Ein Tag zum vergessen

Kennst du das, wenn einfach alles schief geht und ein Missgeschick und Unglück auf das andere folgt? Nichts funktioniert, alles läuft falsch, nichts klappt so wie es sollte? Davon kann ich euch jetzt ein Lied singen. Ich durfte einen Tag erleben, wie er glücklicherweise nur selten vorkommt. Ich hatte das Pech für mich gepachtet. Das Ganze endete leider nicht wie erhofft mit Sonnenschein nach dem Regen, sondern mit einer Faust in die Magengrube.

Wrecked at the reef

Man möchte denken, dass es hier in der Wüste heiss und trocken ist. Weit gefehlt. Neben der massiven Sonneneinstrahlung kam nun neu auch noch eine Luftfeuchtigkeit dazu, die teilweise die 90%-Grenze überscheitet. Die Temperaturen machen uns aber nicht so sehr zu schaffen wie der Fakt, dass man fast erdrückt wird von Atmosphäre, die durch die Feuchte entsteht. Egal ob man nur herumsteht oder sich körperlich betätigt, das Resultat ist dasselbe. Innert Minuten ist man schweissgebadet.

Ran an den Speck

Genug rumgeheult, wir mussten schliesslich dranbleiben. Nachdem ich unseren angerissenen Baumbeschlag entfernt hatte, mussten noch die Überreste entfernt werden. So machte ich mich bewaffnet mit unserem Winkelschleifer an die Arbeit. Unter einem Pavillon, den wir ausgeliehen hatten, arbeitete ich mich vorwärts und entfernte Stück für Stück unseren alten Beschlag, bis wir eine saubere Mastoberfläche hatten.

Wo sind die Baupläne?

Garhauer Marine Marine in den USA wird unseren neuen Beschlag herstellen. Ich fand zudem Kontakt zum CEO von LeFiell, ursprünglich der Hersteller des Masts und des Baums der Kelly Peterson 44. Leider hat sich die Firma aus dem Marinesektor zurückgezogen, vielleicht kann ich aber die Original-Baupläne ergattern. Das würde nicht nur uns helfen, sondern auch anderen aktuellen und zukünftigen Besitzern des Schiffs. Die Homepage für Kelly Peterson 44 Eigentümer ist bereits jetzt gefüllt mit allerlei nützlichen Daten zu unserem Schiff, da würden diese Pläne sicher gut aufgehoben sein. Mal sehen was sich machen lässt.

Wir helfen Skookum

Nachdem uns immer von anderen Bootsbesitzern geholfen wurde, konnten wir nun auch endlich mal etwas anderes als Bier und Tacos zurückgeben. Stu von SV Skookum V hatte ein Fiberglasprojekt auf seinem Schiff, für welches er unsere Hilfe brauchen konnte. Nach den 10 Millionen reparierten Osmoseblasen auf Milagros wussten wir ja nun wie’s geht. So tauschten wir uns aus und trafen uns frühmorgens auf seinem schönen Katamaran. Das Wetter spielte nicht ganz mit. Hurrikan Nora war erst gerade der Pazifikküste von Mexiko entlanggerauscht und brachte dicke Regenwolken und Gewitter bis nach Puerto Peñasco. Am Horizont waren Sturzbäche von Regen zu erkennen. Sollten wir nun glasen oder nicht? Kamen die Gewitter näher? Ja? Nein?

Fiberglasarbeiten an einem Katamaran

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Pati und Stu waren dagegen. Aber ich nicht. Anscheinend war ich überzeugend genug und so fuhren wir volles Risiko und machten uns an die Arbeit. Wegen Wasserschaden musste ein Schott auf Stu’s Schiff repariert werden. Er hatte eine Holzplatte eingepasst und diese musste nun mit Fiberglas verstärkt werden. So glasten wir fröhlich vor uns hin und ich hatte währenddessen immer ein Auge auf den Regen, der scheinbar an Puerto Peñasco vorbeizuziehen schien. Weit gefehlt. Hätten die beiden besser mal nicht auf meine Wettervorhersagen gehört.

Peñasco ertrinkt im Regen

Plötzlich kam der Regen trotzdem. Wir waren gerade mit der einen Seite des Schotts fertig, als dicke Regentropfen von Himmel fielen. Somit zeigte sich auch schnell, woher der Wasserschaden am ursprünglichen Schott von Skookum kam. Das Wasser lief den Mast des Schiffs hinunter und direkt über unsere frisch geglaste Oberfläche. Mit allem was uns in die Hände kam versuchten wir den Schaden zu begrenzen, bis wir aufgaben. Der Regen nahm stetig zu, und als wir uns für unsere schlechte Entscheidung mit Süssem im grossartigen Candycake belohnten, kam der Regen in Sturzbächen nach Puerto Peñasco.

