Wir sind zurück!

Zurück in La Paz. Pati und ich sind zusammen die ganze Sea of Cortez herunter gesegelt. Auf unserem selbst renovierten 15 Meter langen Segelschiff. Krass, oder? Wer hätte das gedacht nach all den Zwischenfällen während dem Refit und den Problemen mit Burrito (unserem Motor). Wir hatten bereits wieder eine Liste mit kleineren Reparaturen und Verbesserungen zusammengetragen. Am allerwichtigsten: Wir wollten einen Segelsack nähen. Unser Grosssegel hatte sich nach all den Strapazen ein schönes Zuhause verdient. Wir wussten von ein paar Freunden in der Ankerbucht. Aber dass es gleich so viele sein würden? La Paz würde zu einem grossen Treffen mit vielen alten Bekannten werden.

Berühmt berüchtigt

Nach unserem kurzen Aufenthalt in der Bahia Falsa gleich vor La Paz war es wieder Zeit sich zu bewegen. Wir wollten näher an die Stadt heran. Die Ankerbucht von La Paz, oder besser gesagt, den Ankerkanal, kannten wir ja bereits bestens und auch die Einfahrt hatten wir bereits mehrfach hinter und gebracht. Alles kein Problem. Das Einzige, was uns ein wenig für Sorgen machte war das Ankern selbst in ebengenanntem Kanal. Denn der hat es in sich und ist überall in Mexiko bekannt. Starke Strömungen, Winde und daraus resultierend völlig atypische Bewegungen der Schiffe vor Anker, auch der «La Paz Walzer» genannt.

Ankern im Kanal

Wir hatten uns ja schon allerlei Horrorgeschichten zu Gemüte geführt (oder führen lassen) darüber, was denn alles schief gehen konnte, und nun lag es an uns. Aber auch hier: Alles gar nicht so schwierig. Nachdem wir uns einen Platz ausgesucht hatten, ankerten wir problemlos im Kanal. Und per Zufall direkt neben allerlei bekannten Gesichtern. La Paz wollte natürlich sogleich erkundet werden, also Dinghy ins Wasser und ab die Post. Wir hatten uns die Stadt in guter Erinnerung behalten und freuten uns wieder da zu sein.

Fondueplausch

Wir hatten laaaange gewartet damit, aber nun war die Zeit gekommen. Zeit für ein weiteres Fondue auf Milagros. Ja, wir Schweizer brauchen nicht viel für ein traditionelles Znacht. Käse schmelzen, selbstgemachtes Brot reintunken und schon sind wir glücklich. Es war ein guter Zeitpunkt für ein bisschen Schweiz, denn die Ankunft in La Paz war ein erster Meilenstein in unserer gemeinsamen Segelreise. Wo diese hinführen soll und wie lange sie dauern wird wissen wir nach wie vor nicht. Wir wissen nicht mal was morgen sein wird. Und das ist gerade das Schöne daran. Im Juli geht’s endlich mal wieder zurück ins Baselbiet. Wir sind in Mexiko zu Hause und sind es trotzdem nicht. Wir sind völlig ungebunden und raus aus dem Hamsterrad.

Zeitumstellung

Wir waren aber nicht nur zum Spass hier. Wir mussten auch arbeiten. Online um Batzeli zu verdienen und am Schiff, um nicht unterzugehen. Pati musste ein wenig untendurch. Die Umstellung auf Sommerzeit fand in der Schweiz eine Woche früher statt als hier. Da die Zeitverschiebung in die Schweiz deshalb eine Woche lang 9 Stunden betrug, musste sie sich tatsächlich einen Wecker stellen! Einen Wecker! Was war denn das?

Ein paar Projekte

Auch trieben wir einige Projekte voran. Wir verfugten beispielsweise den Küchenboden neu, hatten einen Wassermacher-Spezialisten an Bord, der unsere Entsalzungs-Anlage inspizierte (soweit alles gut) oder wir montierten ein paar Leinen, um unser Dinghy nachts vor Langfingern zu schützen. Man hört immer wieder von Diebstählen. Die Diebe haben es dabei meist auf die Aussenbord-Motoren abgesehen.

Ein wichtiges Upgrade

Das grösste Projekt war aber der Segelsack. Den Stoff hatten wir bereits in Puerto Peñasco besorgt, leider hatte sich der Segelsack aber nie von selbst genäht. Auch fehlt uns eine richtig gute Nähmaschine, die mehrere Lagen dicken Stoffs verarbeiten kann. Eine Sailrite musste her! Sailrite ist wahrscheinlich der bekannteste Hersteller von Industrie-Nähmaschinen für Segelstoff und andere anspruchsvolle Materialien mit grossen Dicken. Wir wussten von 2-3 Sailrite Nähmaschinen in der Ankerbucht, allerdings waren diese nicht verfügbar. Aber siehe da: Das Glück war uns hold - unsere lieben Freunde von SV Catspaw kamen ein paar Tage später nach ihrer Überfahrt vom mexikanischen Festland ebenfalls in La Paz an. Und wir durften ihre Sailrite ausleihen.

