Unser ereignisreicher erster Ankerplatz

Der Motor lief wieder und wir konnten unseren Blick in die Zukunft richten. So verliessen wir Puerto Escondido, um das erste Mal mit Milagros in einer schönen Bucht vor Anker zu liegen. Wir leben uns in das Leben vor Anker ein, doch die Bucht ist nicht sonderlich abgeschieden. Es ist ein Kommen und Gehen von Schiffen und es passiert ständig etwas – diesmal aber nicht uns.

Mit Milagros ist wieder alles in Ordnung – soweit wir wissen jedenfalls – deshalb konnten wir uns nun um unsere Weiterfahrt kümmern. Denn bevor wir nicht wussten, was das genaue Problem mit Milagros‘ Motor war, wollten wir keine Pläne machen. Denn es hätte auch gut sein können, dass unser Burrito nicht mehr zu retten war. Dann wären wir wohl ins nächste Flugzeug in die Schweiz gestiegen, hätten uns von dort aus um einen neuen Motor gekümmert und diese Segelsaison für beendet erklärt. Es ist aber zum Glück nicht so gekommen.

Honeymoon Cove

Gegenüber von Puerto Escondido liegt die Isla Danzante, in deren nördlichen Spitze sich die „Honeymoon Cove“ befindet und in etwa einer Stunde erreichbar ist. Wir suchten diese als unseren ersten Ankerplatz aus, damit wir – falls wir erneut irgendwelche Probleme hätten – schnell wieder in Puerto Escondido wären oder zumindest Hilfe holen könnten, sogar mit unserem Dinghy. Ausserdem war sie gut gegen den aktuell vorherrschenden Nordwind geschützt. Von dort aus konnten wir dann unsere Reise Richtung Süden fortsetzen.

Goldgräber

Anne und Colin von SV Paulina waren so nett uns in ihrem Auto mitzunehmen, als sie zum Einkaufen nach Loreto fuhren. Die beiden managen eine Goldförderunternehmung in Kanada an der Grenze zu Alaska. Dabei werden Goldkörner und -staub aus Kies mittels Waser und Schwerkraft extrahiert, und zu Barren eingeschmolzen, die zu etwa 80% reines Gold enthalten. Das Business ist aber saisonal, da dort oben im hohen Norden von Oktober bis März -45°C herrschen, und somit der Kies gefroren und nicht bearbeitbar ist. Mega spannend!

Tanken

Milagros war also wieder mit Wasser, Propan und frischem Essen aufgestockt. Nun fehlte nur noch Diesel. Da aber das Dieseldock an einem für uns ungünstigen Ort lag – für uns Anfänger war das Manövrieren dort zu anspruchsvoll – packten wir unsere Kanister ins Dinghy und tankten das Schiff halt so. Für uns ist Tanken immer spannend, da unsere Tankanzeigen nicht richtig funktionieren, und wir so nur kalkulatorisch wissen, wie voll unsere Tanks sind. Und wissen wir auch nur ungefähr, wie gross unsere beiden Tanks sind. Im Raum standen so je 30 – 35 Gallonen (115 – 135 Liter).

Wir brauchen Gewissheit

Meine kürzlich durchgeführten Volumenberechnungen ergaben jedoch je rund 40 Gallonen (150 Liter). Wie viel davon dann aber verwendbar ist, da ein Tank ja nie vollständig geleert werden kann, ist dann nochmals eine andere Frage. Bei Gelegenheit werden wir mal einen der Tanks komplett entleeren und neu füllen, dann wissen wir es sicher. Was wir sicher wissen ist, dass wir bei beiden Tanks je 15 Gallonen tanken konnten, was einen Durchschnittsverbrauch von 2.5 l/h während unserer Jungfernfahrt bedeutete. Und wir rechnen jeweils mit 3 l/h. Das ist schon mal ein guter Anfang.

Tschüss Puerto Escondido

20 Tage nach unserer Ankunft verliessen wir um 10 Uhr morgens Puerto Escondido mit Ziel „Honeymoon Cove“. Da wir uns jeweils beim An- und Ablegen abwechseln, war ich diesmal an der Reihe und fuhr mein erstes Ablegemanöver von einer Boje (wenn man die Ablegemanöver im Segelkurs auf dem Thunersee nicht mitzählt). Die 45 Minuten Fahrt zu der Insel vergingen wie im Flug und ich fuhr auch gleich das Ankermanöver.

