Milagros in der grossen Stadt - Teil 1

Als die Band Greta van Fleet angekündigt hat, dass sie im Mai ein Konzert in Mexico City spielen werden, haben wir sofort Tickets gekauft. Damals waren wir noch auf dem Boatyard in Puerto Peñasco. Egal woher wir anreisen würden, das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Dass wir das Konzert mit einem Besuch von Mexico City verbinden konnten – umso besser! Also banden wir Milagros in Puerto Escondido an eine Boje, liessen sie allein und machten uns auf den Weg in die grosse Stadt. So viel zu sehen, so viel zur erleben, so viel zu tun. Das macht diesen Reisebericht direkt zu einem Zweiteiler.

Wäre unser Plan mit dem Umbau von Milagros so aufgegangen wie geplant, wären wir im Mai 2022 in der Umgebung um Acapulco gewesen. So hätten wir die Anreise nach Mexico City locker per Mietwagen oder Autobus gemacht. Bekanntlich kam ja aus dem einen oder anderen Grund alles ein wenig anders und wir verbrachten einige Monate mehr in Puerto Peñasco.

Zurück in Puerto Escondido

Die Reise konnte dann aber trotzdem losgehen und wir haben es bis ganz in den Süden der Sea of Cortez nach La Paz geschafft, wo wir ein paar schöne Wochen mit Erkunden und Fluchen verbracht haben. Dann ging die Reise wieder zurück gen Norden und nun waren wir wieder in Puerto Escondido. Na, klingelt irgendwo ein Glöckchen? Genau! Hier sind wir damals mit kaputter Diesel-Einspritzpumpe und somit defektem Motor für knapp 3 Woche festgesessen. Was für ein durchgeknalltes Abenteuer unsere Jungfernfahrt doch war! Wenn du diesen Teil unserer Reise verpasst hast, unbedingt lesen! Und danach kannst du dich für unserer Newsletter anmelden, damit du keinen Blogpost mehr verpasst!

Wir lassen Milagros alleine

Weil wir es nicht genug weit gen Süden geschafft haben um gemütlich mit dem Bus nach Mexico City zu reisen, haben wir uns kurzerhand entschlossen, Milagros in Puerto Escondido an einer Boje zu lassen. Das Bojenfeld ist gut geschützt gegen alle Wellen- und Windrichtungen, Mitarbeiter der Marina fahren täglich zur Visite durchs Bojenfeld und schön ist es auch noch. Hier konnten wir Milagros getrost alleine vor sich hin schaukeln lassen.

Taxiservice von lieben Leuten

Ray, mit dem wir damals seine Sea Note nach La Paz gebracht haben, wohnt in der Nähe in Loreto. Als wir ihn zusammen mit Cavu zum Mittagessen trafen stellte er sich kurzerhand zur Verfügung uns frühmorgens in Puerto Escondido abzuholen und zur Bushaltestelle in Loreto zu fahren. Von dort aus fuhren wir knapp 5 Stunden zum Flughafen von La Paz, von wo aus uns der Flieger nach Mexico City bringen würde. Chad vom Segelschiff Velella (Grüsse auch an seine Schweizer Frau Katrin) holte uns auf Milagros ab und brachte uns in ihrem Dinghy zum Dock. Etwas vom schönsten an unserer Segelreise ist, wie viele liebe Leute wir kennenlernen dürfen und durften. Alle helfen allen wo’s nur geht. Dank der lieben Hilfe von Ray und Chad verlief alles wie am Schnürchen und so sassen wir schon bald im Bus nach La Paz.

Mexico City lässt die Muskeln spielen

Wie viele Male wir noch in La Paz aufkreuzen werden wissen wir nicht, aber anscheinend hat diese Stadt eine magische Anziehungskraft auf uns. Geht anscheinend nicht nur uns so. Zum Glück verlief auch die Flugreise von La Paz in die Hauptstadt problemlos. Beim Anflug auf den Flughafen von Mexico City zeigte sich das ganze Ausmass der Stadt. Je nachdem welche Teile des Häusermeeres man noch zu Mexico City zählt leben zwischen 9 und über 20 Millionen Menschen in der Ciudad de México. Dass kurz zuvor auf am riesigen Aeropuerto Internacional de la Ciudad de México beinahe zwei Maschinen kollidiert sind, weil er dermassen überlastet ist, hat natürlich nur noch für zusätzliche Würze gesorgt. Aber alles kein Problem, wir sind sicher gelandet.

