Wiedersehen und Flottille-Abenteuer

Ich weiss, ich weiss, der letzte Blogbeitrag ist schon wieder viel zu lange her, Schande über uns. Wir haben etwas nachgelassen, aber das hat gute Gründe – finde ich zumindest. Aber wo waren wir stehen geblieben? Genau, wir sind von der Isla Coronados Richtung Süden gesegelt, um uns mit Seglern aus unserer Zeit im Cabrales Boatyard in Puerto Peñasco zu treffen.

Wie es der Zufall (mehr oder minder) wollte, trafen wir alle etwa gleichzeitig am vereinbarten Treffpunkt ein. Auf unserem AIS (Automatisches Identifikationssystem) konnten wir schon weit im Voraus wie wir alle uns unserem Ziel näherten. In der Flottille, die sich von Süden her näherte, segelten SV Cavu, SV Alegría und SV Small World. Die ersten beiden Schiffe kannten wir gut aus unserer Cabrales-Zeit. Und Craig von SV Small World half uns damals, Milagros einzuwassern. Dieses Mal war auch seine Frau Krystle und ihr kleiner Hund Louise dabei.

Wiedersehensfreude

Kaum war unser Anker gesetzt, sahen wir Alegría Mike auf seinem Paddelboard herüberpaddeln. Die Wiedersehensfreude war gross und innert kürzester Zeit brachten wir uns gegenseitig mit Kurzversionen auf den neusten Stand. Viel und gleichzeitig auch nicht viel war passiert, seit wir uns vor knapp 2 Jahren das letzte Mal gesehen hatten. Später trafen wir uns alle für Sonnenuntergangsdrinks auf Alegría. Und obwohl viel Zeit vergangen war, fühlte es sich an, als hätten wir uns erst vor kurzem das letzte Mal gesehen.

Grund zum Feiern

Abgesehen davon, dass wir alle in der gleichen Gegend waren und uns bei dieser Gelegenheit treffen wollten, standen auch 2 Gründe zum Feiern an. Dr. Cavu Dave und Island Fox Travis hatten beide am selben Tag Geburtstag. Und nach dem superspassigen Boatcrawl vor 2 Jahren an Cavu Daves 40-igstem Geburtstag stand einer Wiederholung nichts im Weg. Aber mehr dazu später.

Die Generalprobe

Während sich weitere Schiffe (SV Island Fox, SV Ayala und SV Remedy, die wir alle (noch) nicht kannten) auf den Weg zum Party Ort machten, packten wir unseren Einkaufswagen und marschierten alle gemeinsam zum in der Nähe gelegenen Mini-Supermarkt, um uns für die Sause einzudecken.

Abends luden wir die gesamte Flottille zu Sonnenuntergangdrinks auf Milagros ein. Das war die Generalprobe für die kommende Party. Und wir stellen fest, dass 14 Leute in unser Cockpit passten. Schon mal gut.

Ein neues Spiel

Die Tage bis zur Party verbrachten wir mit Schnorcheln, Fischen, Vorbereiten und Chillen. Auch der grosse, flache Strand am Ufer lud zum Verweilen ein. Nachmittags wurden manchmal Zelte aufgestellt, Decken ausgebreitet und Kühltaschen mitgebracht. Und wir wurden in ein uns unbekanntes Spiel eingeführt: Beersbee (Bierfrisbee). Zwei Mann- und Frauschaften versuchen dabei, mit einem Frisbee eine mit Sand gefüllte Bierdose auf einem Stecken des Gegners zu treffen, und das mit einem Getränk in der Hand. Wenn Büchse und Frisbee bei einem Steckentreffer zu Boden fallen, kriegt der Gegner Punkte. Falls Büchse und/oder Frisbee gefangen werden – einhändig natürlich – bevor sie zu Boden fallen, mindert das die Punktzahl. So haben wir das zumindest verstanden. Es ist ein geselliges und unterhaltsames Spiel, auch wenn nicht immer ganz klar ist und war, wie jetzt die Punkte genau gezählt wurden. Jedenfalls erreichte immer eine Equipe irgendwann 15 Punkte und gewann damit.

Partytime

Und schon war er da, der Partytag, man kann es kaum anders nennen. 7 Schiffe, 7 Drinks, 7 Snacks, 15 Teilnehmer oder 1000kg Menschen und 1h pro Schiff, Start am Mittag. Getreu dem Schnauz-Motto machten sich alle willigen männlichen Teilnehmer davor noch «hübsch». Schnauz oder nicht, das ist ja eine Geschmackssache, aber die ungewohnten Visagen sorgten für einiges an Gelächter. Schau selbst:

