Dasch wie dehei!

Ja, manchmal braucht man Ferien von der Auszeit. Die Temperaturen erreichen das Maximum und wir sind gar nicht so unglücklich, dass wir für die Hochzeit von Patis Bruder nach Hause in die Schweiz fliegen dürfen. Dort beklagen sich nämlich alle über das Wetter. Nass und kühl war der Sommer in unserem Heimatland. Perfekt für uns! Nass und kühl ist nämlich genau das, was wir im Moment brauchen.

Grüne Wiesen in Aesch, Schweiz

Die Horrorgeschichten von den anderen Bootsbesitzern und auch von Iñaki und Carmen über die Hitze in Puerto Peñasco haben sich bisher noch nicht ganz bewahrheitet. Ja, es ist tagsüber und vor allem am Mittag sehr heiss, was uns aber mehr verwundert ist, wie schwül es ist. Die Luftfeuchtigkeit ist recht hoch, was durch die Intensität der Sonneneinstrahlung zu einer drückenden Atmosphäre führt. Wenn wir uns die Tage gut einteilen, kommen wir trotzdem gut vorwärts.

Der Hitze entfliehen

Wir sind froh, dass wir auf dem Schiff in beiden Abgängen in die Kabine von Milagros je eine Klimaanlage stehen haben, sonst wären wir schon lange gestorben. Keine Ahnung wie Iñaki und Carmen ihren Umbau ohne Klimaanlage durchgezogen haben. Das hätten wir nicht geschafft, Respekt! Wir arbeiten nun einfach am Morgen und am späten Nachmittag und abends. Am Mittag, wenn die Sonne einfach nur noch herunterknallt, verziehen wir uns ins kühle Schiff und widmen uns der Siesta oder Computerarbeiten.

Es ist eine Freude!

Wir können uns gar nicht satt sehen an unserer glänzenden, wunderschön weissen Schiffshülle von Milagros. All die Arbeit, die wir in dieses Projekt gesteckt haben, hat sich gelohnt. Wir hätten uns mit einer anderen Farbauswahl wahrscheinlich viel, viel, viiieeeel Schleiferei ersparen können, aber was solls. Das Resultat kann sich mehr als sehen lassen. Es wir Zeit, dass auch das Unterwasserschiff endlich soweit ist, damit wir streichen können. Milagros wird aussehen, als käme sie direkt aus der Werft. Wir freuen uns jetzt schon drauf.

Neue Bekanntschaften

Auch die Freizeit kommt natürlich nicht zu kurz. Einer der grossen positiven Aspekte unseres neuen Alltags ist, dass wir uns frei einteilen können, wann wir arbeiten und wann nicht. Das ist eine ganz andere Lebensqualität als vor unserem Abenteuer. Da die Menschen und ihre Schiffe im Boatyard ein und aus gehen, schliessen wir eine neue Bekanntschaft nach der anderen. So auch mit Doug, der ein kleines, schönes Segelschiff besitzt, an welchem er von den Arbeitern eine Behandlung des Unterwasserschiffs machen lässt. So sagten wir natürlich nicht nein, als er uns in seine Stammkneipe auf der Partymeile von Puerto Peñasco zu ein paar Bierchen einlud.

Feurige Tacos

Nachdem wir uns die Kehle befeuchtet hatten, gings weiter zum obligaten Taco-Stopp. Kaum fertig mit der Mahlzeit, sahen wir plötzlich in Richtung Cabrales Boatyard eine dicke schwarze Rauchwolke aufsteigen. Nicht gut! Schnell zurück! Beim Yard angekommen war schnell klar wo der Rauch herkam. Im Hafenbecken hatte in einer Marina ein Boot Feuer gefangen. Die Feuerwehr war bereits zugegen und ein paar Helfer versuchten, das Schlimmste zu vermeiden. Leider sollte sich herausstellen, dass neben dem Motorboot auch zwei «unbeteiligte» Segelschiffe Totalschaden erleiden sollten, da sich das Feuer ausbreiten konnte. Üble Sache. Wieder einmal wurde uns vor Augen geführt wie schnell es im Leben gehen kann. Eines Morgens ist man stolzer Schiffsbesitzer, am anderen Morgen steht man vor einem Trümmerhaufen.

Brennendes Schiff in Puerto Peñasco, Mexiko
Das Feuer in der Marina (Foto ©Rocky Point 360)

Ab nach Hause!

Nach der ganzen Aufregung war es dann soweit für uns. Abschied nehmen von den letzten verbleibenden Freunden im Boatyard (viele Leute flüchten vor der Sommerhitze) und auf den Bus und das Flugzeug nach Hause in unsere schöne Schweiz. Die Reise zog sich mit 36 Stunden Dauer mal wieder arg in die Länge. 7 Stunden mit dem Bus bis nach Hermosillo, dann mit dem Flugzeug nach Mexico City. Von dort nach Madrid und dann weiter nach Zürich. Die Vereinigten Staaten halten leider weiter an ihrer Einreisesperre für uns Europäer fest. Wenn die Restriktionen endlich einmal gelockert würden, würde das für uns einiges vereinfachen.

