Wir sind in Puerto Peñasco angekommen!

100 Kilogramm Gepäck in 3 Taschen, 2 Gitarren und 1 Segel für Iñaki und Carmen. 3 Flüge. 1 Übernachtung in Mexiko City. 1 Busfahrt à 8 Stunden. Dies sind die nackten Zahlen unserer Reise Mexiko einfach. Nun ging es definitiv nach Puerto Peñasco. Wir wandern aus nach Mexiko und wohnen bald Vollzeit auf einem Segelschiff. Was als Hirngespinst begann wird nun Wirklichkeit.

Warten am Flughafen

Auf Wiedersehen!

Die Woche vor der Abreise war geprägt vom Abschied nehmen. Praktisch jeden Tag trafen wir Familie, Freunde und Bekannte zum Brunch, Mittagessen, Spaziergang, Kaffee, Bier, oder abends mit Suppe und Tee an der Feuerschale. Es tat gut all die Gesichter nochmals zu sehen, die uns nahestehen und so viel Freude in unsere Leben bringen. Der Virus war natürlich immer im Hinterkopf und so trafen wir uns wann immer draussen, es wurde fleissig Abstand gehalten, oder Maske getragen.

Meine Jungs im Schnee der Schweizer Alpen auf der Axalp

Los geht's!

Am 12. Januar 2021 war es dann so weit. In aller Herrgottsfrühe fuhren wir mit meiner Family an den Flughafen Zürich. Dort gab es nochmals Kaffee und Beisammensein, bevor wir unser Mammutprojekt Milagros antraten. Die Reise begann mit der Meldung von massivem Schneefall in Frankfurt. Da dies den dortigen Flughafen lahmlegte, hob unser Flieger mit zweieinhalb Stunden Verspätung ab. Trotzdem verpassten wir den Anschluss nach Mexiko City nicht.

Eine anstrengende Reise nach Mexiko

Ganz im Gegensatz zu unserer letzten gemeinsamen Reise nach Mexiko, hatten wir diesmal genügend Zeit zum Umsteigen eingeplant. In den Izzzleep Sleeping Pods in Mexiko City werden wir langsam auch Stammgäste. Der Weiterflug nach Hermosillo verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Dort angekommen bestiegen wir den Bus nach Puerto Peñasco. Es ging in Richtung Norden durch die Wüste von Sonora. Eigentlich eine schöne Fahrt. Aber wir beobachteten acht Stunden lang Plastikmüll am Strassenrand und in der umliegenden Wüste. Autsch. Das ist man sich halt nicht gewöhnt, wenn man aus unserem gestriegelten und geschniegelten kleinen Alpenland kommt..

Vom Militär gestoppt

Als wir einen Checkpoint des Militärs durchfuhren, wurde der ganze Bus geräumt und durchsucht. Das wäre kein Problem gewesen, hätten wir nicht Gepäck für fünf dabeigehabt. So wurde die ganze Aktion zu einer grossen Schlepperei, während wir von unseren mexikanischen Mitfahrern mehr oder weniger mitleidig beäugt wurden. Danach ging die Fahrt weiter gen Puerto Peñasco und Milagros. Wir wohnen bald auf unserem eigenen Segelschiff. Haben wir das schon einmal erwähnt?

Mit einem bis unters Dach gefüllten Taxi kamen wir nach 44 Stunden Reise fixfertig bei unserem neuen Zuhause in der Astillero Cabrales an. Dort mussten wir uns zuerst mal auf die Suche nach einer Leiter machen, um unsere Milagros zu beziehen. Gesagt, getan. Luke auf. Keine Kakerlaken, keine Mäuse und Ratten, kein Vogelnest und alles an seinem Platz. Alles garniert mit dem typischen Geschmack eines Segelschiffs und einer Schicht Wüstenstaub. Milagros war so, wie ich sie vor kurzer Zeit verlassen hatte. Willkommen zu Hause. Es war Zeit für eine Mütze Schlaf.

