Wir wollen aufs Wasser

Wir freuen uns für jeden, der mit seinem Schiff den Boatyard verlässt und endlich wieder segeln kann. Auch wenn dies für uns jedes Mal ein Abschied bedeutet und uns ein kleines bisschen eifersüchtig macht. Denn wir wollen auch! Aber wir wissen: unsere Zeit auf dem Wasser kommt bald! Nur noch ein paar (tausend) Projekte abschliessen, dann ist Milagros auch parat. Zum Glück haben wir die Möglichkeit, mit zwei anderen Booten zu segeln zu gehen.

Abschied auf Zeit

Mit dem Kennenlernen von coolen Leuten beim Segeln oder auf dem Boatyard steht auch immer irgendwann ein Abschied an. Manchmal früher, manchmal später, manchmal für lang, manchmal nur für kurz. Es ist nicht so, dass wir damit schon viel Erfahrung hätten, abgesehen vom Abschied von unserem ganzen Leben, das wir in der Schweiz hinter uns gelassen haben. Aber auch hier müssen wir uns an das regelmässige Tschüss sagen gewöhnen. Erst letzte Woche mussten (oder durften?) wir uns von zwei Schiffen verabschieden, die uns während unseren ersten 3 Monaten auf dem Boatyard begleitet hatten: SV Cavu und SV Alegría.

Ein Schiff in ihrem Element

Das Einwassern nach einem Umbau ist immer ein spezieller Event, der ausgiebig zelebriert werden muss. Nach dem erfolgreichen Einwassern von Alegría stiessen wir mit Mike und Katie und Cavu Dave und Marla auf den Abschluss eines Kapitels und den Beginn eines neuen Kapitels an. Im Cockpit eines Schiffes auf dem Wasser zu sitzen ist einfach tausendmal besser als auf dem Trockenen. So genossen wir das leichte Schaukeln von SV Alegría und die Meeresbrise in der Marina. Und als uns ein Veranstalter von Fischerausflügen frischen gefangenen Fisch anbot, wurde gleich der Grill angeworfen. Mmmmh Fischtacos – und frischer geht einfach nicht.

Mexikanische Regeln

Als der Moment der Abfahrt da war, winkten wir an der Hafeneinfahrt zum Abschied. 2 Tage später, als SV Cavu die Leinen losliess, wollten wir wieder am gleichen Ort zum Abschied winken. Nur diesmal verweigerte uns die mexikanische Marine den Durchgang. Gleiche Zeit, gleicher Ort, anderer Tag, andere Regeln? Vermutlich einfach Mexiko. Wir konnten leider nur noch den Mast in der Ferne davonsegeln sehen. Wir werden sie aber bestimmt früher oder später wiedersehen. Und ihre 8 Meter Rolle 1708 Fiberglas haben wir auch noch.

Der Sommer naht

Es wird langsam wärmer hier – und das bedeutet zweierlei. Wer kann, der geht oder plant es zumindest. Und wer bleibt, muss sich auf die Hitze vorbereiten. Es wird gesagt, dass der Sommer – besonders in den Monaten August und September – hier brutal sei. Und wir glauben das auch – fast. Auf dem Klimadiagramm sieht es gar nicht sooooo übel aus. Schon heiss, aber nicht wie bei Würstchen auf dem Grill. Dennoch wird immer betont, wie übel heiss es sein wird. Ich muss zugeben, ich habe noch nie einen Sommer in der Wüste erlebt. Deshalb kann ich nicht aus Erfahrung sprechen. Ich glaube jedoch daran, dass Menschen extrem anpassungsfähig sind.

Klimaanlage?

Die Frage, ob wir denn eine Klimaanlage haben werden, habe ich stets mit Nein beantwortet. Wir brauchen das nicht. Gewöhnt sind wir es uns auch nicht. Und ich erinnerte mich immer an den Sommer in New York vor 3 Jahren. Mein Apartment in Manhattan hatte einfach verglaste Scheiben und wärmte sich deshalb ziemlich schnell auf. Es hatte wochenlang 38°C plus und ich hatte nachts die Wahl zwischen Klimaanlagenlärm und heiss. Und ich habe immer heiss gewählt, da ich mit dem Lärm der Klimaanlage nicht schlafen konnte. Natürlich habe ich das Gerät laufen lassen, bis ich mich hinlegte, aber das Apartment wärmte sich wieder auf.

Klimaanlage gegen Schoggi

Item. Als wir von SV GenM eine Klimaanlage angeboten kriegten, wollten wir erst ablehnen. Nach kurzem überlegen entschieden wir uns dann aber dennoch, sie zu nehmen. Es konnte ja nicht schaden, eine zu haben, falls es wirklich so schlimm werden sollte, wie ALLE sagen. So überlegten wir uns einen Weg, wie wir das Gerät installieren konnten, damit es seinen Dienst tun konnte. Wir haben auf unserem Schiff den Vorteil, dass das Centercockpit unser Schiff quasi in zwei Räume aufteilt. Unser Schlafzimmer ist durch den Tunnel und durch den hinteren Abgang zugänglich. Deshalb konnten wir einen der Zugänge für die Klimaanlage "opfern".

