Moderne Probleme erfordern moderne Lösungen

Wir wollen so oft und lange wie möglich offline sein, aber wir brauchen halt auch das Internet. Deshalb sind wir immer noch daran, herauszufinden, wie wir die Abgeschiedenheit der Sea of Cortez mit unseren Internetbedürfnissen vereinbaren können. Da die Seglerwelt auch eine kleine Welt ist, treffen wir in praktisch in jeder Ankerbucht auf alte Bekannte und tauschen uns über die neusten News aus. Und wir erleben etwas zum ersten Mal, was wir uns schon lange gewünscht hatten

Wir hatten unsere Abreise von der Isla San Francisco hinausgezögert und somit unsere Ferien bzw. internetfreie Zeit schon fast aufgebraucht. Vor uns lagen rund 80 Seemeilen zu der nächsten Bucht mit Internetempfang und dafür hatten wir zwei Tage Zeit. Wir teilten uns die Strecke in zwei rund 8-stündige Schläge auf. Unser erstes Ziel war San Telmo, was auch das Ziel war von Dave und Marla von SV Cavu.

Am Abreisetag lichteten wir nach Sonnenaufgang fast gleichzeitig mit ihnen unseren Anker. Leider hatte es zu Beginn nicht genügend Wind, um zu segeln. Das ist das Los der Internetbedürftigkeit. Da ich an bestimmten Tagen Verbindung zum World Web Web brauche, können wir uns nicht immer das beste Segelwetter aussuchen. So kommt halt Burrito gezwungenermassen zum Einsatz. In der zweiten Hälfte des Tages hatten wir jedoch schönen Wind und konnten fast in die Ankerbucht «San Telmo» segeln.

Und weiter geht’s

San Telmo ist bekannt für tolles Schnorcheln und Harpunenfischen. Wir hatten jedoch an diesem Tag keine Lust mehr, ins Wasser zu hüpfen. Ausserdem hatte ich mir beim Segelsack zumachen den Fuss verstaucht. Nix mehr mit schnorcheln für mich für ein paar Wochen. Da unser Dinghi an Deck verstaut war, holten uns Marla und Dave für einen Sundowner am Strand ab. Ein bisschen später stiessen auch Brad und Sarah auf SV Perspective, einem quasi Schwesternschiff von uns, dazu. Am nächsten Morgen lichteten wir kurz nach Sonnenaufgang wieder den Anker. Erneut war der Tag windtechnisch nicht optimal, aber aufgrund der Topografie hatten wir wellenweise immer wieder nette Segelbedingungen. Aber immer nur dann, wenn der Wind es schaffte, durch die Täler und Berge auf die offene See zu blasen.

Hello Candeleros

So erreichten wir unseren nächsten Stopp «Candeleros» easy peasy am Nachmittag. Die Stimmung wurde etwas durch eine Meinungsverschiedenheit zum Ankern getrübt. Und dieser Stopp war auch eher zweckmässiger Natur. Die Bucht ist zwar schön, doch es hat ein grosses Hotelresort an Land und ist darum nicht unbedingt ein Ort, wo wir sein wollen. Zumal es rund herum kleine, abgelegene und wunderschöne Buchten gibt. Aber wir brauchen halt das Internet – man kann nicht immer alles haben. Obwohl, uns erreichten immer mehr Berichte darüber, wie gut das Satelliteninternet «Starlink» von Elon Musk mittlerweile auf anderen Schiffen funktionierte. Vielleicht können wir ja so den Batzen und das Weggli kriegen?

Routine?

Item. Wenn man denkt, dass auf einem Segelschiff keine Routine einkehrt, dann hat man die Rechnung ohne das Gewohnheitstier Mensch gemacht. Wie auch vor unserem Umzug auf das Schiff macht jeden Morgen diejenige Kaffee, die zuerst aufwacht – meistens ich nach Sonnenaufgang. Dann trinken wir unseren Kaffee gemütlich im Bett. Wenn ein Wochentag ist, wir Internet haben und es kein Segeltag ist, dann arbeite ich maximal bis 12 Uhr. Dann gibt’s Zmittag und Kaffee und danach unternehmen wir irgendwas und/oder erledigen ein Schiffsprojekt. Und dann gibt’s Znacht und vielleicht ein Sonnenuntergangsbier.