Unser Gepäck vor unserem Kelly Peterson 44 Bluewater Cruiser Segelschiff

Der erste Morgen

Die Sonne hatte noch nicht mal über den Horizont geblinzelt, da waren wir schon hellwach. Frühmorgens ist es um diese Jahreszeit noch kühl bei uns im Norden. So lagen wir dick eingepackt und mit Kaffee versorgt im Bett. Wir haben vor der Reise von unseren Freunden Romano & Lisa eine Aeropress geschenkt bekommen. Die ersten Kaffeekreationen schmecken uns bereits besser als diejenigen unserer altehrwürdigen Bialetti. Somit ist das ein weiterer Schritt auf dem Weg zum perfekten Kaffee auf dem Schiff. Wenn du weitere Ideen für uns zwei Koffein-Junkies hast, lass es uns wissen!

Morgen auf dem Boatyard
(What’s the Story) Morning Glory?

So starteten wir in den allerersten Tag unseres Lebens als Schiffbewohner. Um eine Erkundungstour gleich mit etwas Nützlichem zu verbinden, erhielten wir eine kleine Beratung von Salvador, dem Platzchef. Wir mussten eine Verlängerung für unseren Wasserschlauch besorgen, um das Schiff mit Wasser zu versorgen. Unsere rostigen Wassertanks füllen wir nicht mehr. Sie haben ausgedient und müssen sowieso raus. Somit zottelten wir los in Richtung Ferreteria de Puerto Peñasco.

Schöne rote Blumen auf den Strassen von Puerto Peñasco, Sonora, Mexiko.
Schöne Blumen umgeben von Abfall...

Dieser kleine Baumarkt in Gehdistanz vom Boatyard dürfte zwei neue Stammkunden haben. Er führt alles von Schreinermaterial, Wasserleitungen, Malerzeugs, über Besen, Schleifpapier, WC-Deckel und Schildkröten. Ja, richtig gelesen. Schildkröten. Wenn wir dann einmal mehr als zwei Sätze spanisch beherrschen, müssen wir mal nachfragen, was es mit dem ungewöhnlichen Angebot auf sich hat. Da ein Segelschiff kein artgerechtes Zuhause für Schildkröten ist, kauften wir uns halt eine Auswahl an Wasserschlauch-Utensilien.

Meeresfrüchte Tostadas mit Avocado
Aber zuerst gibts Tostadas mit Meeresfrüchten!

Wir treffen einen alten Bekannten

Als wir für unsere Tour per Taxi etwas weiter in die Stadt mussten, winkten wir per Zufall denselben Taxifahrer, mit welchem wir im November Carmen und Iñaki zum Bus brachten, herbei. Dies nachdem wir ein Taxi mit defekter Hupe dankend abgelehnt hatten. Dessen ununterbrochenes "Tuuuuuuuuuuuuut" war noch lange zu hören. Fredi ist nun der Taxifahrer unseres Vetrauens. Obwohl die gesprungene Windschutzscheibe und die nicht vorhandenen Sicherheitsgurten eher auf das Gegenteil schliessen lassen könnten. Mexikanische Autos halt - einen lieben Gruss an die MFK zu Hause. Wir haben mit ihm dennoch die Nummern getauscht, damit wir ihn bestellen können, wenn wir einen Ride brauchen. Wir können zwar noch kaum Spanisch und er kein Englisch, aber wir verstehen uns trotzdem prächtig.

Zwei Fahrräder!

Einen Ride, um in Puerto Peñasco von A nach B zu kommen brauchten wir sowieso. Deshalb wollten wir uns zwei Fahrräder besorgen. Hier kam wieder Fredi ins Spiel, denn er wusste wo welche zu finden waren. So fuhren wir mit ihm kreuz und quer durch Puerto Peñasco. Wir landeten sogar bei Fredi zu Hause, wo er uns das Fahrrad seines Sohnes verkaufen wollte. Fredis Frau hatte aber etwas dagegen, das Fahrrad sei schon einem Kumpel des Sohnes versprochen.

Hundebabies!!!

