Ein Paket in Mexiko – eine Kurzgeschichte

Wir schicken ein Paket in die USA und gehen irrtümlicherweise davon aus, dass das eine simple Sache ist. Dies ist eine wahre Geschichte über internationalen Paketversand, hilfsbereite Postboten und die mexikanische Art.

Prolog

Milagros erhält gerade neues stehendes Gut (Drahtseile, die den Masten aufrecht halten). Bei dieser Gelegenheit ersetzen wir auch 7 Püttings und 2 Verstärkungsplatten aus Edelstahl, an denen diese Drahtseile am Schiff befestigt werden. Wir haben eine Firma in Kalifornien gefunden, die uns diese 9 Platten aus Titan herstellen kann. Um sicherzugehen, dass sicher alles passt, wollten wir diese 15 kg Edelstahl nach Kalifornien schicken.

Erster Akt: Eine Transportfirma finden

Ein Paket in die USA zu schicken, sollte ziemlich einfach sein – dachten wir. Nun ja. DHL, UPS und FedEx als weltweit bekannte Firmen kamen uns spontan in den Sinn. Kurz online gecheckt, schluckten wir erstmal leer. Kostete bis zu 180 CHF. Ganz schön teuer! Am günstigsten wäre gewesen, es jemandem in die USA mitzugeben und dann Inland zu versenden. Aber diese Option hatten wir in diesem Moment nicht. Also bissen wir in den sauren Apfel und wählten eine Option bei UPS mit längerer Lieferzeit, die nicht so weh tat.

Zweiter Akt: Den Auftrag erfassen

Es stelle sich dann aber schnell heraus, dass es recht kompliziert war, etwas über die Grenze in die USA zu schicken. Verschiedenste Angaben zum Inhalt inklusive Rechnung für den Zoll mussten erfasst werden. Aber wie erklärt man dem Zoll "nicht mehr brauchbare, teilweise korrodierte Edelstahlpüttings"? Und welchen Wert haben sie? Mit bestem Wissen und Gewissen stellten wir die Informationen zusammen und dann – mussten diese Dokumente ausgedruckt werden. Drucker haben wir natürlich keinen. Freundlicherweise druckte uns eine Angestellte des Boatyards die Dokumente aus. Aus alten Kartonschachteln, Panzerband und einer Klarsichthülle stellten wir das Paket zusammen und fügten die notwendigen Dokumente und Unterschriften hinzu.

Dritter Akt: Das Paket abholen lassen

Als Abholzeit wählten wir eine Zeitfenster zwischen 9.00 Uhr morgens und 12.00 Uhr mittags beim Astillero Cabrales. Wir machten uns im Vornherein schon nicht allzu grosse Hoffnungen, dass es klappt. Obwohl es klappen musste, denn wir hatten den Versand bis zum letzten Moment (dem Tag unserer Abreise) hinausgezögert – warum auch immer. Jedenfalls war auch um 13.00 Uhr noch niemand gekommen, um das Paket abzuholen. Also suchte ich online nach einem Ort, an dem wir das Paket abgeben konnten. Ich betrat also mit 15 kg Edelstahl unter dem Arm die Versandstelle. Doch am besagten Ort wusste man nichts davon, dass dort UPS Pakete abgegeben werden konnten. Aber ein hilfsbereiter Mitarbeiter gab mir die private Telefonnummer des UPS-Mannes, der für die Abholung der Pakete in Puerto Peñasco zuständig war.

Vierter Akt: Das Paket aufgeben

Auf dem Parkplatz rief ich auf dieser Nummer an und wurde mit “meinem” Mann verbunden: dem UPS Postboten namens Samael. Ich kramte mein bestes Spanisch hervor und konnte in Erfahrung bringen, dass er tatsächlich an diesem Tag beim Astillero Cabrales ein Paket abholen sollte. Wortwörtlich sagte er, dass er es “ahorita” abholen werde. Was entweder “jetzt gleich” oder “In einer Minute, in zehn Minuten, in einer Stunde, wann immer ich es schaffe...” bedeuten kann. Er würde mich anrufen, wenn er da wäre. Ich stellte mich schon auf das Schlimmste ein. Unser Bus Richtung Flughafen fuhr zwar erst um 21.00 Uhr, aber das Paket musste einfach noch am selben Tag losgeschickt werden. Ein Mexikaner, der mein Telefonat auf dem Parkplatz mitbekommen hatte, bot mir auch gleich noch seine Hilfe an. Er könne etwas Englisch und mir helfen, ins Spanische zu übersetzen.