Die Limetten fehlen

So verbrachten wir auch eine eher unspektakuläre Woche in Candeleros. Das Highlight war, dass David seinen ersten Harpunenfisch-Erfolg verzeichnen konnte, während ich mich mit meinem kaputten Fuss im Dinghi gesonnt habe. Ein Drückerfisch war zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir hatten Lust auf Ceviche, jedoch nicht genügend Limetten dafür an Bord. Deshalb haben uns kurzerhand in der Strandbar des Ressorts zwei völlig überteuerte Bierchen gegönnt (5 CHF pro Dose!) und gefragt, ob sie uns ein paar Limetten mitgeben würden, was sie auch taten. Und das Ceviche wurde richtig lecker!

Delfiiiiineeeeee

Über unser InReach erreichte uns die Aufforderung von Cavu, uns zu der Isla Montserrat zu begeben. Dieser folgten wir natürlich sofort – also als ich das Internet nicht mehr brauchte. Zu Beginn der rund 2-stündigen Fahrt kamen wir endlich in den Genuss von etwas, was wir uns schon sooooo lange gewünscht hatten: Delfine am Bug. Als uns ein Katamaran überholte, wechselten nämlich drei Grosse Tümmler, die zuvor bei ihnen an den Bugs oder Bugen (?) surften, zu uns herüber und begleiteten uns für die nächste Stunde. Es ist ein unglaubliches Erlebnis, wenn diese rund 2 m langen Tiere nur rund einen Meter entfernt im Wasser gleiten. Ich könnte stundenlang zusehen!

Schnorchelausflug

Wir ankerten vor dem sehr schönen Yellow Stone Beach, der sich am Nordende der kleinen Isla Montserrat befindet, wo Cavu und Alegría bereits vor Anker lagen. Tags darauf versammelten wir uns alle bei Mike und Katie und fuhren auf ihrem Schiff Alegria zu zwei kleinen Inseln rüber, die für gutes Schnorcheln bekannt waren. Mit einer Fussstütze bewaffnet konnte ich sogar auch ein bisschen mitschnorcheln. Ich liess mich aber oft einfach an der Oberfläche treiben. Deshalb wagte sich ein grosser Schwarm Paletten-Doktorfische, genau unter mir zu verweilen. Das war richtig cool.

Katamaran-Schwarm

Aus der Entfernung sahen wir, wie immer mehr Katamarane auf die Ankerbucht zusteuerten. Am Nachmittag waren Milagros und Cavu dann von über 10 Katamaranen umzingelt. Wir erfuhren später, dass Yellow Stone Beach das Ziel der ersten Etappe einer Katamaran-Rally war. Zwar war die Idylle vorbei, doch wir wurden von Lowell auf SV Gato Loco (der verrückten Katze), einem der Organisatoren, zum abendlichen Hotdog-Plausch eingeladen. Am nächsten Morgen waren wir dann plötzlich wieder allein in der Bucht, als die Rally weiterzog.

Gediegene Bucht

Wir verbrachten die paar Tage am Yellow Stone Beach, der übrigens so heisst, weil es tatsächlich gelbe Felsen dem Strand entlang hat, mit schwimmen, schnorcheln, lesen, spazieren, Drohne fliegen, Bierchen am Strand trinken, Filmabend mit Big Lebowski und Kajak paddeln. Als wir mit dem Kajak die raue und felsige Küste der Insel erkundeten, zog eine riesige Delfinschule an uns vorbei. Wir hatten zwar unsere Schnorchelausrüstung dabei, waren jedoch nicht schnell genug, um ins Wasser zu springen und mit den Delfinen zu schnorcheln. Dennoch war es grandios mitanzuschauen, wie eine ganze Sippe von jung bis alt sich Richtung Norden bewegte.

