Segel Community – beste Community

Fehlende Werkzeuge? Kein Problem. Die Moral ist im Keller? Hier kommt ein kaltes Bier. Abendliche Unterhaltung? Ab an die Feuerstelle. Unwissen, wie das nächste Projekt genau ablaufen soll? 3 Leute gleichzeitig erklären es. Schiff kaputt? Hier kommt Eisbecher von Dairy Queen! Leute, die auf Schiffen wohnen, soll ja bekanntlich dafür bekannt sein, für einander da zu sein, immer Hilfsbereitschaft zu zeigen und allgemein ein toller Haufen zu sein. Nach einigen Wochen Erfahrung auf Milagros können wir sagen: Das ist definitiv so. Die Segel Community ist die beste Community.

Segel Community in La Choya in Puerto Peñasco, Rocky Point. Zwei gemietete Strandbuggies und die Sea of Cortez im Hintergrund

In all den Büchern, Videos, Dokus und Filmen, die wir uns über das Leben an Bord eines Segelschiffs zu Gemüte geführt haben, war eins herauszulesen und zu sehen: Die Segel Community ist eine dicht verwobene Gesellschaft, die in ihrer eigenen kleinen Bubble lebt. Aber in dieser Bubble helfen alle, wo sie können. Wissen wird ausgetauscht, Erfahrungen geteilt. Man ist füreinander da und feiert die Feste wie sie fallen.

Erste Eindrücke

Schon lange vor unserem Kauf von Milagros und dem Einzug auf unsere Kelly Peterson 44, haben wir mit den Nachforschungen begonnen, wie denn unser zukünftiges Leben aussehen sollte. Was mich im vornherein extrem beeindruckt hat war ganz bestimmtes Video von SV Delos, einem der bekanntesten Seglerkanäle auf YouTube. Selbstlos versammeln sich mehrere Schiffe, um ein auf ein Riff aufgelaufenes Boot gegen den Willen seiner nicht ganz nüchternen Besitzer zu befreien. Diese Aktion ist bei mir hängen geblieben. Es hat mich extrem beeindruckt zu sehen, wie sich die Segler organisieren, und eine potentiell gefährliche Situation durch Geschick, Willen und Einsatz meistern. Dies völlig selbstlos und ohne Hintergedanken. Ein perfektes Beispiel dafür, wie die Segel Community tickt.

Unsere Erfahrungen mit der Segel Community

Ist denn nun alles so, wie wir im Vorfeld vernehmen konnten? Die kurze Antwort ist: Ja. Wenn ich so darüber reflektiere, was wir alles schon erlebt haben und wie viele tolle Leute aus der Segel Community wir schon kennenlernen durften, weiss ich gar nicht recht wo ich anfangen soll. In der kurzen Zeit, die wir auf Milagros verbracht haben, sind uns schon so viel Goodwill und positive Vibes begegnet, dass wir gar nicht wissen, wie wir das alles zurückgeben können.

Segel Community entfernt den Propeller eines Segelschiffs in Puerto Peñasco, Sonora, Mexiko
Leute von allerlei Schiffen versammeln sich, um uns beim Abziehen unseres Propellers zu helfen

Und in der Realität?

Wer unseren Blog schon etwas länger liest, der war auch bei unserem ersten Besuch bei Milagros im Dezember 2019 dabei. Zwei totale Greenhorns aus der Schweiz hocken in ihrem riesigen Segelschiff in Mexiko und wissen gar nicht wie ihnen geschieht. Was sollten wir bloss mit diesem Koloss anfangen? Ein paar Tage später sah die Welt schon ganz anders aus. Zig verschiedene Leute der Segel Community in der Cruiseport Marina in Ensenada nahmen sich die Zeit, um mit uns alle Systeme der Milagros auseinander zu nehmen. So begann sich ein Puzzle zusammen zu setzen, welches im ersten Augenblick noch viel zu gross erschien. Alleine hätten wir das wahrscheinlich nicht gepackt.

