Das Leben ist süss

Jetzt bin ich an der Reihe. Nachdem ihr immer mit Pati und Davids Blogbeiträgen Vorlieb nehmen musstet, melde ich mich auch mal zu Wort. Milagros ist ja schliesslich auch mein Schiff. Hier kriege ich zwar nur Wasser und nichts zu fressen, aber die beiden Klimaanlagen machen das Katzenleben noch angenehmer, als es auch so schon ist. Ich kann rumhängen und kratzen und beissen, wenn die beiden Besitzer meines Schiffs mir nicht gehorchen. Ich bin Dulce, "süss" auf Spanisch, so bin ich eben. Und ich bin die Platzchefin.

Lange waren sie weg, David und Patricia von meiner Milagros. Das ist aber kein Problem, denn ich habe viele Familien hier auf dem Boatyard. Wenn mal jemand nicht da ist, mache ich es mir eben woanders gemütlich. Auch die nun nicht mehr so neuen Nachtwächter haben mich bereits ins Herz geschlossen. 24 Stunden-Service von allen Seiten. Praktisch.

Wie die Elstern

In den letzten Wochen wurde mein Schiff wieder ein wenig mehr auseinandergenommen und der Mast entfernt. Seit Tagen hämmern und kratzen Patricia und David daran herum. Immer wieder ist ein Fluchen zu hören. Ein paar Schrauben und Bolzen lassen sich anscheinend nicht lösen. Zum Glück muss ich nur zuschauen. Als Schiffskatze weiss ich natürlich, wie man widerspenstige Teile entfernen kann. WD40 und PB Blaster. Die Wundermittel für alles.

Wie immer leihen sie sich allerhand Material von anderen Schiffsbesitzern aus. Wie die Elstern. Würde ich die beiden nicht am Morgen zwischen 3 und 4 Uhr wecken, nichts würde vorwärts gehen auf der Baustelle. Einfach ein paar Mal ins Gesicht fassen während sie noch im Bett liegen, und schon sind sie auf den Beinen. Ich bin ja schliesslich die Vorarbeiterin.

Gesegnet sei Dave

Leben wie die Katzen

Die beiden arbeiten meistens abends am Mast. Die pralle Mittagssonne müssen wir uns nicht antun. Dann verkriechen wir uns in der heruntergekühlten Kabine von Milagros und arbeiten an anderen Projekten. Also, die beiden Menschen arbeiten. Ich natürlich nicht. Aber ich biete ab und zu meine Hilfe an. Es kommt vor, dass auch meine Crew manchmal nicht arbeitet. Auch das muss sein. Ich gönne ihnen diese Päuschen. Denn wenn den Menschen keiner vorschreibt, wann sie was zu tun haben, werden sie schon fast katzenartig. Sie sitzen und liegen stundenlang herum. Plötzlich wissen sie, was gut für sie ist. Abends geht’s dann wieder an die Arbeit. Der Mast bietet mir eine wunderbare Sitzmöglichkeit. Hier kann ich den beiden beim Arbeiten zuschauen und der Mast wärmt mir den Bauch. Hach "Arbeiten" - ich könnte stundenlang zusehen.

Was für eine Freude

Eines Morgens herrschte plötzlich mal wieder emsiges Treiben auf Milagros. David verkroch sich mal wieder in der Bilge. Scheint sein Lieblingsort auf dem Schiff zu sein. Auch finde die Bilge spannend. Darin verschwinde ich manchmal und untersuche die hintersten Ecken. Er aber wird von Pati in Plastik eingepackt, ich helfe dabei. Dann schneidet er mit der Trennscheibe am verbleibenden Wassertank herum. Einer ist ja schon raus, nun ist der zweite dran. Scheint wahnsinnig Spass zu machen. Er will sein Schiff verkaufen. Geht aber nicht, weil es in seine Einzelteile zerlegt ist. Hätte er sich vorher überlegen müssen. Trotzdem schafft er es, über seinen Schatten zu springen und die alten Wassertanks sind wenig später Geschichte.

Grüne Paste auf dem Unterschiff

Eine weitere bizarre Situation wenig später am Unterschiff. Die beiden machen sich auf, grüne Epoxid-Spachtelmasse über das nackte Fiberglas zu schmieren. Stunden- und tagelang. Manchmal in aller Herrgotts Früh. Soll anscheinend dafür gut sein, das Fiberglas zu stabilisieren bevor Farbe draufkommt. Kann man machen, muss man aber nicht. Während die beiden draussen schwitzen, lasse ich mir es im Schiff gut gehen. Ich habe die ganze Milagros für mich und kann endlich mal die Beine strecken.