Noch mehr Delfiiiineeeee

David hatte seine Harpune dabei und wollte ein bisschen üben. Gerade als wir das Kajak an Land brachten, kam der Delfinschwarm wieder zurück. Während David mit seinen Flossen kämpfte, schwamm ich raus zum Schwarm und konnte sehen, wie die Delfine an mir und unter mir vorbeischwammen. Und ich konnte hören, wie sie sich miteinander unterhielten. So cool! Und David hatte danach Petri Heil und wir machten lecker Fischknusperli daraus.

Können wir bleiben?

Als es wieder Zeit war, ins Internet zu kommen, lichteten wir den Anker und segelten fast den ganzen Weg bis Puerto Escondido. Wir hoffen, dass wir irgendwann in Zukunft mal ein bisschen länger irgendwo bleiben können. Denn Schiff bereit machen zum Segeln und Schiff nach dem Segeln bereit machen zum Sein ist ziemlich aufwendig. Denn wir wollen, dass wir und Milagros unterwegs auf das schlimmste vorbereitet sind. Sodass, falls wir unerwartete Wetterkonditionen vorfinden, uns nichts um die Ohren fliegt.

Ankommen ist aufwendig

Deshalb muss nach dem Ankommen das verstaute Dinghi wieder ins Wasser gehievt, der Kran für den Aussenborder montiert und der Aussenborder selbst muss heruntergelassen werden. Das verstaute Kajak muss auch wieder aufgepumpt werden. Alle Abdeckungen und das Sonnendach müssen wieder drauf und alles, was unter Deck sicher verstaut war, kann wieder hervorgeholt werden. Die Segel wollten abgedeckt und alle Falle so gesichert werden, dass sie keinen Lärm machen. Auch unsere Windsteueranlage muss wieder deinstalliert werden, da ihr Ruder unsere Nachtruhe stören würde. Und so weiter, und so fort. Wie du siehst ist es ziemlich viel Arbeit um nur ein oder zwei Tage in einer Ankerbucht zu bleiben.

WC-Talk

Kaum hatten wir in Puerto Escondio an der Boje angelegt, paddelten auch schon Jake und Paloma von SV Sirena, die wir in Puerto Peñasco kennengelernt hatten, zu uns herüber. Sie hatten ähnlich wie wir ihr Schiff aussen überholt, allerdings haben sie sich auch an das Deck gewagt. Bei Bier und Pizza nach Sonnenuntergang auf Milagros tauschten wir all die Geschichten aus, die seit unserer Abreise in Peñasco 3 Monate zuvor passiert sind. Was ich unter Seglern immer so witzig finde ist, dass sich ein Gespräch auch einfach mal um WC’s drehen kann. Wer tauscht sich im ‘normalen Leben’ schon mit anderen über Toiletten aus?

Wieder einmal Glück gehabt

In Escondido nutzen wir auch gleich nochmals die Gelegenheit, Dieselmechaniker Lauro an Bord zu holen. Denn wir hatten nach wie vor Öllecks und ein Leck bei der Kühlflüssigkeit. Das eine Ölleck war schnell behoben, das andere würde erfordern, dass wir den Motor mit einem Wagenheber anheben, das Getriebe abmontieren und dort die Dichtung ersetzen. Das Leck bei der Kühlflüssigkeit ist nicht so dramatisch, und wir können es mit ein bisschen Epoxy verschliessen. Sein Besuch hat uns den Arsch gerettet, da ihm bei dieser Gelegenheit auch noch auffiel, dass eine Schraube an der Kupplung von Getriebe und Welle fehlte und eine locker war. Ups.

Puerto Escondido

Wir haben es getan

Cavu kamen wenige Tage später auch nach Escondido und Dave half uns dabei, unsere Inverter-Situation zu analysieren. Wir wussten, dass eine Sicherung fehlte. Doch es stellte sich nun heraus, dass zu kleine Kabel bei der Installation verwendet wurden. Um unseren 3000 Watt Inverter sicher zu benutzen, müssten wir ziemlich viel in grössere Kabel investieren, und ihn an einem anderen Ort installieren. Ausserdem stellte Dave fest, dass es sich gar nicht lohnte, diesen Inverter für das zu benutzen, was wir vorhatten. Nämlich für die Starlink Satellitenschüssel!

