Segeln auf den Kapverden - wie alles begann

Sieht so aus als würden wir bald Vollzeit auf einem Segelschiff leben. Bis dahin war es ein langer Weg, aber wir alle müssen mal irgendwo anfangen. Hier erzählen wir euch die Geschichte wie wir innerhalb von nur ein paar Jahren zu Boaties wurden. Alles begann mit einer beeindruckenden Segelreise auf den Kapverdischen Inseln.

Wie wird man eigentlich Segler/in?

Ich denke für viele ist es relativ "straight forward" – man verbringt seine Kindheit in der Nähe eines grösseren Gewässers, somit wird einem das Leben am und auf dem Wasser praktisch in die Wiege gelegt. Vielleicht wächst man sogar schon auf einem Schiff auf. Andere finden über Umwege oder per Zufall ins Seglerleben, so wie das auch bei uns der Fall war. Aber von Anfang an…

Reisen als Paar

Patricia und ich kennen uns nun schon seit weit mehr als 10 Jahren, einen Grossteil dieser langen Zeit haben wir als Paar verbracht. Wir sind viel und weit gereist. Mit dem Zug, dem Wohnmobil oder dem Flugzeug – privat oder auch für die Arbeit. Seien es die Häuserschluchten von New York und Hong Kong, Ferien im Wohnmobil in Neuseeland, Fussballreisen nach Bulgarien, oder Geschäftsreisen kreuz und quer durch Europa - wir haben viel erlebt und gesehen, aber trotzdem nie genug gekriegt. Uns hat es schon immer in die Nähe und Ferne, aber vor allem an schöne Orte gezogen, denn die Welt ist gross und will entdeckt werden. Aber segeln auf den Kapverden? Das war was ganz Neues.

Somit haben wir auch keine Sekunde gezögert als Patricias Schwester Carmen und ihr Freund Iñaki (haben wir auch noch nie gehört, ist ein baskischer Name) uns gefragt haben, ob wir sie auf einen zweiwöchigen Segeltrip auf die kapverdischen Inseln begleiten würden. Beide sind erfahrene Segler mit vielen Meilen Erfahrung, allen voran Iñaki, der lange als Segellehrer und Skipper für die Segelschule Neuhaus auf dem Thunersee. Thun liegt in der Schweiz, unserem wunderschönen Heimatland.

Carmen and Iñaki entdecken die Insel São Nicolau auf den Kapverden
Iñaki & Carmen in all ihrer croc'schen Pracht

Segeln auf den Kapverden

Nach unserer turbulenten Reise auf die kapverdischen Inseln (inklusive annuliertem Flug in Zürich mit anschliessender Übernachtung in einem Hotel in Lissabon) waren wir plötzlich zwei Wochen lang Bewohner einer Beneteau Cyclades 43.3 namens "Whisky". Was wir in diesen zwei Wochen an Eindrücken sammeln durften, kann man schlecht in einem kurzen Blogtext erzählen ohne völlig ausufernd ein ganzes Buch zu schreiben. Vielleicht machen wir das später noch? Von Windstille bis zu 4m hohen Wellen, von völliger Ruhe bis zu katastrophaler Seekrankheit, über silberne Wellen im Mondlicht mit phosphoreszierenden Quallenschwärmen – die Liste ist endlos. Uns hat das alles völlig umgehauen. Es war klar, dass das wiederholt werden musste: kaum zu Hause angekommen planten wir praktisch bereits wieder die nächste Segelreise.

Willst du mehr sehen von unserer Segelreise auf den Kapverden? Hier klicken für die Galerie!

Raue See auf den Kapverden
David geniesst die raue See während dem Segeln auf den Kapverden
Unser Segelboot Whisky vor Anker in der Bucht von Santa Luzia, Kapverden

Projektboot zum Verkauf - wird es unseres?

Plötzlich, im August 2018 war sie aber da – Iñaki hatte sie im Internet entdeckt. Ihr Name war Orcella. Sie war eine monströse 75 Fuss (22 Meter) Frans Maas Expedition und lag in der Karibik. Unsere Milagros ist ja schon ein wunderschönes Segelschiff, aber diese Orcella war einfach ein absolutes Schmuckstück. Wir konnten uns sofort unseren Alltag auf dem Schiff vorstellen und begannen zu träumen und den Umbau im Kopf zu planen. Mit der Entdeckung von Orcella kam ein Stein ins Rollen, der unser Leben völlig auf den Kopf stellen sollte.

Wir haben begonnen, Nachforschungen anzustellen und schnell, Internet sei Dank, viel über das Schiff herausgefunden. Nach einem unglaublich teuren Telefonat mit einem Inspektor, der das Schiff bereits mehrere Male geprüft hatte, waren wir plötzlich in Besitz von aktuellen und detaillierten Fotos von Orcella. Obwohl sie in vielen Belangen ein absolutes Hammerschiff sein musste, kamen wir zur Überzeugung, dass das mit Orcella vielleicht doch nicht die grosse Liebesgeschichte werden würde.

Schnell war klar, dass Orcella während längerer Zeit vernachlässigt worden war. Sie musste gröbere Probleme mit Lecks und Feuchtigkeit haben und wäre ein riesiges und teures Projekt geworden. Überall zeigten sich Wasserschäden und Roststellen. Nachdem der Makler ein völlig verrücktes Angebot von Iñaki ausschlug haben wir uns dann schweren Herzens gegen sie entschieden. Ich persönlich finde nach wie vor, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, Orcella links liegen zu lassen, denn sie wäre in vielerlei Hinsicht ein zu grosses Risiko gewesen.

Es gibt kein Zurück mehr

Die Idee unser Dasein als Landratten aufzugeben und stattdessen zu Seebären zu werden, liess uns trotzdem nicht mehr los. Wir machten uns intensiv auf die Suche nach einem Segelschiff, das unser zukünftiges Zuhause werden sollte.

Sicht von unserem Segelschiff in Richtung Boa Vista auf den Kapverden
Los gehts!

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