In den nächsten paar Wochen unserer Segelsaison erlebten wir all die tollen Sachen wie man sie eben nur mit einer Gruppe von guten Freunden erleben kann. Von Wracktauchen über spontane Barbershops am Strand, Fischerglück und eine weitere unvergessliche Geburtstagsparty war alles dabei was das Herz begehrt. Aber leider mussten wir uns langsam aber sicher auf den Abschied vorbereiten, denn Tag für Tag kam das Ende der Saison näher.

Die Ruhe nach dem Sturm
Nach der legendären Geburtstagsparty von Cavu Dave war es lange ruhig in der Ankerbucht. Erholen, entgiften und chillen war angesagt. Aber es dauerte nicht lange, bis es bei unserer kleinen Armada wieder kribbelte – wir wollten weitersegeln. Es war Zeit, eine neue Ankerbucht anzusteuern. Unser nächstes Ziel war die Ostseite der Isla Carmen.
Auf zu neuen Abenteuern
Pati und ich hatten erst kürzlich eine kleine Umrundung der Insel hinter uns gebracht, aber in der Sea of Cortez gibt es praktisch unbegrenzte Ankermöglichkeiten, und wir hatten bei weitem nicht an allen schönen Orten Halt gemacht. Als sich ein Wetterfenster auftat, das Segeln versprach, machten wir uns alle nach und nach auf den Weg. Cavu und Alegria düsten als Erste los, dicht gefolgt von Milagros. Crack und Crystal auf Small World ließen es gemächlich angehen und blieben noch zurück. Elana und Travis auf Island Fox verließen uns für ein paar Tage, um Freunde weiter im Süden zu treffen, würden aber später wieder zu uns stossen.


Das Rennen beginnt
Unsere Mission war es nun natürlich, möglichst viel Distanz auf Cavu und Alegria gutzumachen, die weit vor uns waren. Sobald andere Segelschiffe in der Umgebung und in die gleiche Richtung unterwegs sind, ist das automatisch ein Rennen. Ganz egal, ob man mit den anderen Schiffen irgendwas zu tun hat oder nicht.
Tschüss Alegria!
Wir starteten sportlich mit vollen Segeln und schafften es tatsächlich, Alegria einzuholen, als sie in einem Windloch sassen. Warum genau wir schneller waren als sie? Keine Ahnung. Wir waren es einfach. Ein angefressener Alegria-Mike meldete sich mit ebendieser Frage per Funk, worauf Pati natürlich noch ein wenig Salz in die Wunden reiben musste. „Wir haben eine Kelly Peterson 44 und Skills“, antwortete sie. He he he.


Treffpunkt Las Salinas
Als der Wind dann vollends verschwand, schmissen wir alle den Motor an und verbrachten die Nacht in zwei separaten Ankerbuchten. Wir zusammen mit Cavu und Alegria zusammen mit Small World. Da ein wenig Nordwind angesagt war, trafen wir uns am nächsten Morgen wieder in „Las Salinas“, einer nach Norden gut geschützten Ankerbucht – auch ein Örtchen, das wir mit Milagros noch nicht besucht hatten.





Wracktauchen
Uns wurde ein paar Mal erzählt, wie toll das Schnorcheln bei ebendiesem Wrack war. Wir wollten uns das selbst mal anschauen. Wir machten unser Dinghy an der mexikanischen Markierungsboje fest: Einem weissen Kanister, haha. Wir sprangen ins Wasser und waren sofort überwältig von der Menge an Fischen, die sich dort tummelten. Wenn man runter getaucht ist, machten die Fische Platz und man konnte durch die verschiedenen Schwärme tauchen. Man spürte sogar, wie es kälter wurde, wenn sich die Lücke im Schwarm über einem schloss und das Sonnenlicht blockiert wurde. Ganz mutig trauten wir uns dann schlussendlich noch, durch das Wrack zu tauchen. An einer ganz einfachen Stelle, aber wir sind durchgetaucht. Es war auch spannend zu sehen, wie die verschiedenen Schwärme quasi aufgeschichtet waren. Oben die kleinen Fischarten, unten drunter die etwas grösseren und ganz unten die ganz grossen, die man nur sah, wenn sich die oben drüber teilten. Eine richtig coole Erfahrung.