Nachdem wir in Yellow Stone Beach einen Katamaran getroffen hatten, der sich Starlink in die Marina Puerto Escondido bestellt hatte und davon schwärmte, bestellen wir uns kurzerhand auch so ein Ding. Da es aber nur über 120 V läuft, mussten wir unsere Invertersituation fixen. Das Ergebnis unserer Beratung mit Cavu Dave war, dass wir uns einen mobilen 400 W Zigarettenanzünder-Inverter besorgen sollten. Die Starlink Satellitenschüssel zieht nämlich ‘nur’ um die 90 Watt.

Milagros ist bereit

Ray von SV Sea Note, mit der wir im Mai 2021 von Peñasco nach La Paz gesegelt waren, wohnte seit geraumer Zeit in der Nähe von Puerto Escondido. Als wir uns einem gemeinsamen Mittagessen mit Cavu und Ray anschlossen und auf dem Weg dorthin in Autozone uns nach einem portablen Inverter umschauten, erinnerte sich Ray, dass er noch so einen bei sich rumliegen hatte. Juhuuuuu. Wir waren nun also bereit, das Internet auf Milagros zu empfangen.

Die Schweizer sind überall

Wir trafen auch noch auf eine weitere Schweizerin hier in der Sea of Cortez. Karin, ursprünglich aus dem Thurgau, war vor 20 Jahren nach Amerika ausgewandert und ist nun mit ihrem Mann und ihren 2 Kindern auf grosser Langfahrt. Es stellte sich heraus, dass sie mit Tom und Shelly von SV Empyrean, die wir ebenfalls von Peñasco kennen, unterwegs waren. Das musste gleich mit einem Bierchen gefeiert werden. Die Segelwelt ist halt schon eine kleine Welt. Auch trafen wir Lowell wieder, als wir uns Pizza im Restaurant gönnen wollten. Kurzerhand setzten wir uns zu ihm un seiner neuen Crew an den Tisch. Und danach halfen mit unserem Dinghi, das Gepäck auf seinen Katamaran Cato Loco zu bringen. Lowell hatte einen portablen 150 W Inverter an Bord, den er ebenfalls nicht mehr brauchte. So sind wir nun wirklich bereit für Starlink.

Wir besuchen die Hauptstadt

Neben Internetzugang war der Hauptgrund, weshalb wir wieder zurück nach Puerto Escondido sind, unsere bevorstehende Reise nach Mexiko-Stadt. Wir hatten nämlich Konzerttickets für Greta van Fleet und haben uns dort ausserdem mit Nick und Janine von SV Rua Hatu, unseren ehemaligen Nachbarn in Peñasco verabredet. Und wir wollten Milagros an einem sicheren Ort wissen, während wir für knapp eine Woche weg waren.

Falls du dir anhören möchtest, was sonst noch so für Musik auf Milagros läuft: wir haben auf Spotify eine Playlist Namens ‘Milagros Metal Journey’, die dich auf der Zeitachse von den Beatles zum heutigen modernen Metal führt. Viel Spass beim Hören!

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4 Comments

Wir haben versucht in der Liste von “alt” (Beatles, Kiss, AC/DC) zu “modern” (Trivium, Ghost, Mastodon) eine kleine Geschichte des Heavy Metal zu erzählen. Bei Nirvana bist du in den 90er-Jahren angelangt.

Grunge war anfangs der 90er ultrapopulär, während der Heavy Metal eine eher schwierige Zeit durchmachte. Grunge ist stark beeinflusst vom Heavy Metal der 80er Jahre und bestimmt haben dann wiederum Songs von Nirvana unzählige junge Musiker dieser Generation dazu bewegt überhaupt Instrumente in die Hand zu nehmen. Deshalb kommt man um Grunge-Bands in der Liste fast nicht herum.

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