Von A wie Akzeptanz bis Z wie Zerstört

Wir durchlaufen alle fünf Phasen der Trauer nach unserem Farbschock. Nichtsdestotrotz kriegen wir einiges auf die Reihe und lernen neue Fähigkeiten wie Innengewinde bohren und Verkabelung der Erdung. Dennoch lassen auch die Tiefpunkte nicht auf sich warten: Wir pflegen Dulce, verlieren Leinen und finden Korrosion.

Die fünf Phasen der Trauer

Die Entdeckung, dass die ganze Arbeit an unserem Freibord umsonst war, steckt immer noch in unseren Knochen. Nach diesem Farbschock durchlebten wir innert kürzester Zeit alle fünf Phasen der Trauer.

Leugnen

Als erstes war das Leugnen dran. Wir dachten, dass es eine Fehldiagnose sein musste und wenn wir die Farbe nur genügend lange trocknen liessen, würde es schon gut werden. So schlimm konnte es doch nicht sein. Oder?

Wut

Danach kam die Wut. Wir versuchten im Frust einen Schuldigen auszumachen. Waren wir selbst schuld? War es zu feucht oder zu heiss? Haben wir die Oberfläche nicht richtig gereinigt? Wurde die Farbe zu dick aufgesprüht? Ist der Primer fehlerhaft? War der Kompressor verunreinigt? War das Datenblatt des Herstellers ungenügend? Fragen über Fragen, die wir niemals abschliessend klären werden können. Vermutlich ist es eine Kombination verschiedener Faktoren. Und wir wussten von Beginn weg, dass praktisch alle negativen Reviews zu dieser Farbe genau unser Problem beinhalteten.

Verhandeln

Als nächstes war Verhandeln dran. Wir überlegten uns, ob wir nicht darauf pfeifen, die Farbe einfach dran lassen und uns später darum kümmern sollten. Unser Ego liess das dann aber nicht zu. Schliesslich ist das Freibord am Schluss praktisch das einzig sichtbare unseres Umbaus. Und das war immer noch dieser kleine Funke Hoffnung, dass vielleicht die Farbe doch noch aushärtet. Doch auch 2 Wochen später zeigte der Haftungstest nur eine kaum merkliche Verbesserung.

Depression

Danach fielen wir in die Depression. Wir bereuten den Entscheid, diese Farbe ausgewählt zu haben. Und dass wir einen Einkomponenten-Primer verwendet haben. Und dass uns das nicht schon früher aufgefallen war. Und überhaupt: wieso funktioniert bei Schiffen nichts einfach so? Wieso tun wir uns das alles überhaupt an? Mit demselben Geld wären wir mit dem Rucksack schon einmal um die halbe Welt gekommen. Wir sollten das Schiff verkaufen.

Akzeptanz

Schliesslich kam die Akzeptanz. Ein Verkäufer von Alexseal - unsere ursprüngliche Farbwahl - hatte Mitleid mit uns und bot uns einen super Deal an, den wir praktisch ohne zu zögern annahmen. Wir schlossen Frieden mit dem Fakt, dass uns (wieder!) mehrere Tage Schleifen bevorstanden. Aber wir beschlossen, erst mit dem Schleifen zu beginnen, wenn die Farbe unterwegs zu uns war. Denn aufgrund von Covid herrschte in den USA ein Rohstoffmangel, weshalb immer wieder gewissen Farbkomponenten fehlten. Und es ist ja bekanntlich nichts einfach. Wir widmeten uns deshalb in der Zwischenzeit anderen Projekten.

Kompostierwc

Unser Kompostierwc von Airhead wurde einige Wochen zuvor geliefert und musste noch fertig installiert werden. Das ganze Konstrukt hatten wir bereits angeschraubt und nun musste wir noch die Lüftung montieren. Dazu entfernten wir die Deckenverkleidung, um einen kleinen Ventilator an das Stromnetz anzuschliessen und einen Schalter dafür einzubauen. Eigentlich sollte dieser Lüfter durchgehend laufen, um die optimale Kompostierung sicherzustellen. Jedoch befindet sich der Ventilator nur einen Meter von meinem Kopf entfernt, wenn ich schlafe. Deshalb möchte ich die Möglichkeit haben, ihn während der Nacht auszuschalten, sollte mich sein Geräusch zu fest stören. Und hey, es war der erste Schalter, den wir beide je in unserem Leben installiert hatten. Und er funktionierte. Immerhin wieder einmal ein kleiner Erfolg.

Unsere neue Mastplattform

Während wir auf unseren neuen Baumbeschlag warteten, begannen wir damit, den Mast wieder zusammenzusetzen. So liessen wir alle überflüssigen Löcher von Pancho zuschweissen und bepinselten alles mit Aluminiumprimer und weisser Farbe. Damit wir unseren neuen Windmesser und den Windex oben auf dem Mast installieren konnten, haben wir eine Plattform designt. Das Ziel war, dass sich das Navigations- und Ankerlicht, die Antenne und die beiden Windinstrumente nicht in die Quere kommen. Wir haben die Plattform aus unseren alten Wassertanks zugeschnitten, ebenfalls von Pancho schweissen lassen und danach angemalt.

