Zwischen Abenteuer und Frustration: Unser Segeltörn von La Paz nach Mazatlán

Nach einem kurzen Aufenthalt in La Paz segeln wir gemeinsam mit Flo Richtung Süden. Wir freuen uns darauf, endlich neue Gewässer zu erkunden. Es kommt aber alles anders als geplant und ein Malheur jagt das Nächste.

Nach einer Nacht in der Pichilingue Bucht segelten wir die letzten 10 Seemeilen nach La Paz hinein. Die Ankerbucht im Kanal war ziemlich voll mit Schiffen und es, war nicht einfach, einen geeigneten Platz zu finden. Ausserdem war gerade Neumond und Ebbe – das bedeutet sehr niedriges Niederigwasser -, deshalb wollten wir nicht die Sandbank zu unserem ‘angestammten’ Ankerort überqueren. Es hätte mit der Tiefe wohl gereicht, doch wir hatten keine Lust auch nur das kleinste Risiko einzugehen.

Als wir endlich einen Ankerplatz gefunden hatten, stellten wir fest, dass wir mitten Kanal geankert hatten. Wir waren zwar in bester Gesellschaft, doch dort wollten wir nicht bleiben. Es war aber bereits Abend, deshalb ankerten wir am nächsten Morgen bei Flut um.

Wir hatten mitten im Kanal geankert

Lärmige Sache

Vom Ufer her vernahmen wir schon am ersten Abend viel laute Musik und fanden dann schnell heraus, dass gerade Carneval war. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und mischten uns unters Volk. Am späten Nachmittag startete der Umzug, der in vielerlei Hinsicht der Fasnacht ähnelte, wie wir sie kennen, aber dennoch ganz anders war. Regionale Organisationen und Vereine hatten mit viel Liebe zum Detail Wagen dekoriert, auf denen entweder viele kostümierte Menschen tanzten oder ein bis zwei junge Frauen in prächtigen Kleidern und Kronen präsentiert wurden.

Die Wagen wurden meist von Pickups gezogen, auf denen riesige Boxen installiert waren, aus denen in ohrenbetäubender Lautstärke Musik rausdonnerte. Zwischen den Wagen gab es unterschiedlichste Tanzeinlagen. Wir standen direkt gegenüber einer Bühne, auf der ein Moderator alle vorbeiziehenden Wagen kommentierte. Den Rand des Umzugs säumten Vergnügungsbuden und Essenstände wie an der Herbstmesse. Das Ambiente war besonders speziell als die Sonne über den Segelschiffen unterging. Herbstmesse und Fasnacht am Meer quasi. Das gab schon ein bisschen Heimweh.

Sonnenuntergang über der Ankerbucht in La Paz

Hallo Zivilisation

Es war schön, nach mehreren Wochen fern aller Zivilisation und davor mehrere Monate im nicht so schönen Guaymas wieder in La Paz zu sein. Die Stadt hat kulinarisch und kulturell viel zu bieten, ausserdem genossen wir, dass alles zu Fuss erreichbar war. Und wir hatten noch einiges an Vorbereitungsarbeiten vor, bevor wir mit Flo nach Puerto Vallarta segeln wollten.

Teuer Geld

Wir liessen zum Beispiel die Hochdruckpumpe von unserem Wassermacher warten - zum Glück vom Profi -, denn ein Abstandshalter aus Chromstahl zwischen zwei Dichtungen liess sich partout nicht entfernen. Der Servicetechniker nahm die betroffene Einheit mit zu sich in die Werkstatt und schaffte es auch dort nicht, das Ding rauszuholen. Man bemerke: in der Anleitung steht einfach, dass man es entfernen soll. Der Techniker baute dann bei uns kurzerhand die Einheit eines anderen Modells ein. Ausserdem stellte er fest, dass die Wasseransaugpumpe defekt war. Wir hatten es aufgrund ihrer komischen Geräusche bereits vermutet, hatten aber irgendwie noch auf ein Wunder oder eine einfache Lösung gehofft. Leider mussten wir aber tief in die Tasche greifen. Das kleine Teil kostet sage und schreibe 400 $!!! Aber ohne diese Pumpe kein selbstgemachtes Wasser. Also bissen wir in diesen besonders sauren Apfel.

Burrito ist zufrieden

Auch holten wir Lauro, den Dieselmechaniker aus Puerto Escondido an Bord. Einerseits um die Dichtung der Dieselansaugpumpe zu ersetzen, und um andererseits einen generellen Motorencheck vor der Überfahrt zu machen. Wir gingen alles gemeinsam durch und checkten auch noch die Ausrichtung des Motors. Sein Fazit war: alles gut mit Burrito! Genau das wollten wir hören. Wir nutzen unseren Aufenthalt in La Paz auch, um uns in den vielen Schiffszubehörläden mit allerlei Goodies für Milagros (und uns) einzudecken - Öl für den Motor, Opferanoden, ein neuer völlig überteuerter WC-Rand, usw.