Mike’s Sea of Cortez Barbershop
Später war bei der ganzen Gruppe wieder mal Haareschneiden angesagt. Und was kommt da passender als ein guter Freund, der das Frisieren als sein Hobby entdeckt hat? „Mike’s Sea of Cortez Barbershop“ schlug also am Strand sein Zelt auf und wir wurden schnurstracks alle wieder auf Vordermann gebracht. Auch ein Kind von einem anderen Schiff bekam einen Haarschnitt; einen Undercut, um genau zu sein. Als kurz darauf deren Mutter mit dem Dinghy in unsere Richtung unterwegs war, erwarteten wir schon einen Zusammenschiss. Das Gegenteil war der Fall – Mike musste auch ihre Haare schneiden.


Anglerglück und Sushi
Auch hatte ich mal wieder Anglerglück. Eines Abends cruiste ich mit 1-2 Bierchen im Dinghy dem Ufer entlang und zog einen Köder hinter dem Schiff her. Und wie immer, just wenn ich schon dachte, dass ich eh nichts fange und am Rumträumen war, riss es an der Rute und ich fing im Schnellzugtempo zwei tolle Snapper. Diese wurden tags darauf zu Sushi verarbeitet und auf Milagros genüsslich verzehrt.



Aufbruch nach Cholla Corner
Da wir nun alle die Haare schön und volle Bäuche hatten und es möglich war, dass ein kleiner Südwind aufkommen würde, brachen wir nach ein paar schönen Tagen und Nächten unsere Zelte in Las Salinas ab. Mike und Katie hatten schon seit einiger Zeit eine Ecke gesehen, die in den Seekarten zwar nicht als Ankerbucht markiert, aber als „Cholla Corner“ benannt war. Unser neues Ziel sah nach einem neuen Geheimtipp aus.
Petri Heil!
Und mein Anglerglück ging weiter! Wir waren kaum in Las Salinas aufgebrochen, da fing ich einen riesigen Mahi-Mahi (Goldmakrele). Mahi-Mahis sind etwas vom Besten, das in den Weltmeeren herumschwimmt, und in den Sommermonaten zu Tausenden in der Sea of Cortez unterwegs. Nach dem Filetieren hatten wir 3,5 kg Mahi-Fleisch im Tiefkühler. Yesssssss. Wieviel Arbeit es ist, einen Fisch auf einem Segelschiff zu fangen, kann man den Bildern entnehmen. Wir sollten bis zum Ende der Saison noch Schuppen, Blutflecken und andere Überbleibsel von dem Koloss auf dem Deck finden.


Paradiesischer Cholla Corner
Auch „Cholla Corner“ lud zum Verweilen ein. Wir fanden ein kleines Paradies aus steinigen und sandigen Stränden, an denen die anderen Schiffe ihre Hunde rennen lassen konnten (wir waren das einzige Schiff ohne Hund an Bord), und perfektem Sandboden, damit unsere Anker auch sicher gut hielten. Hier liess es sich leben. Also schnell ab an den Strand.

Die Floating-Saison beginnt
Es ging langsam aber sicher Richtung Sommer, und es wurde wärmer und wärmer. Auch die Wassertemperatur war inzwischen richtig angenehm. Die „Floating-Saison“ hatte begonnen. Um richtig zu „floaten“, braucht es eigentlich nicht viel. Ein Sonnendach am Strand, Schwimmutensilien wie Paddleboards, Schwimmringe oder Sitzmatten, einen Hut auf dem Kopf und ein Bier in der Hand. So vergingen die Stunden im Handumdrehen, und wir waren immer gut gekühlt und hydriert. Zu guter Letzt trafen auch noch Kim auf SV Salt und Randy und Jody auf SV Free Luff zu unserer Gruppe hinzu. Nun waren wir eine Gruppe von stattlichen sieben Schiffen und ein bunter Mix aus Einrumpf-Schiffen, einem Katamaran und einem Trimaran.