Kulturschock

Am Flughafen in Zürich wurden wir von meinen Eltern abgeholt. Ein halbes Jahr war es her, seit wir sie das letzte Mal gesehen haben. Es gab viel zu erzählen. Einquartiert haben wir uns wieder bei Patis Eltern auf dem Bauernhof. Was für eine Idylle. Fern vom Staub, Dreck, Lärm und der Hitze in Puerto Peñasco. Grün so weit das Auge reicht und einfach nur Ruhe. Bei einem Spaziergang durch unseren Heimatort Aesch waren wir völlig fasziniert von der Stille im kleinen Dorf. Ein positiver Kulturschock.

Ein strikter Zeitplan

In den kurzen zwei Wochen, in denen wir in der Schweiz waren, wollten wir natürlich so viele bekannte Gesichter wie möglich treffen. So wurden Treffen, Biere, Spaziergänge, Bowling-Sessions und Restaurantbesuche gefixt. Und die Hochzeit stand ja auch noch an. Dank zwei Heimspielen in Folge, konnte ich sogar eeeeendlich mal wieder ins Stadion und meinen geliebten FC Basel anfeuern. Es ging Schlag auf Schlag. Viel zu wenig Zeit für viel zu viele Aktivitäten, das sollte sich schnell herausstellen. Ein Highlight war ein Tag Wandern mit Pati und meiner Schwester. Es ging auf die “Wasserfallen”, ein Naherholungsgebiet gleich um die Ecke, knapp 40 Minuten von Aesch entfernt. Die volle Ladung Schweizer Idylle.

Voller Einsatz für die Hochzeit

Die Hochzeit von Patricias Bruder hätte ursprünglich auf einem Festplatz im Wald stattfinden sollen. Da aber das Wetter nicht mitspielte, musste die gesamte Fete innert kürzester Zeit umgeplant werden und fand nun in der Scheune auf dem Bauernhof statt. Das Hochzeitspaar aktivierte Familie und Freunde und so wurde innert drei Tagen ein komplett neues Hochzeitsfest auf die Beine gestellt. Wenn Pati und ich nicht gerade irgendwo unterwegs waren um Freunde zu treffen, halfen wir auch noch ein wenig mit. Die Umplanung war wieder einmal ein tolles Beispiel dafür, was man alles auf die Beine stellen kann, wenn Leute an einem Strick ziehen.

Was für ein tolles Fest

Der Einsatz lohnte sich, denn das Hochzeitsfest von Flavio und seiner Michèle wurde einfach nur hammermässig. Viele tolle Leute, eine lockere Atmosphäre, Kaffee, Cocktails und Pizza von den Food Trucks. Die Atmosphäre in der Scheune auf dem Bauernhof war einfach nur zum mit der Zunge schnalzen und es wurde getanzt und gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Lieber Flavio, liebe Michèle, wenn ihr das lest: Wir haben euch gern und hoffen, dass ihr zusammen glücklich alt und grau werdet! Hoffentlich klappen unsere Pläne und wir können euch Ende Jahr auf Milagros und/oder Anila willkommen heissen! Danke für die Einladung und das tolle Hochzeitsfest! ❤️

Unser kleines Paradies

Natürlich mussten wir auch noch nach St. Ursanne.Wir sind seit einigen Jahren Besitzer einer extrem luxuriösen Immobilie direkt am Fluss «Doubs», der grösstenteils in Frankreich fliesst, aber für einen kurzen Schlenker die Schweizer Grenze überquert. Hier ist unser kleines Paradies, wo wir schon ganze Sommer verbracht haben. Es gibt keinen anderen Ort auf der Welt, an dem wir so gut unsere Batterien aufladen können. Dass ein paar unserer besten Freunde dort ebenfalls Wohnwagen besitzen, ist einfach nur noch die Kirsche auf der Torte. Wir waren nun definitiv zu Hause angekommen. Leider mussten wir kurz darauf auch schon wieder zurück nach Puerto Peñasco. Da stellte sich die Frage: Wollten wir das überhaupt? Oder wollen wir noch länger in der Schweiz bleiben?

Bleiben wir länger als geplant?