Es herrscht Verwirrung

Am Tag von Flo’s Ankunft fuhr David mit dem Taxi zum Flughafen, um ihn dort abzuholen, während ich auf dem Schiff blieb. Plötzlich hörte ich im Funk Flo’s Stimme, dass er am Dinghydock sei. Also fuhr ich an Land, um ihn abzuholen. Unterwegs rief mich David an, dass Flo noch nicht aufgetaucht war. Es stellte sich heraus, dass sich die beiden am Flughafen verpasst hatten. Ups. Das Wiedersehen feierten wir direkt mit Tacos und Margaritas, wie es sich gehört.

Die Welt ist ein Dorf

Die Schweizer Segler Thomas und Anja von SV Robusta waren auch in der Stadt. So verabredeten wir uns ein paar Tage nach unserer Ankunft zum ‘striele’ – leider ohne Thomas, der wegen einer Zahnbehandlung ausfallen würde. Wir sahen aber Thomas schon etwas früher als geplant, denn auf dem Weg zum Zahnarzttermin fiel sein Dinghymotor aus und wir sprangen kurzerhand als Taxi ein. Als Dank brachte uns Anja einen selbstgemachten Zopf; so hilft man noch gerner 😉 Zum Bier später gesellte sich mit Alex auch ein weiterer Schweizer, der mit seiner SV No Stress seit 6 Jahren solo um die Welt segelt. Die Welt ist manchmal schon ein Dorf.

Schweizer Treff

Da ein gutes Wetterfenster für die Überfahrt bevorstand, bereiteten wir uns auf Hochtouren auf die bevorstehende Überfahrt vor: Rigging inspizieren, inneres Vorstag montieren (das lag nämlich seit fast 2 Jahren in unserer Bilge), Provisionierung, Unterwasserschiff reinigen, Passagenplanung der 350 Seemeilen, und so weiter. Dabei kam aber das Vergnügen nicht zu kurz. Wir genossen nicht nur den Vibe von La Paz, sondern auch das Seglerleben. Alex lud uns zum Feierabendbier auf seine No Stress, eine 54 Fuss Amel Super Maramu, ein. Das ist dasselbe Schiff , mit dem die berühmten Youtuber von SV Delos seit 10 Jahren um die Welt segeln. Es war spannend, dieses Modell mal mit eigenen Augen zu sehen. Wir verbrachten einen lustigen Abend auf Schweizerdeutsch. 6 Schweizer Segler aufs Mal, das hat für uns Seltenheitswert. Fotos gab es leider keine.

Es geht los auf die Überfahrt

Dann war es so weit: Wir starteten unsere knapp 3-tägige Überfahrt nach la Cruz, denn es tat sich ein nettes Norwindfenster mit 20-25 Knoten auf, das optimal für den geplanten Vorwindkurs war. Nach ein paar Stunden motoren gegen Norden und den Wind, um aus La Paz rauszukommen, konnten wir die Segel hissen und nach Osten abdrehen. So segelten wir auf einem durchaus sportlichen Halbwindkurs mit den Wellen von der Seite. Als es endlich Zeit war, auf den Kurs Richtung Südosten und somit Richtung La Cruz zu drehen, merkten wir, dass Milagros das so nicht wollte.

Unsere geplante Route für die Überfahrt zum mexikanischen Festland

Die Laune sinkt

Die See war richtig verwirrt und wir kriegten das Schiff einfach nicht stabil. Das bedeutete von Hand steuern. Und sobald es dunkel wurde, wurde Flo seekrank und war deshalb ausser Gefecht. Also steuerten David und ich von Hand – und das war richtig mühsam. Aber wir waren im Flow. Aber als wir plötzlich mitten in der Nacht angefunkt wurden mit den Worten: «Milagros, Milagros, was habt ihr vor? Geht ihr vor mir oder hinter mir durch?» geriet alles ausser Balance. Wir suchten den Horizont ab und konnten nichts entdecken. Auch auf unserem Bildschirm mit den AIS-Informationen (Automatisches Informationssystem) konnten wir kein Schiff sehen. Wir fragten ihn dann, was für ein Schiff er war, und er antwortete: «Ich bin ein Containerschiff».

Dann fanden wir heraus, dass die AIS-Informationen verschwinden, wenn wir auf unserem Bildschirm zu weit herauszoomen. Nicht gut. Überhaupt nicht gut. Wir einigten uns mit dem Tanker darauf, dass wir beschleunigten und er hinter uns durchfahren würde. Uns verging danach die Lust auf die lange Überfahrt gehörig. Die hohen Wellen, der starke Wind und der ungemütliche Kurs strapazierte unsere Nerven und wir wurden lethargisch. Als zum Beispiel eine Portion Nudeln mit Tomatensosse umkippte, liessen wir das Ganze einfach auf dem Boden liegen. Niemand mochte aufwischen.