Innengewinde was?

Um sie auf dem Mast zu befestigen, mussten wir neue Löcher bohren, die auch ein Innengewinde benötigten. Dazu haben wir Kernlöcher gebohrt und danach Innengewinde geschnitten. Mat hat uns netterweise gezeigt, wie man das richtig macht und uns auch die dafür nötigen Werkzeuge zur Verfügung gestellt. Für die 1/4-20 Schrauben (1/4 Zoll Durchmesser mit 20 Gewindegängen pro Zoll) brauchte man nämlich einen 13/64 Zoll Bohrer. In unserem Bohrer Basis-Set ist dieser natürlich nicht enthalten. Und ein Innengewindeset besitzen wir auch nicht. Jetzt haben wir schöne neue Gewinde an ein paar Stellen am Mast.

Dulce in Not

Eines Morgens kurz vor Mittag fanden wir die Yardkatze Dulce draussen auf unserem Deck. Wir hatten uns schon gewundert, wo sie steckte, denn seit Monaten wohnte sie tagsüber auf unserem Schiff und genoss die Klimaanlage. Normalerweise verlässt sie das Schiff, wenn wir schlafen gehen und kommt wieder rein, wenn wir aufwachen. Tags zuvor war sie aber nicht aufgetaucht. Nun lag sie völlig entkräftet und dreckig da. Wir trugen sie unter Deck und untersuchten sie auf Verletzungen. Zum Glück fanden wir keine, ausser dass alle ihre Krallen komplett abgewetzt waren. Sie konnte auch kaum gehen und wirkte ziemlich zerstört. Und ihr Atem ging ziemlich schnell.

Was tun?

Wir entschlossen uns dazu, sie für eine Weile zu beobachten und falls es ihr nicht besser gehen würde, würden wir sie zum Tierarzt bringen. Wir stellten ihr Wasser und Futter hin und liessen sie in Ruhe. Als wir abends den Geburtstag von Nic, unserem Nachbar auf SV Rua Hatu, mit frischen Austern vom Grill feierten, fiel uns plötzlich ein, dass Dulce vielleicht auch mal ihr Geschäft verrichten musste. Schnell füllten wir eine Farbwanne mit Dulces Toilettensand und stellten ihr ihr neues Klo hin. Keine 10 Sekunden später benütze sie es auch schon, als hätte sie nie was anderes getan.

Verändert

Ihr Zustand besserte sich zum Glück über Nacht. Nach 24 Stunden schaffte sie es auch schon, sich zu reinigen. Sie schien aber noch ziemlich steif zu sein, als hätte sie eine grosse Anstrengung hinter sich. Als sie mich biss und kratze, als ich sie streichelte, wussten wir, dass es ihr wieder gut ging. Wir werden wohl nie erfahren, was wirklich mit ihr passiert war. Vielleicht ist sie irgendwo reingefallen oder war festgesteckt und konnte sich mit Müh und Not befreien. Oder sie wurde von einem Auto angefahren und hat beim Versuch, sich auf dem Asphalt festzuhalten, alle Krallen abgewetzt. Wir wissen nur, dass sich ihre Persönlichkeit etwas verändert hat. Sie ist jetzt ruhiger, deutlich weniger rabiat und hat ein wenig an Eleganz in ihren Sprüngen eingebüsst.

Passend machen

Leider liessen erneut Tiefpunkte nicht auf sich warten. Als wir die Salinge wieder anbringen wollten, passten sie nicht mehr. Alle vier! Wenn wir sie nicht selbst entfernt hätten, hätten wir nicht geglaubt, dass sie einmal gepasst hatten. Wir konnten einfach nicht glauben, dass sich das Aluminium plötzlich ausgedehnt hatte. Aber bei jedem einzelnen Saling musste der Dremel an die Arbeit und eines der Löcher für die Bolzen vergrössern. Warum auch immer...

Leinen einziehen

Bevor wir mit den Arbeiten am Mast begonnen hatten, hatten wir alle Leinen durch Platzhalterleinen ersetzt. Nun wollten wir die Leinen wieder einziehen. Drei der vier Leinen, die durch das Mastinnere verlaufen, gehen bis ganz zuoberst in den Mast. Als wir damit begannen, die erste Leine mithilfe der Platzhalterschnur wieder in den Mast einzuziehen, sind aus Versehen die beiden anderen Platzhalterschnüre auch mitgekommen. So hatten wir auf einen Schlag zwei von drei verloren. Einmal im Mast drin, blieb uns nur, sie unten rauszuziehen. Uns blieb aber immerhin noch eine, mit der wir weitere Leinen durch den Mast ziehen konnten.

Eine Beinahe-Katastrophe

Als dann aber die übriggebliebene Platzhalterschnur mit der Leine zusammen steckenblieb, ging das Fluchen los. Wir versuchen alles Mögliche, inklusive Mast drehen (das bedeutete die Salinge auf einer Seite mussten wieder abmontiert werden). Schlussendlich fanden wir heraus, dass die dünne Platzhalterschnur zwischen dem Leitungsrohr für die Stromkabel und den Schrauben einer tags zuvor montierten Mastbefestigung lag. Die viel dickere Leine passte dort einfach nicht durch und blieb stecken. Wir wischten uns den Schweiss von der Stirn und zogen nacheinander alle Leinen wieder ein. Ende gut, alles gut. Glück gehabt.