Projektfortschritt

Somit ging es los. Die Projektleiterin war Pati, denn ich habe keinen blassen Dunst vom Nähen. Ganz im Gegensatz zu ihr. Sie ist eine wahre Künstlerin, hat sie ja in Puerto Peñasco mit ebenso einer Sailrite (aber an der von SV Susimi) schon eindrücklich unter Beweis gestellt. Unter Anleitung von den offiziellen Anleitungsvideos von Sailrite ging es dann los. Stunden- und tagelang (deren vier) war Pati beschäftigt und unser Segelsack nahm langsam, aber stetig Form an. Wann immer sie mich brauchen konnte ging ich ihr zur Hand. Je grösser der Fortschritt, desto grösser die Nervosität. Hoffentlich war die ganze Arbeit nicht umsonst. Hoffentlich schaute das Ding am Ende dann auch gut aus. Und das tat es zum Glück. Unser Segel ist nun gut geschützt vor mexikanischen UV-Strahlen, Wind und Wetter. Wir konnten die alte dunkelblaue «Rösslidecke», wie wir sie nannten, verschwinden lassen und können nun mit unserem neuen Lazybag prahlen.

Wir treffen vielen Freunde

Bei SV Catspaw, deren Gin Tonic quer über die ganze Sea of Cortez berühmt-berüchtigt sind, bedanken wir uns mit einer Flasche mexikanischem Gin, den ich in unserem Lieblings-Supermarkt «Chedraui» fand. Allgemein waren die zwei Wochen, die wir in La Paz verbrachten, ein Stelldichein von bekannten Gesichtern. Wir assen selbst harpuniertes Yellowtail-Sashimi mit Joseph und Felicity auf SV Moist, tranken gleich zweimal Bier mit MV Venture Forth, da sie beim ersten Mal einen Tag zu früh auftauchten, degustierten einen Tequila mit ebengenannten und SV Susimi, es gab Tacos, Guacamole und Einkaufstouren im Uber mit Jost von SV Serenity.

Es werden noch mehr!

Wisst ihr noch, als wir uns damals ein Fischernetz auf SV Sea Note gefangen haben? Das war mit Ray, und auch er, seine Frau Chicgaila und ihr Hund Baxter waren gerade in La Paz. Auch hier: Fein essen und trinken. Auch mit unseren Nähmaschinen-Helden von SV Catspaw hingen wir immer wieder ab. SV Caribbean Dream sind gerade drauf und dran ihren riesigen Katamaran zu verkaufen, trotzdem fand sich auch hier Zeit für einen Schwatz und ein bisschen Zügelhilfe mit dem Dinghy. Dann tauchten auch plötzlich noch Matthew und April auf SV Blow Me auf. Es war wahnsinnig toll, mit all den bekannten Gesichtern rumzuhängen. Dieses Mal sogar auf dem Wasser! Yesssss!

Zeit um unter Wasser zu putzen

Da Letztere einen kleinen Tauchkompressor mit Luftschläuchen an Bord hatten, nutzten wir die Gunst der Stunde und putzten das Unterwasserschiff von gleich drei Segelbooten. Milagros inklusive. Wegen den starken Strömungen ist der Bewuchs in La Paz deutlich stärker als anderswo, das sah man auch am Bauch von Milagros. Aber alles kein Problem, nach 30 Minuten war sie wieder sauber. Anders an einem anderen Schiff, das wir noch geputzt haben. Die beiden Besitzer Greg und Stephen hätten Tauch-Exkursionen zum hauseigenen Korallenriff anbieten können und wären stinkreich geworden. Die vielen Bewohner ihres Schiffes waren nicht sehr erfreut über unsere Putzaktion. Aber was sein muss, muss sein. Und so mussten sie sich ein neues Zuhause suchen.

Der Wind nervt

Leider, leider ist auch der lokale Wind in La Paz zu Hause. Jede Nacht bläst in La Paz im Frühling und frühen Sommer ein strammer Wind genannt «Corumuel» aus Südwesten. Gepaart mit der Strömung vom Wasser aus der «richtigen» Richtung wurden Milagros und viele andere Schiffe einfach mal direkt in die falsche Richtung über ihre Ankerkette geschoben. Das führte zu allerlei komischen Vorkommnissen, Bewegungen und Geräuschen auf und im Schiff, kostete wertvollen Schlaf und stresste uns. Und der Wind ist kaa-ha-ha-haaaalt, denn er strömt vom Pazifik her! Was im mexikanischen Hochsommer eine willkommene Abkühlung ist, ist im April vor allem eines: KALT!

Lagerkoller

Nach zwei Wochen in La Paz war es dann auch mal genug. Wir wollten wieder los. Da draussen warteten viel zu viele tolle Ecken zum Entdecken und Erkunden. Wir merkten, wie ein gewisser Lagerkoller Einzug hielt. Besonders ich war schnell genervt ab Kleinigkeiten und wusste nicht mehr so recht, was ich mit mir anfangen soll. Eigentlich komisch, denn auf dem Schiff gibt’s ja immer was zu tun. Aber wenn es was zu tun gibt und man gleichzeitig keinen Bock hat es zu erledigen wird’s schnell mal schwierig. Aber schlussendlich sind wir ja nicht auf einem Segelschiff losgezogen um am immer gleichen Ort rum zu hocken. La Paz ist gut und recht und hat alles was wir brauchen, aber es ist trotzdem nicht ein Ort an dem ich unbedingt mehr als ein paar Wochen am Stück verbringen muss.

Weg hier!

Es war Zeit, das Tanzfest endlich wieder zu verlassen. Also ging es los zum Einkaufen und das Schiff vorbereiten. Unseren neuen, ständigen Begleiter «Corumuel» würden wir noch gehörig kennenlernen. But we didn't know that at the time, and so we left the anchor bay filled with anticipation for what might come next.

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