Puerto Peñasco Flut

Und dann kommt die Flut

Da wir nicht genug Geld dabeihatten (natürlich), fuhr ich im strömenden Regen zur Bank, wo natürlich prompt die Karte nicht funktionierte (natürlich!!). Also zurück zum Schiff. Inzwischen waren ganze Strassenzüge unter Wasser, so auch der Boatyard. Zum Glück hatte ich meine Crocs an, so konnte ich durch die Pfützen waten. Beste Schuhe aller Zeiten. Wer etwas anderes behauptet, liegt falsch. Wer weiss, vielleicht wachsen mir demnächst ein paar zusätzliche Zehen. Kaum auszudenken wie giftig und verdreckt der Boden im Boatyard ist. Immerhin konnte ich noch trockene Klamotten und eine Regenjacke überziehen. Zurück bei Candycake gabs die besten Apple Fritters auf dem Planeten.

Rocky Point Trockendock

Von Hurrikans und Taifunen

Zurück auf dem Boatyard mussten wir noch den Motor von SV Mapache in Sicherheit bringen. Der stand nämlich auf einem Palett in der riesigen Pfütze, die sich unter ihrem Schiff gebildet hatte. Alles war gut, wir mussten ihn einfach verschieben. Verrückt wieviel Wasser an diesem Morgen vom Himmel gekommen war, so etwas hatte ich schon lange nicht mehr erlebt. Wenn man bedenkt, dass das nur die Übrigbleibsel eines Hurrikans waren, kann man sich vorstellen welches Wetter so ein Sturm mitbringt. Den Taifun "Mangkhut" habe ich 2018 in Hong Kong hautnah miterleben dürfen und es ist einfach nur beeindruckend wieviel Kraft und Zerstörungswut die Natur hervorbringen kann.

Wir brauchen mehr Wasser!

An Arbeit im Freien war nicht zu denken. Windig und nass wars. So widmete ich mich drinnen dem Abwasch. Da wir nach wie vor keinen Wassertank im Schiff haben, besteht unsere Wasserversorgung aus einem Schlauch gespiesen vom Wassersystem vom Cabrales Boatyard. Damit machen wir auch den Abwasch. Dass ich manchmal die Konzentrationsfähigkeit einer Stubenfliege habe, wurde mir nun zum Verhängnis. Während der Schlauch fröhlich das Waschbecken füllte widmete ich mich anderen Tätigkeiten und bemerkte meine Vergesslichkeit erst, als bereits zentimeterhoch Wasser in unserem Kühlschrank stand. Ich hatte die Küche überflutet.

Wir brauchen Kaffee im Wasser!

Damit nicht genug. Während dem dazugehörigen Ausraster warf ich meinen Kaffeebecher um, der auf dem Boden landete und nun unter anderem in die Bilge tropfte. DAMIT NICHT GENUG! Als ich die Bilge öffnete, fand ich Wasser. Das war nie der Fall, ausser das Wasser kam von unseren gerosteten, alten Wassertanks. Diese waren aber nicht mehr im Schiff. Also musste das Wasser von woanders kommen. Schlussendlich kamen wir zum Schluss, dass es Regenwasser sein musste. Da wir die alten Püttings entfernt hatten und auf unsere neuen Titan-Püttings von Colligo Marine warteten, konnte Wasser durch die Löcher im Deck eindringen und sammelte sich in der Bilge. Toll toll toll. Was für ein Tag.

Der K.O.-Schlag am Ende des Tages

Ihr denkt es wird nicht noch besser? Weit gefehlt! Pancho hat während der Spritzarbeit an unserer Hülle tolle Arbeit geleistet, aber leider an ein paar Stellen zu viel Farbe liegen lassen. Als Pati diese Stellen untersuchte, bemerkte sie, dass der Fertiganstrich keinerlei Haftung auf dem Primer hatte. Zuerst hatten wir die Hoffnung, dass dies nur für die Stellen der Fall sein würde, an denen zu viel Farbe auf der Hülle war. Nach ein paar Tests war klar: Unser gesamter Anstrich war für nichts. Der Topcoat hatte sich schlichtweg nicht mit dem Primer verbunden. Ein Schock. Was nun?

Das Ganze noch einmal

We think we can prepare for a major sanding job (again). After a phonecall, Totalboat immediately refunded us for the paint. Still, that’s just a small consolation. We are now back to zero when it comes to topsides paint. All the hours of prep, sanding, cleaning – for nothing. If we sand everything off again, which colour do we choose afterwards? What if everything goes wrong again? It is a first heavy low point in our still young sailing career. Let’s see where the journey leads. We have to collect ourselves now first. Get up, adjust our crowns, carry on.

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