Und plötzlich Drama!
Hatte ich nicht gesagt, dass unsere Anker gut hielten? Kaum waren wir eines Abends zurück auf den Schiffen, kam plötzlich ein ordentlicher Westwind auf, der auch Wellen in die Ankerbucht trieb. Nichts Schlimmes, aber Pati und ich waren gerade dabei, unser Kajak auf Deck festzumachen, als wir plötzlich ein Nebelhorn hörten, das geblasen wurde. Wir staunten wir nicht schlecht, als plötzlich eins der Schiffe seitwärts an den Bug eines anderen trieb. Kims Anker war ausgebrochen (hatte sich vom Grund gelöst) und so trieb sie rückwärts. Mike hatte auf Alegria das Nebelhorn geblasen, um uns alle auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen.
Reaktion als Kollektiv
Travis reagierte am schnellsten, sprang sofort in sein Dinghy und eilte Kim zur Hilfe. Alle anderen warteten auf ihren Schiffen, die Decklichter und Motoren angestellt, bereit, um auszuweichen oder zu helfen. Mike und Katie entschieden sich, umzuankern, was wiederum ein schwieriges Unterfangen wurde, da ihr Anker nicht halten wollte. Nach einigen Versuchen schafften sie es dann aber doch. Ein kurzer Schreckmoment am frühen Abend bei Wind und Wellen mit ein paar Bier zu viel intus.

Ende gut alles gut
Alles in allem ging alles glimpflich aus, wir reagierten als Kollektiv schnell und effektiv. Auch war keiner jemand anderem böse. Wir sitzen buchstäblich alle in demselben Boot und das kann jedem passieren. Das ist das Seglerleben für euch - erst sitzt man am Strand ohne irgendwelche Sorgen, und von einem Moment auf den anderen schlägt das Pendel komplett in die andere Richtung aus. Auch Starlink muss man wieder ein Kränzchen binden, denn wir konnten uns in unserem WhatsApp-Chat schnell benachrichtigen und waren in Rekordtempo ready.
Der letzte Stopp
Danach war’s wieder Zeit für einen Tapetenwechsel. Unsere tolle Gruppe würde sich nach und nach in ihre Einzelteile aufsplitten, weil alle für den Sommer unterschiedliche Pläne hatten. Small World wollte in Richtung Norden nach Puerto Penasco, Free Luff nach Süden gen Loreto, Alegria für ein paar Tage direkt nach La Paz ganz an die Südspitze der Baja California und wir rüber zurück nach Guaymas. Cavu, Salt und Island Fox blieben auch noch ein wenig länger in der Gegend.

Wieder zurück in San Juanico
Also mussten wir uns auf einen letzten Stopp einigen. Nach einem Einkaufsbummel in Loreto und einer Nacht bei der guten alten Isla Coronados landeten wir wo? Ihr dürft dreimal raten. In San Juanico. Zum dritten Mal diese Saison. Weit waren wir nicht gekommen dieses Jahr. Trotzdem waren wir viel unterwegs. Macht ja auch nichts, denn San Juanico ist super. Und noch viel superer war San Juanico mit all unseren Freunden im Schlepptau. Die Aktivitäten reichten von Speerfischen und Schnorcheln, Floating mit Bierchen, Spaziergängen am Strand über Malen mit Wasserfarben und einer weiteren tollen Geburtstagsparty für Cavu Marla bis in die späten Stunden der Nacht hinein. So muss das sein!










Abschiednehmen
Leider aber ist eine der wenigen Konstanten im Seglerleben das Abschiednehmen von guten Leuten, mit denen man eine tolle Zeit hatte. Man macht sein eigenes Ding, während man versucht, so viel Zeit wie möglich im Einklang miteinander zu verbringen. Für mich war es ganz besonders bittersüss, unseren Freunden zum Abschied zuzuwinken nach dieser tollen Zeit. Ich hatte mich ein paar Wochen zuvor dafür entschieden, im Sommer mit dem Seglerleben Schluss zu machen.
Rückkehr ins normale Leben
Nach vier Jahren Leben im Schnellzugtempo und einem Abenteuer nach dem anderen war ich bereit dafür, wieder in das „normale“ Leben zurückzukehren. Ich brauchte dringend wieder mehr Konstanz in meinem Leben, das hatte ich schon das ganze Jahr gemerkt. Ich schwankte monatelang hin und her, aber jetzt war meine Entscheidung gefallen. Schweren Herzens verkündete ich die Kunde, als wir alle abends zusammen am Strand sassen. Aber so war das nun mal.

Die letzten Mohikaner
Dann war es Zeit Abschied zu nehmen. Unsere Gruppe löste sich leider in ihre Einzelteile auf. Tschüss Free Luff, tschüss Small World, tschüss Alegria! Bis bald! Nach und nach mussten wir unserer tollen Truppe zum Abschied winken. Plötzlich waren aus sieben Schiffen vier geworden. Milagros, Cavu, Island Fox und Salt. Nächster Halt? Punta Pulpito.

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