Island Fox

Gestartet haben wir den Boatcrawl auf SV Island Fox mit Geburtstagskind Nummer 1 Travis, Elana und Hündchen Tails. Dort wurden wir alle mit einem Rum-Beeren Smoothie und selbstgemachten Muffins begrüsst. Die fast eine Tonne Zusatzgewicht auf dem 38-Füsser (11.5m) macht sich dadurch bemerkbar, dass das Heck tief bis über die Wasserlinie im Wasser sass. Bei der Schiffstour blieb mein Blick an der Werkzeugecke kleben. An zig Magnetstreifen hingen an einer Wand über eine Länge von etwa 2 Meter alle möglichen Werkzeuge: Zangen, Ringgabelschlüssel, Schraubenzieher, Sägen, Hammer – sortiert nach Grösse und Art. Ein Traum! Plötzlich erklang an Small World Craigs Arm der Alarm: Er hatte auf seiner Uhr den einstündigen Timer gestellt – es war schon Zeit zum Weitergehen. Zack zack.

Small World

Als Nächstes besuchten wir Crystal, Crack und Chihuahua Mischling Louise auf Small World, einem 42-Fuss (12.5m) grossen Zweimaster, wo Hibiskus Mescalitas serviert wurden. Es ist immer spannend, andere Schiffe anzuschauen, so nahm ich natürlich an der kleinen geführten Schiffstour statt. Am meisten faszinierte mich der geräumige Motorenraum mit akribischer Beschriftung. Jedes einzelne Kabel hatte einen Kleber mit einer Nummer und Apparaturen und Gerätschaften hatten gleich die Bedienungsanleitung danebengehängt. Ich war sehr beeindruckt!

Remedy

Danach waren wir auf Remedy bei Baron und Heather zu Gast. Der 42-Fuss lange Hans Christian Zweimaster beeindruckte unter Deck durch seine Geräumigkeit und die makellose Lackierung. Ausserdem hatte es ein Kühlschrank mit normaler Tür, die gegen vorne öffnete. Da waren David und ich schon ein bisschen neidisch, denn unser Kühlschrank hat die Öffnungsklappe oben. Wenn du also an etwas dran möchtest, das sich ganz unten befindet, musst du entweder wühlen oder alles darüber ausräumen. Energietechnisch ist das natürlich gut, denn beim Öffnen «fällt» nicht die ganze Kälte raus, aber es ist halt nicht so bequem. Serviert wurden Wurst-Käse-Cracker und Bloody Marias mit einer Zutat, die ich niemals in einem Drink erwartet hätte: Gebratene Speckwürfel. Obwohl mir der salzige Tomatensaftdrink generell nicht sonderlich zusagt, war dieser Speck-Twist schon etwas Spezielles. Aber sollte ich mir je wieder eine Bloody Maria bestellen, dann nur mit Späck, Späck, Späck.

Milagros

Als Nächstes war Milagros an der Reihe. An dem 44-füssigen Einmaster mit Center Cockpit fiel mir besonders das wunderschön glänzende Freibord und Deck auf. Sah aus wie frisch gestrichen. Sie war auch festlich dekoriert – mit silbrigem Weihnachtslametta. Und besonders überzeugte mich das helle Interieur und der grosszügige Motorenraum, wenn auch nicht so gut beschriftet 😉 Die Gastgeber Patricia und David, ohne Hund, dafür mit Pokémon Woingenau servierten Kaffee und Kuchen, und dazu einen kleinen Baselbieter Kirsch. Die Meinungen über das Schnäpsli gingen diametral auseinander. Wer mochte, durfte sich alternativ einen Tequila Sunrise mischen lassen oder ein Mundwasser-Shot genehmigen. Dieser Shot war ein Spontankauf im Mini-Supermarkt, über den wir uns erst lustig gemacht hatten: eine hellblaue Flüssigkeit in einer PET-Flasche. Wasser mit Farbstoff, Heidelbeergeschmack und 5% Vodka. Es war aber gar nicht so schlimm wie es aussah und tönt.

Ayala

Mit dem Klingeln des Alarms bewegten wir uns zum nächsten Schiff, dem vollelektrischen Einmaster Ayala mit Charles, Nora und Crew Bram an Bord. Wir snackten Noras selbstgemachte Bohnenpirogen und tranken dazu Micheladas – Bier mit Clamato (gem. Wikipedia ist Clamato ein kommerzielles Getränk aus rekonstituiertem Tomatensaftkonzentrat und Zucker, das mit Gewürzen, getrockneter Muschelbrühe und Mononatriumglutamat aromatisiert ist). Du kannst es dir geschmacklich wie Bier mit rot gefärbter Knorr-Bouillon vorstellen. Es ist hier ein beliebtes Erfrischungsgetränk. Bei mir und David nicht so sehr. Wir waren vertieft in Gespräche darüber, wie wir uns das Seglerleben finanzieren, als es schon wieder Zeit zum Wechseln war. Das Programm war straff und Craig sorgte dafür, dass es eingehalten wurde. Hat er womöglich deutsche oder Schweizer Wurzeln?