Wir wollten schon wieder losfahren, als Fredi uns kurzerhand noch den Nachwuchs seines Hundes zeigen wollte. Also wieder aus dem Taxi aussteigen, Welpen gucken. Wenn man sich Hundebabys anschauen kann, tut man das auch. Die stolze Hundemama hatte sich vor einiger Zeit ein Bein gebrochen, welches nun ziemlich krumm nachgewachsen war. Die Welpen hatten aber gottseidank alle Beinchen dort wo sie hingehören. So lernten wir auch noch einen Teil von Fredis Family kennen und konnten noch einen Blick in sein Zuhause erhaschen. Weiter ging die Suche nach zwei fahrbaren Untersätzen.

Schlafende Welpen
Sooo herzig!

Keep rollin’, rollin’, rollin’!

Wir fuhren mit Fredi von Ort zu Ort. Er übernahm das Reden mit den Händlern. Schlussendlich waren wir tatsächlich erfolgreich und können nun zwei fesche Puerto Peñascanische Drahtesel unser Eigen nennen. Auch wenn Taxifahrten hier absolut preiswert sind (und mit Fredi sowieso spassig sind), macht uns dies doch ein wenig unabhängiger. Wir gehen davon aus, dass wir auf der Suche nach Materialien in der ganzen Stadt unterwegs sein werden.

Eins nach dem anderen

Auch die Versorgung mit Strom und Wasser ist nun sichergestellt. Wobei von „sicher“ im Falle unseres Verlängerungskabels definitiv nicht die Rede sein kann. Auch unser Wasserschlauch hat noch Verbesserungspotential. Zurzeit ist er ein Flickwerk aus unserem eigenen Wasserschlauch und einem geborgten Schlauch von Jim. Er ist einer unserer Nachbarn und werkelt auch an seinem Segelschiff herum. Wohnen tut er gleich daneben in seinem riesigen Wohnmobil. Sein Schlauch rinnt. Das weiss er aber noch nicht.

So waren die ersten paar Tage in unserem neuen Leben bereits gespickt mit vielen Erlebnissen und neuen Bekanntschaften. Wir werden uns weiter einleben und irgendwann beginnt dann mal die Arbeit am Schiff. Wir haben bereits viele neue Ideen, auch für den Blog. Es bleibt spannend!

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18 Comments

Loved hearing all your experiences.. I am so proud of you. I laughed out loud at your descriptions of so many of your encounters. Well Done

Hans Buser, Pfeffingen

Hallo Ihr beiden
Toll, dass Ihr in Puerto Penasco gut angekommen seid. Ich werde Eure Abenteuer in den nächsten Monaten gespannt verfolgen.
Guten Start, Hans

Love your story, we live in the Phoenix area and own a condo at Puerta Privada on Sandy Beach for the last 14 years. Will be down next week and will come by the boat yard, would like to meet you.

Your stories are so interesting.
I live Puerto Peñasco my self I travel there with my family once a year hopefully we get to share a cold one
Cheers

If everything goes right, we’ll be out of Puerto Peñasco by July.
If not, we’ll have a cold one! 🙂

Holà Rebecca. Glad you like our content. We will (hope to) be here on the boatyard for 6 months. Come say hello when you’re here! 🙂

Wonderful idea! Love your story. We recently visited Puerto Penasco and love the place. My favorite chicken is just outside the gas station (same road to the marina) it was grilled chicken. Try it. We love wrecked at the reef it was our favorite hangout!

Hi Jennifer! Glad you like our stories! If you’re talking/writing about Pollo Sinaloa, we’ve been there in November when we hauled out, and the chicken was tastyyyyy! Wrecked at the reef is bookmarked, thanks!

Www.glendaledryerventcs.com

Nice story, unfortunately my Mexico people is that way garbage all over.
Why from Germany to Puerto Penasco, when there are better places to go Where Peñasco School is getting better than years ago We have a good Time in Sonora.

Holà! Thanks for your comment! So far we really like Puerto Peñasco,
there is too much garbage everywhere in the world, not only in Mexico.
We’re glad to read that you see improvements and you have a good time!

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