Mühsam

Danach konnten wir die Mastrollen, über die am oberen Ende des Masts die Leinen laufen, wiedereinsetzen und die Mastpüttings mit unseren neuen Bolzen wieder befestigen. Dies hört sich simpel an, wurde aber dennoch zu einer Geduldsprobe. Die Details dazu lasse ich aber aus. Es war einfach nur mühsam.

Arbeit am Kühlsystem

Während ich Rob von SV Mapache zuschaute, wie er die Einzelteile seines auseinandergebauten Motors reinigte, begannen wir etwas über Motoren zu sprechen. Ich erzählte ihm, dass wir den Ausgleichsbehälter (Teil des Motorkühlsystems) im Motorenraum verschoben hatten und dass dabei braune, dickflüssige Kühlflüssigkeit aus dem Schlauch tropfte. Wann wir denn das letzte Mal die Kühlflüssigkeit ersetzt und den Wärmetauscher gereinigt hatten, fragte er mich. Ähm, also, wir haben das in den letzten 2 Jahren nie gemacht. Da das aber etwas ist, was man regelmässig machen sollte, kam das direkt auf unsere To Do Liste. Dies war eine Aufgabe, die sich gut während der Mittagshitze erledigen liess.

Konstruktionsfehler

Ich fand im Motorenhandbuch den Auslass für die Kühlflüssigkeit und liess erst mal die etwas 10 Liter ab. Als ich dann die Abdeckung öffnete und den Wärmetauscher rausholen wollte, war der Auspuff im Weg. Ich musste jetzt ernsthaft den Auspuff abschrauben! Das scheint ein Konstruktionsfehler des Auspuffrohres zu sein, da wie gesagt der Wärmetauscher regelmässig - also optimalerweise 1-mal pro Saison - gereinigt werden sollte. Ein verschmutzter Wärmetauscher kann zu Überhitzung (insbesondere in diesen Breitengraden) und somit zu einer Verringerung der Lebensdauer des Motors führen.

Reinigung mit Salzsäure

Da Rob seinen Wärmetauscher ebenfalls noch reinigen musste, kam er eines Morgens mit einem Kessel und Salzsäure vorbei. Im Verhältnis 1:3 mischten wir die Säure mit Wasser und liessen die Säure die vielen kleinen Kupferrohre reinigen. Bei unserem Wärmetauscher waren 3 der Röhrchen mit Gummistückchen verstopft. Irgendwann einmal vor unserer Zeit musste ein Impeller der Wasserpumpe ein paar Stückchen verloren haben. Dadurch war die Kühlleistung um rund 10% verringert, was doch ziemlich signifikant ist.

Die Schiffshydra

Wie immer führte die Erledigung einer Aufgabe wieder zu neuen Aufgaben. Einerseits mussten wir neue Schrauben für die Befestigung des Auspuffs bestellen, da die alten ziemlich verrostet waren. Andererseits entdeckten wir am Auspuff eine feuchte Stelle mit starker Korrosion, die durch den Hitzeschutz verdeckt war. Jetzt müssen wir herausfinden, ob unser Auspuff ein Loch hat und geschweisst werden muss.

Elektroinstallation

Vor einiger Zeit hatten wir das Problem mit dem Kriechstrom behoben. Die neutrale Phase und die Erdung waren fälschlicherweise miteinander verbunden, was unter anderem dazu geführt hatte, dass David einen Stromschlag vom Schiff kassiert hatte und auch das Abblättern der Farbe wegen Korrosion an unserem Mast verursacht hatte. Wir mussten aber noch weitere Dinge an unserer Erdung korrigieren. Einerseits war die Erdung unseres AC-Systems (110V) nicht mit der Erdung des DC-Systems (12V) verbunden, andererseits war das Gehäuse unseres Inverters nicht geerdet. Und weil es so schön ist, fanden wir auch noch heraus, dass unser Trennwandler (Schutz vor Kriechstrom von aussen) falsch verkabelt war.

Kabelsalat?

Wir benötigten dafür grüne (Farbcode für die Erdung im AC-System) AWG 6 Kabel, dazugehörige Quetschhülsen und eine Crimpzange für diese Grösse. Und auch hier wie immer der Klassiker: wir hatten nichts von alledem an Bord, da es über die Standardgrössen hinausging. Wir konnten uns aber alles einmal mehr von anderen Seglern hier auf dem Boatyard besorgen. Wir wühlten uns also durch unsere Kabel und versuchten zu verstehen, welches Kabel nun wohin muss. Zum Glück stand uns unser persönlicher Elektroberater Cavu Dave mit Rat und Tat zur Seite. Schlussendlich fand alles seinen Platz und es scheint so, als ob nun alles seine Richtigkeit hätte.

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