Alegría

Die Sonne ging schon unter, als wir uns bei Mike, Katie und Hund Rosco auf Alegría, einer 50-Fuss Gulfstar und somit dem grössten Schiff der Flottille, einfanden. Die von Katie servierten Snackkartoffeln mit selbstgemachten mexikanischen Salsas von Mike wurden verschlungen, als hätten wir seit Tagen nichts mehr gegessen und nicht auf jedem vorhergehenden Schiff Snacks gefuttert. Dazu gab es Kokosnuss-Erdbeer-Margaritas, zwar nicht ganz mein Fall, aber trotzdem lecker. Und Dave und ich erhielten eine kleine Besichtigung der neusten Upgrades, die Alegría seit dem letzten Mal erhalten hat.

Cavu

Last but not least verschoben wir uns auf Cavu, das Schiff (eine 37er Tartan) von Geburtstagskind Nummer 2 Dave und Marla mit Hundi Gomez. Sie servierten Pizzarollen mit Tomatensosse zum Tunken und Geburtstagskuchen, dazu gab’s (endlich) ganz normales Bier. Das Highlight steuerte die Alegría-Crew bei: Schwarzlichtlampen und Neonstifte. Nachdem jemand den Anfang gemacht hatte, wurden die Muster und Zeichnungen auf Armen, Händen, Beinen, Füssen und in den Gesichtern immer wilder. Fleissig wurde gemalt und gezeichnet. Wir sollten auch Tage später noch Rückstände dieser erstaunlich hartnäckigen Farben finden. Besonders auf Finger- und Zehennägel schien das Zeugs wasserfest zu sein. Bis weit nach Mitternacht feierten wir die beiden Geburtstage in bester Gesellschaft. Mit unzähligen Eindrücken, mit denen wir dieses Fest noch lange in Erinnerung behalten werden, gingen wir nach Hause.

Hier ein Video-Link mit der Partyzusammenfassung:

Eine nette Geste

Die Tage nach der Party verbrachten wir erneut mit Schnorcheln, Fischen und Chillen am Strand, einmal sogar mit einem Lagerfeuer. Wir bereuten es danach ein bisschen, da alles, also wirklich alles noch tagelang nach bissigem Rauch stank. Wir lernten auch eine kleine Familie kenne, die mit ihrem Wohnwagen am Strand campte und sich für das Bootsleben interessierte. Für sie war unsere kleine Flottille ein Glücksfall, denn von 37 Fuss bis 50 Fuss, über Heckcockpit und Center Cockpit, bis Einmaster und Zweimaster war alles dabei. So konnten sie jedes Schiff besichtigen und sich die Vor- und Nachteile aufzeigen lassen. Als Dank brachte uns die Familie eine riesige Ladung Gemüse aus der nächstgelegenen Stadt mit, die wir unter uns allen aufteilen konnten.

Star Wars

Nach und nach verliessen Island Fox, Ayala und Remedy die Flottille und es wurde etwas ruhiger und überschaubarer. David und ich hatten ursprünglich den Plan, vom 1. bis zum 6. Mai alle 6 Star Wars Filme (der internationale Star Wars Tag ist nämlich am 4. Mai) zu schauen. Wir haben dann schlussendlich nur einen Film geschafft (Episode V für die, die’s interessiert), den wir mit Cavu und Lasagne bei uns im Cockpit schauten. Immerhin.

Ein ungewöhnlicher Fund

Bei einer letzten Einkaufstour, bevor wir alle weiterziehen wollten, entdeckten wir etwas sehr Ungewöhnliches am Strand. Ein Tier, ein ziemlich grosses noch dazu, lag halb im Wasser. Bei näherer Betrachtung stellten wir fest, dass es ein Puma war. Da sein Kopf unter Wasser war, waren wir ziemlich sicher, dass er tot war. Aber noch nicht lange, denn tags zuvor war er noch nicht da. Er hatte keine sichtbaren Verletzungen und wir konnten seine Spuren im Sand sehen. Er ging ganz normal am Strand entlang und bog dann irgendwann zum Wasser ab und starb. Wir vermuteten, dass er vergiftet wurde. Sehr schade um das schöne Tier.

Zeit zu gehen

Dann war es auch für uns an der Zeit, zu gehen. Nicht dass wir weggemusst hätten. Es war super dort, und das Wetter hatte auch gepasst. Aber wir wollten noch andere Ankerbuchten entdecken, und den anderen ging’s genauso. Also machten wir uns auf zum nächsten Ort und zum nächsten Abenteuer. Aber mehr dazu: nächstes Mal.

Danke, dass du unseren Blogbeitrag gelesen hast! Du kannst unsere Arbeit mit einem kleinen Beitrag zu unserem Bierfonds unterstützen, indem du unten auf den Button klickst. Praktischerweise sind auch monatliche Beiträge möglich! Dankeschön!

PS: Einige der Fotos stammen Island Fox, Small World, Cavu, Ayala und Alegría.

Hier weiterlesen


Schreibe einen Kommentar