Vom Winde verweht

Mit unserer Ankunft bei der Isla Coronados hatten wir unseren ersten Segeltrip der Saison erfolgreich gemeistert und damit unsere Reise Richtung Panama begonnen. Wir hatten nun rund 3 Wochen Zeit, bis wir im rund 130 Seemeilen (ca. 250 km) entfernen La Paz sein mussten. Dort nehmen wir nämlich wertvolle Fracht auf: Unser Freund Flo aus der Schweiz steigt zu und wird mit uns bis nach Puerto Vallarta am mexikanischen Festland segeln.

Bis es so weit ist, wollten wir auf der Baja Seite noch das letzte Mal ein paar Ankerbuchten entdecken. Isla Coronados war zwar nicht gänzlich neu für uns, doch wir hatten noch nie auf der Südseite der Insel geankert. Am Tag nach unserer Ankunft war Montag, also ein Arbeitsmorgen für mich, und David ging mit Pete und Shinyi von SV Swan Song an Land, um den Vulkan zu erklimmen. Ich hätte vermutlich mitgehen sollen, denn dann war mir noch nicht bewusst, dass es weitere 5 Tage dauern würde, bis ich wieder an Land konnte.

Es ist nass und kalt

Es war Nordwindsaison und der Wetterbericht sagte vier Tage starken Wind bis zu 70 km/h voraus. Obwohl wir an der Südseite der Insel geankert hatten, waren wir weniger geschützt als erhofft. Es schlichen sich Wellen um die Südost-Ecke der Isla Coronados, die Milagros nur so tanzen liessen. Unser Beiboot wasserten wir gar nicht erst ein. Pete und Shinyi liessen sich aber von Wind und Wellen nicht abhalten, und kamen einige Male auf Milagros vorbei – vor allem für Siedler von Catan und Internetverbindung, aber sicherlich auch für uns. Auch Bernie und Kate von SV Momo liessen sich die Siedler von Catan Spiele nicht entgehen.

Szenenwechsel

Einen Nachmittag verbrachten wir auch bei Pete auf Swan Song und versuchten, seinen Wassermacher zum Wasser machen zu bringen. Wir scheiterten leider schlussendlich an einem (vermutlich) defekten Sensor, aber Shinyi tröstete uns mit leckerem, selbstgemachtem Sushi. Der Szenenwechsel tat gut, obwohl wir im Prinzip einfach auf einem anderen Schiff vom Wind hin und her geschaukelt wurden.

Wir segeln weiter

Sobald sich die See von all diesem Wind beruhigt hatte, konnten wir zur nächsten Insel weitersegeln. Leider war erneut ein starker, 4-tägiger Nordwind angesagt. Deshalb wollten wir nach unserer Ankunft in der neuen Bucht (Punta Perico) auch rasch das Dinghy einwassern und an Land gehen. Gerade als wir mit dem Bereitmachen des Dinghys begannen, holte das einzige andere Schiff seinen Anker hoch. Und wir freuten uns bereits, dass wir die Bucht für uns allein haben würden.

Kontrollverlust

Das andere Schiff motorte in unsere Richtung, und wir dachten uns nichts dabei. Der Besitzer wollte eine Runde um unser Schiff drehen, uns begrüssen und mitteilen, dass es viele Bienen hat. Doch plötzlich erfasste ihn ein Windstoss und sein Bug steuerte direkt auf Milagros zu. Er verlor die Kontrolle über sein Schiff und wir waren nicht schnell genug, um Fender hervorzuholen. Er war zum Glück nicht sehr schnell unterwegs, dennoch schrammte sein Grill, der auf seiner Reling montiert war, über unsere Toe Rail und zerstörte deren Lackierung über eine Strecke von einem Meter. Der Grill blieb dann in unserer Reling häng, verbog den Fuss eines Ständers und riss ab.

Einfach hallo sagen

Wir konnten aber zum Glück verhindern, dass unser neuer Freibordanstrich beschädigt wurde, und auch sonst wurde niemand verletzt. Nur haben wir jetzt einen weiteren Schaden, den wir nicht selbst verursacht haben, kaum dass wir dem letzten am Bugkorb repariert hatten. Uns begrüssen und über die Bienen informieren hätte er auch gut über Funk machen können. Er war aber so nett, uns seine Nummer zu geben und war bereit, für die Schäden aufzukommen. Doch wie sollten wir die Schäden beziffern? Kopfschüttelnd wasserten wir das Dinghy ein.