Es wird noch schlimmer

Dann änderten wir kurzerhand unser Ziel und steuerten Mazatlán an. Dies verkürzte die Überfahrt um etwa einen Tag. Irgendwann kamen wir auch wieder ein bisschen in den Flow. Milagros segelte zusammen mit der Windsteueranlage allein auf einem Vorwindkurs. Wir hatten 2-3 Meter hohe Wellen von hinten und surften diese mit bis zu 11 Knoten (das entspricht in etwa Lichtgeschwindigkeit). So machte das Segeln wieder Spass – bis ca. 4h vor Ankunft. Plötzlich änderte nämlich Milagros aus uns unbekannten Gründen mitten in der Nacht plötzlich die Richtung und fuhr eine Halse, also in diesem Fall eine Patenthalse, denn wir wollten ja nicht halsen (mit dem Heck durch den Wind segeln). Zum Glück hatten wir eine Bullentalje montiert, die den Baum daran hinderte, ungebremst von einer Seite auf die andere zu schlagen. Dann verloren wir wieder die Lust am Segeln. Was passiert ist? Wir wissen es immer noch nicht.

Es ist vorbei

Das war noch nicht alles. Als wir dann den Motor starten wollten, blieb es beim Wollen. Er startete einfach nicht. Nach dem 2. Versuch ging ich unter Deck und probierte alles aus, was mit Dieselzufuhr zu tun hatte. Ich startete die elektrische Dieselpumpe, wechselte den Tank, stellte auf einen anderen Filter um und betätigte die den Hebel der Dieselansaugpumpe. In Kombination damit, dass David beim 3. Versuch etwas Gas gab, startete der Motor endlich. Diese Episode war ein weiterer Dämpfer auf der schon nicht vergnügungssteuerpflichtigen Überfahrt. Zu guter Letzt mussten wir auch noch bei Nacht in Mazatlán im Hafen ankern; unser erstes Ankermanöver bei Nacht. Wir funkten kurz vor der Einfahrt um 2 Uhr morgens noch mit dem Hafenmeister. Er sagte nur «seid vorsichtig». Aber der Hafen war gut ausgeleuchtet und im Nu setzten wir den Anker. Wir liessen alles Stehen und Liegen und waren nur noch froh, nach 41 Stunden endlich angekommen zu sein.

Unsere 250-Seemeilen-Reise von La Paz nach Mazatlán

Ein Unglück kommt selten allein

Am nächsten Morgen wollten wir uns ein ausgedehntes Frühstück mit Pancakes und Früchten gönnen. Doch dann passierte das Unglück: beim Mango schneiden blieb es nicht nur bei der Mango. Davids Hand war auch geschnitten. Sofort war klar, dass die Wunde genäht werden musste. Also machten Flo und ich das Dinghy parat, das noch ohne Luft auf Deck verstaut war. David und ich machten und danach auf den Weg an Land. Der Wächter der Anlegestelle empfahl uns das Cruz Roja – das rote Kreuz Spital – und ein Uber brachte uns innert 10 Minuten dorthin. Wir hatten uns auf eine lange Wartezeit eingestellt und Pancakes und Unterhaltungsmaterial eingepackt. Doch David kam sofort dran und sein Schnitt wurde mit 5 Stichen genäht. Kostenpunkt 180 Pesos - rund 9 Franken. Etwa eine Stunde später waren wir bereits wieder zurück auf dem Schiff.

Wir brauchen Entspannung

Da wir uns nach diesen Anstrengungen nach einer heissen Dusche sehnten, buchten wir kurzerhand das günstigste Zimmer, dass wir in Mazatlán finden konnten. Zu Fuss spazierten wir durch die Altstadt zum Hotel, checkten ein, duschten, gingen wieder und gönnten uns ein feines Abendessen. Die kommenden Tage entspannten wir uns von den Strapazen mit Spaziergängen durch Mazatlán: Hoch zum Aussichtspunkt, in die Altstadt und durch die Gassen, entlang an imposanten Kreuzfahrtschiffen. Zwischendurch nutzen wir das reichhaltige kulinarische Angebot von Glacé über Street Tacos bis hin zu lokalem Bier. Uns gefiel es dort wirklich. Einzig die Partyboote, Fähren und Containerschiffe, die ununterbrochen am Schiff vorbeifuhren, störten die Idylle.

Wenn wir wüssten

Nach 5 Tagen war es aber Zeit, weiterzusegeln, denn Flo musste bald im 200 Seemeilen (ca. 360 km) entfernten Puerto Vallarta aufs Flugi nach Hause in die Schweiz, und unsere nächsten Gäste Hürzi und Chrigi wollten dort ebenso bald zusteigen. Wir planten unsere Weiterreise nach Süden so, dass wir bei der Isal Isabel, einer Vogelbrutstätte 20 Seemeilen vor der Küste halt machen konnten. Denn nur bei wenig Wind war der Ankerplatz einigermassen akzeptabel. Doch am Abreisetag hatte Milagros andere Pläne mit uns. Wir entdeckten etwas, das unsere Weiterreise verhinderte und potenziell für längere Zeit verzögerte.

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