Der Anflug in Mexico City ist einfach nur beeindruckend.

Rua Hatu folgen uns

Und so fanden wir uns nach einem ganzen Tag unterwegs am Flughafen in Mexico City wieder. Nick und Janine von SV Rua Hatu würden unsere kleine Reisegruppe wenig später komplettieren, sie kamen mit dem Mietwagen, ihren zwei Katzen Coco und Milka und Hund Kiwi (wann können wir sie endlich adoptieren?) aus Acapulco. Immerhin die Rua Hatus hatten es nach Acapulco geschafft und führten somit unseren ursprünglichen Plan durch. Die beiden hatten uns ein grosses Airbnb gebucht, in dem wir alle die paar Tage Mexico City verbringen würden.

Abendverkehr im Uber Taxi

Angekommen in Mexico City fanden wir innert Minuten ein Uber-Taxi und so kamen wir zum ersten Mal in den Genuss des gefürchteten Feierabendverkehrs von Mexico City. Und wisst ihr was? Alles gar nicht so schlimm. Obwohl die 5-spurige Strasse vom Flugplatz ins Herz der Stadt vollgepackt war mit Autos, kamen wir mit ein wenig Geduld und Stop-And-Go innert knapp 30 Minuten bei unserem Zuhausen für die nächsten Tage an.

Hier drin war unser Mexico City Airbnb

Unser Luxus-Airbnb

Die grosszügige Wohnung war zentral gelegen und in Gehdistanz von ein paar Sehenswürdigkeiten und dem Konzertlokal. Der Grundriss des Gebäudes war sehr schmal gezogen, die Wohnfläche zog sich deshalb über 4 Stöcke und war sehr modern und mit vielen Betonflächen aufgebaut. Über 4 Stockwerke verteilt befanden sich Wohnzimmer und Küche, zwei Schlafzimmer, 4 Badezimmer und eine schöne Dachterasse (inklusive Katzenklappe für die pelzigeren Bewohner). Gut gewählt, liebe Rua Hatus! Hier liess es sich aushalten!

Von Wäldern und indischem Essen

Pati und ich hatten zwei Tage zur Verfügung um ein bisschen auf Zweisamkeit zu geniessen (davon hatten wir ja nicht genug auf dem Schiff) und zogen ein bisschen um die Häuser. Der “Bosque de Chapultepec” (Wald von Chapultepec), ein riesiger Park, befand sich gleich in der Nähe und wollte erkundet werden. Der Park wird auch «die Lunge von Mexico City» genannt und erstreckt sich über fast 700 Hektar und heisst bis zu 15 Millionen Besucher pro Jahr willkommen. Der Bosque de Chapultepec beherbergt Grün soweit das Auge reicht, Seen, Museen, einen Zoo und vieles mehr. Es tat sowas von gut, endlich mal wieder Bäume, Gräser und Pflanzen um uns herum zu haben nach all den Monaten in der Wüste. Nachdem wir am Abend zuvor bereits per Uber Eats indisches Essen bestellt hatten, liessen wir den Abend in einem indischen Restaurant ausklingen. So läuft das bei uns. Zeit all das aufzuholen, was uns auf dem Schiff gefehlt hat!

Das obligate Touri-Programm

Am nächsten Tag beschlossen wir, uns so richtig faul zu den Sehenswürdigkeiten chauffieren zu lassen und buchten ein Ticket im Touribus. Wir fuhren einmal quer durch die Stadt, wo die Äste manchmal ein wenig zu tief für die Doppeldecker ohne Dach waren. So mussten wir auf der Hut sein um keine Augen zu verlieren. Am “Plaza de la Constitutión” bestaunten wir die weltberühmte Kathedrale und die umliegenden Gebäude. Auch der Präsident von Mexico hat hier irgendwo sein Büro. Allerdings blieben wir nicht allzu lange. Zu viele Leute, zu viel Lärm, zu viele Strassenverkäufer. Nicht unser Ding. Wir fuhren somit noch eine Runde im Bus, bestaunten die belebten Strassen der Stadt und kehrten danach bei angenehm milden Temperaturen in einem Biergarten ein. Auch das hatten wir vermisst. Alles richtig gemacht!