Es ist nicht einfach

In dieser Bucht speziell ist, dass das Wasser ziemlich lange sehr tief bleibt und dann plötzlich fast im 45° Winkel seichter wird. Der Anker griff erst beim dritten Anlauf, aber schlussendlich wie geplant in 9 m (30 ft) Wassertiefe und wir liessen 55 m Kette dazu raus – empfohlen sind 5 – 7 Mal die Wassertiefe.

Schon der erste Notfall

Dass wir uns eher schwieriges Terrain zum Ankern ausgesucht hatten, merkten wir einerseits, als wir andere Schiffe beobachteten, wie sie auch mehrmals ankern mussten. Und andererseits, als wir am darauffolgenden Morgen plötzlich ein kleines Schiff rückwärts aus der Ankerbucht nebenan gleiten sahen. Ihr Anker muss ausgerissen sein. Wir funkten sie sofort an, da wir niemanden an Deck sahen, und machten uns daran, unser Dinghy einzuwassern, damit wir zu ihnen rüberfahren und bei Bedarf helfen konnten. Doch zum Glück sahen wir kurz darauf zwei Menschen in Unterhosen an Deck kraxeln, die das Schiff schnell unter Kontrolle hatten und ihren Anker nochmals neu setzten.

Erkundungstour

Die Bucht erkundeten wir am ersten Tag mit dem aufblasbaren Kajak, unserem umweltschonenden Zweitwagen. Auf der Insel selbst hat es viele kleine Wege, die auf die verschiedenen Hügel und zu diversen Buchten führen. Die Landschaft ist ganz im Baja Stil: karg und steinig in rötlichen und grünlichen Farbtönen mit Kakteen und niedrigen Bäumchen. Teilweise sah es aus, wie wenn ein Gärtner einen Steingarten angelegt hätte. Die Wellen schlugen auf die Felswand an der Nordseite auf und der Nordwind pfiff daran hinauf. Auf einem der Hügel hatten wir sogar Handyempfang und einen tollen Ausblick über die gesamte Bucht.

Ankerwache

Da der Wind immer stärker wurde und wir erst noch Vertrauen in unseren Anker und unsere Ankerfähigkeiten gewinnen mussten, entschieden wir, dass nun immer jemand auf dem Schiff bleiben würde. Es war eigentlich etwas irrational, dem Anker selbst nicht zu trauen, da er vermutlich seit Anbeginn auf diesem Schiff war und in der Vergangenheit gute Dienste geleistet haben musste. Doch wir aktivierten unsere Ankeralarm Apps und überprüften regelmässig unsere Position auf OpenCPN. Denn wir waren lieber sicher, als es später bereuen zu müssen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Als David mit dem Kajak fischen ging, nutze ich die Gelegenheit, um unsere Chromstahl Reling und sonstige Dinge zu polieren. Damit schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich konnte die Position des Schiffes beobachten und endlich die mich schon lange nervenden Rostflecken entfernen. Und schliesslich dient das Polieren nicht nur optischen Zwecken, sondern verlängert auch die Lebenszeit des Materials.

Ein Notruf

In der Bucht war ein Kommen und Gehen, und eines Nachmittags konnten wir eine Superyacht beim Ankern neben uns beobachten. Unsere neuen Nachbarn blieben für eine Nacht und reisten tags darauf weiter. Am selben Nachmittag hörten wir im Funk auf Kanal 16, dem Standardkanal, den alle Schiff überwachen (sollten), ein „Pan Pan“. Ein Pan-Pan Funkruf ist die abgeschwächte Form von „Mayday“ und bedeutet, dass ein Schiff oder eine Person in Gefahr, die Situation aber nicht lebensgefährlich ist.

Wassereintritt

Besagtes Schiff meldete, dass es 5 Seemeilen südöstlich von Puerto Escondido bzw. 1 Seemeile südlich der Isla Danzante auf einen Stein gefahren war und Löcher im Rumpf hatte, die Bilgenpumpen aber den Wassereintritt managen konnten. Es fragte nach Unterstützung und gegebenenfalls einer Abschleppung. Auf Nachfrage nach der Grösse meldete das Schiff, dass es 53 m lang war. Laut dem Kapitän war niemand verletzt, ausser gewisse Egos. Dann ging uns auf, dass es unsere ehemaligen Nachbarn waren, die in Not geraten waren. Die Crew der Superyacht "Moonstone", deren Dinghy uns nach Puerto Escondido abgeschleppt hatte, eilte sofort zur Hilfe. Auch wir boten unsere Hilfe an, die jedoch nicht benötigt wurde.

Was nun?