Holzkauf in Mexiko

Im "Todo para el Carpintero" haben wir uns eine Hartfaserplatte ausgesucht, und auf die gewünschten Masse zuschneiden lassen. Das Schneiden selbst wurde aber erst durchgeführt, nachdem wir das Holz bezahlt hatten. Wir wunderten uns zwar etwas über den Preis – 10 Fr. für ein 60x40cm Stück Hartfaserplatte schien viel zu sein. Das löste sich dann auf, als uns nach dem Zuschnitt auch noch die restliche Platte mitgegeben wurde. Zum Glück waren wir mit dem Auto unterwegs. Dann erinnerte ich mich daran, dass mir mal jemand erzählt hatte, dass es in Mexiko üblich sei, die ganze Platte kaufen zu müssen.

Wir sind beeindruckt

Zurück auf dem Boatyard schnitten wir dann mit unserer nigelnagelneuen Bosch Stichsäge die Aussparung für die Klimaanlage. Um das billige Material vor dem Wetter zu schützen, strichen wir es mit einer Schicht Epoxidharz. Tags darauf mussten wir die Klimaanlage natürlich gleich testen. Und wir waren beeindruckt. Innerhalb von 30 Minuten kühlte sie unser Schlafzimmer von 30°C auf 20°C runter. Die Hitze kann kommen!

Die Ruderinspektion

Etwas, wovor wir uns schon die längste Zeit gedrückt hatten, waren die Inspektionslöcher im Ruder. Wenn wir nämlich schon die Chance dazu hatten, wollten wir eine gründliche Ruderinspektion durchführen. Und dazu gehören ebendiese Löcher. Sie werden an strategisch ausgewählten Orten gebohrt, damit das Metallgerippe untersucht und somit ein Rückschluss auf die Integrität des Ruders gezogen werden kann. Unser Ruder besteht aus zwei Hälften, in denen drei miteinander verbundene Platten aus Edelstahl eingebettet sind. Als Füllmaterial wurden Spanplatten und sonstige Fiberglasresten verwendet.

Was wäre wenn

Wir fürchteten uns etwas vor dem Resultat der Inspektion, denn wir wussten, dass Wasser in das Ruder eingedrungen war. Im schlimmsten Fall kann das Gerippe korrodiert sein, denn der niedrige Sauerstoffgehalt in Kombination mit Salzwasser begünstigt den Zerfall. So könnte zum Beispiel der Ruderschaft abbrechen oder im Ruder durchdrehen, was beides zu Manövrierunfähigkeit (vermutlich im dümmsten Moment) führt. Ein schlechter Zustand würde also bedeuten, dass wir ein komplett neues Ruder bauen müssen.

Die Löcher werden gebohrt

Nach 3 Monaten konnte ich mich nun endlich dazu überwinden, die Löcher zu bohren. Warum jetzt? Weil wir mittlerweile die Fähigkeiten haben, ein neues Ruder zu bauen, sollte der Befund nicht wie gewünscht ausfallen. Oben am Ruder habe ich deshalb einige Zentimeter des Fiberglases abgetragen, um den Ruderschaft genauer inspizieren zu können. Und mit Filzstift habe ich das vermutete Gerippe aufgemalt und mir zwei Orte im oberen Teil des Ruders ausgesucht, die ich untersuchen wollte. Die Annahme war, dass wenn es oben gut ist, es auch unten gut sein würde und umgekehrt. Dann habe ich mit der Lochsäge die Löcher gebohrt.

Das Ergebnis

Das Resultat war zum Glück ganz ok; also nicht blendend, aber immerhin nicht schlecht. Der Edelstahl schien nicht korrodiert zu sein, jedoch war das Füllholz etwas feucht und weich. Und nachdem ich den Ruderschaft gereinigt hatte, fand ich Lochkorrosion an diversen Stellen. Das macht uns etwas Sorgen und wir müssen das noch genauer inspizieren. Das Ruder ist sonst wohl noch gut genug. Bevor wir die Löcher wieder verschliessen und mit 2 Schichten Fiberglas verstärken, lassen wir das Ruder noch ein paar Monate trocknen. Oder wir müssen ein neues bauen. Mal schauen.

Das muss alles warten

Bevor wir uns hier aber weiter um alle unsere Projekte kümmern, legen wir eine mehr oder weniger geplante Pause ein. Wir gehen nämlich segeln! Aus 2 geplanten Wochen sind mittlerweile 6 Wochen geworden. Wir wollten ursprünglich die ersten 2 Juniwochen mit meiner Schwester Carmen und Iñaki von La Paz nach Puerto Peñasco segeln, da sie ihr Schiff Anila hier über den Sommer auf das Trockendock stellen. Daraus sind dann irgendwann 4 Wochen geworden – ein bisschen mehr Training kann ja nicht schaden. Und nun hat sich ergeben, dass wir als Crew auf einem weiteren Schiff von hier aus zur Anila segeln können, anstatt den Bus zu nehmen. Noch mehr Training. Wir freuen uns sehr, endlich wieder Wasser unter dem Kiel zu spüren, wenn auch leider noch nicht bei Milagros.


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We celebrate with you in spirit..so happy for your upcoming time on the water and your travel plans. We love you all Fair winds ♥️‍♀️

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