Als die beiden damit fertig sind, stehen sie vor ihrem Werk und platzen fast vor Stolz. Menschen sind komisch. Menschen mit Schiffen sind noch komischer. Die arbeiten sich stundenlang in der Hitze fast zu Tode und sind auch noch stolz drauf. Wenn die wüssten, dass ihnen als nächstes tagelange Schleifarbeit bevorsteht. Weiss ich natürlich. Habe ich schon hunderte Male beobachtet.

Katzenklo, Katzenklo…

In der Nähe von Milagros befindet sich ein grosser Sandhaufen. Ist mein Katzenklo. Das musst du dir mal vorstellen. Es hätte genug Platz für 10 Katzen, aber nur ich mache hier mein Geschäft. Ein Traum! Bonita, der Platzhund verteilt sein Geschäft lieber quer über den ganzen Platz unter den Schiffen. Pfui! Da kann sie aber nichts dafür, Hunde sind ja bekanntlich nicht die hellsten Birnen am Kronleuchter. Was ich schon lange geschnallt habe ist, dass sie mir keine Gefahr ist. Viel mehr als bellen tut die nicht. Ich sitze dann einfach da und mache gar nichts. Völlig unbeeindruckt bin ich. Aber ich schweife ab. Das Klo!

Angriff auf den Thron

Während Patricia und David am Mast vor sich hin werkeln, sitze ich in meiner Luxustoilette und werde von zwei Vögel angeschrien, die auf dem Zaun über meinem Kopf sitzen. Sollen die mal herkommen. Kein Vogel ist vor mir sicher, ich töte alles was sich bewegt (und bedeutend kleiner ist als ich). Und lasse es dann liegen. Ich habe die Rechnung allerdings ohne diese beiden Vögel gemacht. Als ich wieder zurück zu Milagros will, packt mich plötzlich etwas am Hinterteil. Ich werde tatsächlich angegriffen. Von den Vögeln! Ich! Die Königin des Boatyards! Das ist zu viel! Schnell weg hier! Patricia und David haben natürlich alles gesehen und lachen mich aus. Mein Ruf ist ruiniert! Ich wurde von Vögeln in die Flucht geschlagen. Oh, die Schande!

Farbe aufs Schiff

Dann ist es mal wieder soweit. Ein neuer Anstrich kommt aufs Schiff. Zum x-ten Mal. Auch so eine Angewohnheit von Bootsbesitzern. Sie streichen ihr Schiff. Dann schleifen sie alles wieder weg. Dann streichen sie’s wieder. Dann schleifen sie alles wieder weg. Dazwischen spachteln sie jeweils. Völlig durchgeknallt. Dieses Mal kommt aber Pancho vom Boatyard mit seinem Spritzgerät. Dafür müssen Pati und David die ganze Milagros in Plastik einpacken. Ich helfe natürlich wieder fleissig mit. Ist ja klar, dafür bin ich da.

Eine neue weisse Schicht

Dann ging die Spritzarbeit los. Während Pancho eine weitere Schicht Primer auftrug, höselte ihm David hinterher und half wo er konnte, damit sich der Meister auf seine Malerarbeit konzentrieren konnte. Wenn sich David mal so viel Mühe geben würde, mich zu füttern. Ich warte immer noch darauf, dass ich auch Katzenfutter zu meinem Wasser kriege. Das Futter muss ich mir aber woanders holen. Sehr anstrengend. Aber ich schweife wieder ab. Die Hälfte des Schiffs war schnell gespritzt. Die zweite Hälfte musste warten, da die Sonne voll auf die Hülle knallte. Hätte zur Folge, dass der Totalboat Primer noch schneller trocknet, als er das auch so schon tut. Schaut schön aus. Dachten anscheinend auch David und Pati, denn wieder standen die beiden lange vor meinem Schiff herum.

Nach Hause

Nachdem auch die zweite Hälfte des Schiffs nun gespritzt ist, können sich David und Pati wieder anderen Projekten widmen. Sie haben noch viel vor in den nächsten Tagen. Nicht mehr lange, dann lassen die beiden mich wieder in Puerto Peñasco zurück. Keine zwei Wochen mehr, dann setzen sie sich in den Flieger nach Hause. Ein kurzer, zweiwöchiger Besuch für die Hochzeit von Patricias Bruder solls werden. Mal schauen, wieviel Fortschritt sie in den verbleibenden Tagen noch machen können. An mir solls nicht scheitern, ich helfe gerne. Also dann, bis ein andermal. Tschö!

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1 Comment

So ein cooler und lustiger Bericht – schön, dass es für Euch vorwärts geht – wenn auch mit seeehhr viel Arbeit verbunden. Herzliche Grüsse, Jacqueline

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