Soweit wir es mitbekommen hatten haben Taucher den Rumpf inspiziert und gesehen, dass die beiden Stabilisatoren beschädigt waren und es Löcher mit bis zu 20 cm Durchmesser hatte. Und man hatte sich gegen eine Abschleppung und für eine professionelle Rettung entschieden, damit beim vom Stein ziehen nicht noch Dieseltanks beschädigt werden konnten. Der besagte Stein liegt in einem Naturschutzgebiet, ist tückisch und befindet sich bei Ebbe etwa 1.5 m unter der Wasseroberfläche. Wir hätten den Kapitän gerne gefragt, wie das passieren konnte. Und wir fragten uns, ob er nun seinen Job los sei und nach einem solchen Navigationsfehler nie mehr als Superyacht Kapitän anheuern konnte. Weiss das jemand?

Nicht gerade gemütlich

Wir gewöhnten uns langsam an das Leben vor Anker. Trotz Schutz vor gröbstem Wind und Wellen „draussen“ schaukelte Milagros im leichten Schwell, der es dennoch um die Ecke schaffte, und drehte sich am windigsten Tag in Böen bis zu 30 Knoten (55 km/h) hin und her. Nicht gerade gemütlich, zumal unter sich Deck alles zehnmal schlimmer anhört: Die Böen, die über das Schiff fegen, das Knorzen der Ankerwippe und sonstige Geräusche des Bootes hier und da.

Unter Deck

Da dieser Wind aus Norden ziemlich kalt und ungemütlich war, widmeten wir uns unterdessen Projekten unter Deck. So zogen wir z.B. Holzleisten von knarrenden Bodenluken an, bauten eine Bodenstütze wieder ein, die wir im Zuge der Wassertankänderung herausgenommen hatten, liessen den Wassermacher täglich laufen und flickten einen kaputten Cockpitstuhl. Ab und zu ruderte einer von uns mit dem Kajak entweder zu einer Bucht um die Ecke am äusseren Rand der Insel oder an Land und stieg auf den Berg, um ein paar Striche Internet abzufangen und zu schauen, was in der Welt so lief. Und wir amüsierten uns über eine etwa 20-köpfige Kajakgruppe, die am Strand zeltete und deren WC-Zeltöffnung genau auf Milagros gerichtet war, und keiner der Reisenden es für nötig hielt, die Tür zu schliessen.

Weiter Richtung Süden

An das Musik hören, lesen, Filme schauen oder im Cockpit sitzen und den Blaufusstölpel und Pelikanen zuzuschauen, wie sie beim Fischen wie Geschosse vom Himmel fallen, oder Delfine sichten, können wir uns definitiv gewöhnen. Wir freuen uns aber darauf, wenn das Wasser endlich warm genug ist, um schwimmen und schnorcheln zu können, und wir mal ein paar Nächte vor Anker ohne starke Nordwinde verbringen können. Deshalb machen wir uns nun auf weiter Richtung Süden.

Wir haben unser erstes Ankerbier wirklich sehr genossen! Wenn du magst, kannst du uns mit einem Klick auf den Button weiter unten ein Bier spendieren. Oder du wirst gleich ein monatlicher Supporter auf Patreon wenn du möchtest. Vielen Dank!

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2 Comments

We spoke with the captain in the bar at Puerto Escondido and he filled us in on what took place. At the time of the grounding the first officer was in charge of the bridge. The captain was down below. A crucial turn / waypoint was missed that would have kept the vessel clear of hazards. The vessel, Vixit, struck the underwater pinnacle at a speed of 13 knots. Fortunately the fuel tanks did not rupture and no fuel has been spilled – if a spill had occurred apparently the captain would be arrested and jailed under Mexican law. At this point he was still employed and actively involved in the salvaging effort. Divers were in the process of attempting to repair several 3′ holes in the hull. Plan is to refloat and take vessel to San Diego for repairs.

HAPPY BIRTHDAY! liebe Patricia, ich wünsche dir alles Liebe und Gute zu deinem heutigen Geburtstag. Ich lese ja fleissig Euren Blog – übrigens Danke dafür und die schönen Fotos – und bin echt beeindruckt und begeistert wie Ihr Eure Herausforderungen angeht und bin überzeugt Ihr werdet dafür belohnt oder werdet es bereits, wenn ich die letzten Fotos in diesem Blog anschaue. Zurück zu deinem Geburtstag 😉 ich wünsche dir auch weiterhin viel Spass, schöne Abenteuer und einfach eine gute Zeit, die du / Ihr geniessen könnt. In diesem Sinne HAPPY BIRTHDAY! und geniesse deinen speziellen Tag. Herzlich, Jacqueline

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