gefährt parkte vor der Werkstatt neben dem Shop und war bereit für uns. Sein Hermano half uns mit dem Anschnallen (5-Punkt Gurte!) und schon waren wir unterwegs.  

Ein wilder Ritt   

Ziel waren die Dünen bei Las Conchas auf der anderen Seite von Puerto Peñasco. Der wilde Ritt begann, sobald wir die Stadt hinter uns gelassen hatten. Mit über 80 km/h heizte Lionel durch die hügeligen Dünen. Seinem Wüstenrennauto machte das aber nichts aus. Maximal gefedert, gut motorisiert und professionell gefahren. Wir fürchteten keine Sekunde um unser Leben. Als wir den ersten Stop einlegten, wartete sein Hermano bereits und drückte uns ein kühles Blondes in die Hand. Was für ein Service.   

Abfall, Abfall 

Die Erfrischung wurde aber durch den Gestank von verottenden Meerestierresten und sonstigen Abfällen überschattet. Abfall soweit das Auge reichte. Schon bei der schnellen Fahrt durch die Dünen musste Lionel allerlei Zeugs ausweichen: Plastikkisten, Autoreifen, Schuhen, Austernschalen. Alles was man sich vorstellen oder auch nicht vorstellen konnte. Die Wüste war eine stinkende Abfallhalde. No me gusta. Das sei halt einfach so, meinten die beiden Einheimischen.  

Noch mehr Boxenstops  

Die weitere Fahrt führte uns entlang des Meeres zu einer Austerfarm, die von einem Frauenkollektiv bewirtschaftet wurde. Obwohl David und ich keine Austern mögen, wollen nun unbedingt mal dorthin. Auch dort wurde uns ein kühles Blondes gereicht. Wir heizten danach weiter durch die Dünen, machten nochmals einen Boxenstop und fuhren dann zurück. Lionel zeigte uns in seiner Garage die diversen Preise, die er schon bei Wüstenrennen gewonnen hatte. Durch die Hintertür war ein Shrimpboot zu sehen, das wenige Stunden zuvor nach dem Auswassern in Schieflage geraten war. Tage später sahen wir einen Kran daneben. Und mehr Tage später war das Schiff weg.   

Freibord schleifen  

Wir waren in den Tagen nach unserer Ankunft richtig produktiv. Auch das weissgestrichene Freibord haben wir von Hand angeschliffen, um es für die nächste (zweitletzte) Schicht Farbe vorzubereiten. Das glänzende Weiss verwandelte sich in mattes Weiss. Es tat weh, die schöne glatte Oberfläche zu zerstören, aber es musste sein. 

Muss das sein?  

Der Nachtwächter schüttelte schon ein paar Mal den Kopf darüber. Warum trugen wir Farbe auf, um sie dann wieder abzuschleifen und wieder Farbe aufzutragen? Warum dieser Aufwand? Warum nicht einfach einmal streichen? Die Arbeiter hier auf dem Boatyard kommen aus der Shrimpbootindustrie. Dort wird das Stahlschiff einfach ein- bis zweimal pro Jahr sandgestrahlt und neu gestrichen. Das muss nicht nett ausschauen, sondern einfach seinen Zweck erfüllen. Die Schiffe sind Arbeitsinstrumente, keine Wohnstätten. Segler sind da halt ein bisschen eitler.  

Wir begannen auch damit, die angeschliffenen Stellen am Mast, an denen die Farbe abgesplittert war, auf die Grundierung vorzubereiten. Und dann entdeckten wir etwas, das uns ganz und gar nicht gefiel. Milagros teilte ihre erste böse Überraschung mit uns.  

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