Fünfter Akt: Das Paket auf die Reise schicken

10 Minuten später klingelte aber mein Telefon, er sei nun da. Wieder mit dem Paket unter dem Arm, stand ich vor dem Tor, sah aber weit und breit kein UPS Auto. Als ich ihn deshalb erneut anrief, klingelte ein Handy in einem ziemlich heruntergekommenen, weinroten Auto, das am Strassenrand parkiert war. Ein Mann in meinem Alter mit einer abgetragenen UPS Weste stieg aus, seine weibliche Begleitung blieb im Auto sitzen. Auf seinem Telefon zeigte er mir den UPS Abholauftrag, der mit meinem Sendeauftrag übereinstimmte. Nun gut. Also gab ich ihm das Paket mit.

Fünfter Akt: Das Paket tracken

Zurück in der Schweiz checkten wir mittels Trackingcode den Status der Sendung. Uns trat der Schweiss auf die Stirn, als wir sahen, dass laut UPS das Paket gar noch nicht abgeholt worden war. Aber was konnten wir tun? Deshalb beschlossen wir, einfach noch etwas abzuwarten. Vielleicht löste es sich über die Zeit. Wir vergassen aber das Paket komplett. Einen Tag nach dem vorausgesagten Liefertermin kam es uns plötzlich wieder in den Sinn. Gemäss Tracking war aber der Paketstatus unverändert geblieben. Unser Puls ging sofort in die Höhe. Wo war das Paket? Hatte ich einen Fehler gemacht, das Paket einfach so mitzugeben? War es nun verloren?

Sechster Akt: Das Paket finden

Ich kontaktierte deshalb Samael via WhatsApp und fragte ihn, ob er wisse, was mit dem Paket passiert war. Es sei tags darauf mit dem UPS Truck nach Hermosillo gebracht worden, aber er könne mal nachfragen, meinte er. Also schickte ich ihm den Trackingcode. 5 Stunden später erhielt ich von ihm die Information, dass das Paket in Hermosillo zurückgehalten werde, da die Dokumente für den Zoll fehlen würden. Und er schickte uns Bilder vom Paket. Erleichterung machte sich erstmal breit.

Mit Google Translate erklärte ich ihm, wo ich die Dokumente hingetan hatte (wie von UPS gefordert in die Klarsichtmappe, die aussen aufgeklebt war) und schickte sie ihm auch nochmals via WhatsApp. Laut UPS Tracking war das Paket aber immer noch in unseren Händen, notabene. Wann wollte uns UPS mitteilen, dass Dokumente fehlten? Wir erhielten keine E-Mail, keinen Anruf, keine Benachrichtigung. Was, wenn ich Samaels private Nummer nicht gehabt hätte?

Eine Stunde später informierte mich Samael, dass UPS die Dokumente gefunden hätte und das Paket seine Reise nun antreten würde. Ich bedankte mich überschwänglich und war froh, dass sich Samael für uns ins Zeug gelegt hatte und es ihm nicht einfach egal war, was mit dem Paket passiert war.

Act Seven: The package is on its way

Mit 10 Tagen Verspätung wurde das Paket also Richtung USA geschickt. Das erste Mal änderte sich nun der Status im Tracking und ein neuer voraussichtlicher Liefertermin 2 Tage später wurde genannt. Nachdem aber dieser Liefertermin verstrich, ohne dass das Paket am Zielort abgeliefert wurde, erhielten wir ein Statusupdate via Mail. Es hänge nun am Zoll fest. Na toll. Wir müssten noch irgendwelche zusätzlichen Informationen liefern. Wir wussten aber weder was, noch konnten wir online mehr erfahren oder etwas einreichen. Als wir den Kundendienst per Mail anfragten, was wir tun müssten, erhielten wir am selben Tag ein Statusupdate, dass das Paket nun durch den Zoll war.

Letzter Akt?

Jetzt sind 16 Tage vergangen, seit wir das Paket in Puerto Peñasco abgegeben haben. Und es ist immer noch nicht am Ziel. Wir hingegen sind quasi wieder zurück in Mexiko. Wie die Geschichte wohl ausgehen wird?

Unser Motto diese Tage lautet: Gib mir Kaffee, um Dinge zu ändern, die ich ändern kann und Bier, um die zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.


2 Comments

Nur wer den Nervenkitzel schätzt und gerne mit Algorithmen kommuniziert wählt UPS für den Versand, egal ob in Mexiko oder in der Schweiz!
Prima Geschichte – hoffentlich klappt’s mit dem Ersatz der Püttings!

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