Natürlich wollten wir länger bleiben. Unser Aufenthalt war viel zu schön, um direkt wieder auf die staubige Baustelle nach Mexiko zu fliegen. Erst nach unserer Ankunft zu Hause haben wir gemerkt, wie sehr uns unsere Heimat, Freunde und Familien eigentlich gefehlt hatten. Gleichzeitig haben wir aber auch bemerkt, dass zu Hause nach wie vor dieselbe Routine herrscht, aus der wir eigentlich haben ausbrechen wollen. Alles war genau gleich wie als wir die Schweiz verlassen haben. Es hätte auch zwei Tage her sein können, seit wir verschwunden sind. Trotzdem, wir wollten jetzt noch nicht weg. Einen Tag vor Abflug setzten wir kurzerhand alle Hebel in Bewegung, um unseren Aufenthalt zu verlängern.

Ja, Nein, Ja, Nein, Nein, Ja!

Die Idee länger zu bleiben hätte uns auch früher kommen können. Flug umbuchen? Kein Thema, weil viel zu teuer. Neue Flüge buchen? Könnten wir, wäre aber auch nur marginal weniger teuer. Aaaaaah! Diese Luxusprobleme! Das Leben ist hart. Was tun? Die Lösung kam auf Facebook. Wir fanden einen Artikel darüber, dass in Sonora die Covid-Infektionen wieder in die Höhe schnellten und die Schraube von den Behörden bereits wieder angezogen wurde. Auch die Schweiz meldete wieder steigende Zahlen. Somit war schnell klar: Ab zurück zu Milagros. Wir hatten absolut keine Lust, schon wieder in einen Lockdown zu rasseln. Unsere Erfahrung im Jahr 2020 war Erfahrung genug.

Ich werde niedergestochen

Ein Abschiedsgeschenk gab es in Form von einer Ladung Bienenstichen mit nachfolgender allergischer Reaktion meinerseits. Mein Vater und ich kümmern uns zu Hause um ein paar Bienenstöcke. Ich habe vor ein paar Jahren einen Imkerkurs besucht und mein Vater hat die Völker übernommen, als ich nach Mexiko ging. Nun konnte ich natürlich bei ihm mithelfen, wenn ich schon zu Hause war. Was im Umgang mit den Bienen extrem hilft, ist wenn die Schutzkleidung komplett verschlossen wird, bevor man den Deckel lupft. War bei mir leider nicht der Fall, und so flogen mir plötzlich ein paar Bienen auf der falschen Seite des Schleiers um den Kopf.

Aaauuutsch!!

Eigentlich ist das kein Problem. Solange die Bienen sich nicht bedroht fühlen, stechen sie auch nicht. Ich hätte also einfach den Schleier öffnen und die Bienen ins Freie lassen können. Prompt wurde ich natürlich trotzdem gestochen. Wenn eine Biene sticht, bleibt der Stachel stecken und wird der Biene aus dem Körper gerissen, diese stirbt daran. Das Fiese ist, dass dieser Stechapparat auch ohne Biene frisch und fröhlich Pheromone in die Luft pumpt, die sagen: «Attacke! Krieg! Stechen!» So wurde ich ins Ohr, in den Kopf und in den Bauch (keine Ahnung wie) gestochen. Auch das eigentlich kein Problem, ausser dass es schmerzt. Mit einer massiven allergischen Reaktion 3 Stunden vor der Abreise habe ich nicht gerechnet.

Pusteln am ganzen Körper

Ich wurde schon unzählige Male von Bienen gestochen und habe nie eine allergische Reaktion gezeigt. Diesmal war es anders. Keine 20 Minuten nach den Stichen juckte es mich übel am ganzen Körper und aus kleinen roten Punkten wurden ausgewachsene Pusteln, ein hässlicher Anblick. Also hiess es, Antiallergika und Kortison einnehmen und in die Apotheke fahren. Das Abschiedsessen mit der Familie von Pati das gleichzeitig stattfand? Geschenkt. Glücklicherweise wirkten die Medikamente schnell und ich sah bald wieder normal aus. Das ist die Krux mit Insektenstichen – man kann 100x keinerlei Reaktion zeigen und mit dem 101. Stich geht es plötzlich los. Also ist in Zukunft Vorsicht angesagt im Umgang mit den kleinen Stechern. Besonders wenn man bedenkt, dass in der Sea of Cortez Millionen von Wüstenbienen unterwegs sind, die von Booten besonders gerne Kondenswasser sammeln kommen.

Adieu, schöne Schweiz!

Glück im Unglück für mich also. Nicht auszumalen, wenn sich die Symptome länger hingezogen hätten. Die Reise zurück nach Mexiko wäre ein Albtraum geworden. Ab zum Flughafen Zürich! Dass sich die Fluggesellschaft Iberia einen üblen Scherz mit uns erlauben würde, wussten wir da noch nicht.

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6 Comments

Hallo ihr Zwei
Das war einmal mehr ein mega cooler Bericht. Danke, dass wir so an eurem LebenTeil haben können. Ihr Zwei macht das großartig. Herzliche Grüsse Dorothee und Unki Urs

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