So tickt die Segel Community

Und genau so ging es ein knappes Jahr später weiter. Während unserer Vorbereitungen für die Überführung von Milagros zum Cabrales Boatyard nach Puerto Peñasco wird ein Kaffeekränzchen mit Captain Max und Sofia zum täglichen Ritual. . Wir lernen eine amerikanische Familie kennen, mit denen wir ein paar Mal völlig versumpfen und wilde Parties feiern. Da Patricia leider die Überfahrt aufgrund verschiedener Verspätungen dann nicht mitmachen kann, darf sie auf dem Schiff unserer Freunde Steve und Susanne einziehen bis sie den Nachhauseweg antreten muss. Die Segel Community zeigt sich von ihrer besten Seite. Alles ist genau so, wie wir uns das vorgestellt haben. So segelten wir mit vielen schönen Erlebnissen und Erinnerungen im Gepäck in Richtung Cabrales Boatyard in Puerto Peñasco.

Cabrales Boatyard

Wir haben uns nicht zuletzt für die lange Reise ganz in den Norden der Baja California entschieden, weil auch hier die Segel Community als grosses Ganzes funktioniert. Wir haben ein paar Blogeinträge von anderen Schiffen gefunden, die hier auch Umbau gemacht haben. Allesamt waren die Eindrücke positiv. Salvador Cabrales, der Besitzer der Werft, hat Freude an den Leuten hier im Boatyard und an seiner Arbeit. Das merkt man schnell. Fragen an ihn per WhatsApp werden innert Minuten beantwortet. Er hilft wo er kann, und hat ein Netz von nützlichen Tipps und Tricks in und um Puerto Peñasco. Dazu kommt, dass jahrein, jahraus die Trockenplätze der Cabrales Boatyard von Schiffsbesitzern besetzt sind, die hier an ihren Schiffen basteln. Alle ziehen an einem Strick, wenn jemand ein Problem hat, sind sofort alle zur Stelle. Jeder hilft jedem, wo er kann. Gemeinsames Sitzen am Feuer freitagabends ist ein wöchentliches Ritual.

Cabrales Segel Community

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir haben da schon ganz andere Erfahrungen aus anderen Boatyards mitbekommen. Da Pati und ich beide noch Anfänger sind, haben wir uns für die Cabrales Boatyard entschieden. Wir hofften, dass wir hier all die Hilfe finden würden, die wir brauchten. Und was haben wir Hilfe erhalten. Die Leute hier sind grossartig. Jedes Mal, wenn wir irgendwo nicht weiterkommen, hilft eine kleine Runde über den Platz. Jeder hier hat jede unsere Arbeiten schon einmal hinter sich gehabt, oder steckt mittendrin. Überall tonnenweise Erfahrung, tolle und spannende Geschichten. Da wird ein kleiner Schwatz schnell man zum abendfüllenden Festessen.

Die Segel Community ist zur Stelle

Wir knuppern nach wie vor an den Fiberglasarbeiten an unserem Unterwasserschiff. Letzte Woche sind wir durch ein paar harte Tage gegangen. Wir haben vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen und das Projekt schien endlos. Das hat sich auch auf die Stimmung niedergeschlagen und so ist das eine oder andere böse Wort gefallen. Kann passieren, wir wussten, dass das kommen würde. Aber auch hier: Wenn man einen Scheisstag hat, ist immer jemand da, der einen motiviert und aufmuntert. Auch wenn man bis zum Kopf im Schlamassel steckt, erhält man immer eine helfende Hand und ein paar motivierende Worte. Leute, die auf Schiffen wohnen, scheinen einfach alles mit ein wenig anderen Augen zu sehen und gehen ihr Leben mit viel mehr Positivität an. Das gibt Kraft. Danke dafür, lieber Cabralianos, liebe Segel Community!

Wie geht’s weiter?

Abgesehen von all den positiven Erfahrungen mit der hiesigen Segel Community hangeln wir uns vorwärts. Wir verstärken tagein tagaus das Unterwasserschiff und sind völlig verklebt von all dem Epoxidharz. Osmoseblase um Osmoseblase wird vernichtet. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Wir müssen vorwärts machen. Der Sommer steht bevor, es wird langsam aber sicher immer wärmer. Und die Cabrales Segel Community erzählt Horrorgeschichten vom Sommer hier in der Sea of Cortez. Wir lassen das jetzt mal so auf uns zukommen. Dass uns nur mal nicht die Sohlen von den Schuhen schmelzen. Ist dem einen oder anderen Cruiser hier tatsächlich passiert…


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