Endlich wieder an Land

Kurze Zeit später segelte auch schon Swan Song ums Eck. Kaum war deren Anker gesetzt, war auch schon das Dinghy im Wasser und wir trafen uns alle am Strand für einen Spaz(b)iergang. Dann realisierte ich, dass ich schon ganze 7 Tage kein Land mehr unter meinen Füssen hatte. Es tat gut, mal wieder über Stock und Stein zu gehen. Das Gehen hatte ich zum Glück noch nicht verlernt. Wir genossen die Ruhe vor dem Sturm, und entdeckten allerlei totes Getier am Strand. Verschiedenste Fische, eine Schildkröte, eine kleine Muräne, Muscheln und Korallen gab zu Bestaunen. Und auch die dramatischen Felsformationen der Insel in allen Farben und Formen, gespickt mit Kakteen und niedrig wachsenden Büschen waren eine Augenweide.

Es windet sehr

Und dann kam der Wind. Für 4 Tag praktisch non-stop rissen Winde von konstant 50 km/h mit Böen bis zu 75 km/h am Schiff. Unerlässlich und wütend. Und wir konnten nichts anderes tun, als die Luken dicht zu machen und den kalten Wind über uns ergehen zu lassen. Wir widmeten uns halt einigen Bootsprojekten. Wir wollten schon lange einen Bilgenpumpenzähler und einen Bilgenpumpenalarm einbauen. Ersterer zählt, wie oft die Bilgenpumpe läuft (optimalerweise läuft sie nie) und zweiterer alarmiert, sollte das Wasser im Schiff über einen bestimmten Pegel steigen (optimalerweise auch nie). Den Alarm wollten wir auch gleich noch mit der Installation einer sekundären Bilgenpumpe verbinden (die optimalerweise auch nie läuft), jedoch fehlte uns ein kleines Zwischenstück. Jetzt ist die Installation halt vorbereitet.

Starlink Modifikation

Unsere Starlink Satellitenschüssel hatte Mühe mit den Bewegungen des Schiffs im Wind. Ständig richtete sich die Schüssel neu aus. Das brauchte wahnsinnig viel Strom und bei jeder Ausrichtung setzte die Verbindung kurz aus. So konnten wir nicht arbeiten. Deshalb schraubten wir unsere Schüssel auf und nahmen kurzerhand den Motor vom Strom. Die Ausrichtung wird jetzt in Zukunft nicht mehr optimal sein, aber immer noch gut genug für uns. Wir bemerkten jedenfalls keinen Unterschied.

Windschaden

Eine besonders wütende Böe riss eines Abends eines der alten Solarpanels aus der Befestigung. David sass zu diesem Zeitpunkt zufälligerweise im Cockpit und konnte Schlimmeres verhindern. Wir fanden heraus, dass die Alunieten korrodiert waren und es nur eine Frage der Zeit war, bis etwas passierte. Dank unserem Solar-Upgrade, bei dem wir auch die alten Panels mit Verbindungssteckern und Schaltern ausgestattet haben, war es für uns ein leichtes, das eine Panel vom Strom zu nehmen. Mit wenigen Handgriffen verstauten wir das Panel unter Deck. Am nächsten Morgen reparierten wir die Aufhängung und innert kürzester Zeit produzierte das Panel wieder Strom für uns.

Es reicht langsam

Irgendwann hatten wir aber genug. Die 4 Tage wollten und wollten einfach nicht vorbei gehen. Immer wieder schauten wir auf die Wettervorhersage, doch sie blieb immer gleich. Es war richtig ungemütlich auf dem Schiff, denn der Wind war vor allem eines: laut. Und das konstante Hin- und Hergewackel macht unglaublich müde. Schlafen kann man bei diesem Lärm auch nicht so gut. Ohrenstöpsel wollten wir aber beide nicht reintun, denn wenn man nichts mehr hört, hört man auch nicht, falls etwas schief geht. Der eigene Anker könnte ausreissen, oder der eines anderen Schiffs in der Bucht, auch sonst können unter der Belastung Dinge kaputt gehen. Nach den 4 Tagen waren wir echt geschlaucht und freuten uns richtig auf ruhigere Zeiten.

Abschiedszeit

Bevor wir aber die Isla Carmen verliessen, mussten wir uns von Pete und Shinyi verabschieden, die sich wieder auf den Weg nach Guaymas machen mussten. Denn Pete ist Feuerlöschpilot in Kanada und die Waldbrandsaison startet bald wieder. Einen Tag später verabschiedeten wir uns auch von Bernie mit einer letzten Runde Siedler von Catan. Bernie lebt seit 19 Jahren auf dem Segelschiff Momo, hat darauf 2 Kinder grossgezogen und einmal die Welt umrundet. Wir hatten eine interessante Unterhaltung über die Vor- und Nachteile vom Aufwachsen auf einem Schiff. Uns ist nur ein Nachteil eingefallen: man hat keine Wurzeln, keine Heimat, keine alten Schulfreunde, zu denen man ‚zurück‘ kann, denn man ist überall auf der Welt zuhause. Was denkst du: Überwiegen die Vorteile?

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