Full house

Und plötzlich war Full House in unserer schönen Wohnung. Nic, Janine und ihre Gang hatten es nach Mexico City geschafft. Da der Eingang zur Wohnung gleichzeitig die Autoeinstellhalle war, konnte sie praktisch in die Wohnung hineinfahren. Während sich ein paar der Ankömmlinge sich sofort unter einer Kommode versteckten (nicht Janine, sondern Coco) oder die Wohnung erkundeten (nicht Nic, sondern Milka) wurden wir überschwänglich begrüsst und mit Liebe überschüttet (Kiwi) oder ganz normal begrüsst (nicht Kiwi, sondern Nic und Janine).

Indisch und indisch und indisch!

Sie hatten abgesehen von einem ungemütlichen und teuren Zusammentreffen mit der mexikanischen Polizei (sie hatten anscheinend Stopplichter überfahren, was so natürlich nicht ganz stimmte, «eine Busse» bezahlen mussten sie natürlich trotzdem) eine angenehme Fahrt hinter sich. Und was gabs zum Abendessen? Richtig geraten – indisch. Wir sind so kreativ! Und dann durften wir etwas ganz Spezielles erleben. Dass wir eine Dachterasse hatten, war perfekt. Denn eine komplette Mondfinsternis stand an. Die Terasse war perfekt ausgerichtet und so kamen wir in den Genuss des ganzen Spektakels an einem wolkenfreien Himmel. Die Azteken müssen damals völlig durchgedreht sein, als sich plötzlich eine schwarze Scheibe vor das Gesicht im Himmel geschoben hat. Danke, Coyolxauhqui. Google hilft. 😉

Ist Mexico City gefährlich?

Tags darauf wars Zeit fürs Konzert! Endlich! Greta van Fleet live! Und das in Mexico City! Whoooo! Aber da das Konzert erst Abend stattfand hatten wir noch einen Tag zu füllen. Im Vorfeld der Reise hatte ich mich ein wenig über die Stadt schlaugemacht. Natürlich kommt das auch die eigene Sicherheit schnell ins Gespräch. Man liest von Trickdiebstahl, Betrügereien, Abzocke, Mord, Totschlag und Kidnapping. Es ist wie in allen Städten und Gegenden der Welt- alles eine Frage des gesunden Menschenverstands. Wenn man sich nicht Hals über Kopf betrunken mit einem riesigen glänzenden Sombrero in die Rotlicht- und Drogenviertel stürzt hat man normalerweise auch keine Probleme. Mexico City hat vielleicht ein Imageproblem, ist aber so genau so sicher wie jede andere Grossstadt.

Iztapalapa

Eine der «gefährlicheren» Gegenden von Mexico City ist der Stadtteil Iztapalapa. Iztapalapa ist in jeder Liste zu finden, wenn es darum geht, welche Stadtteile man meiden sollte. Auf der anderen Seite ist Iztapalapa der Stadtteil von Mexico City mit über 7000 Wandmalereien, farbenfroh, lebhaft und weit entfernt vom teuren, fancy Stadtzentrum. Zudem hat die Regierung dort eine 10km lange Seilbahn (den «Cablebus») gebaut, von der aus man das ganze Viertel bestaunen kann. Weit weg von den Touristenmassen, wie gemacht zum Erkunden. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen!

Die Wandmalereien von Iztapalapa

Mexikanische Hilfsbereitschaft

Und was können wir sagen? Zum Glück wird einem von einem Besuch abgeraten! Denn wir waren weit und breit die einzigen weissen Gesichter, als wir bei der «Talstation» der Seilbahn ankamen. Und wir wurden nicht ausgeraubt, stattdessen half und eine nette ältere Dame sofort mit ihrem Seilbahn-Abo aus, als sie bemerkt hat, dass wir die falschen Tickets gelöst hatten. Auch wurden wir kein einziges Mal zum Kauf eines halbwertigen Plastik-Souvenirs gedrängt! Wenn man sein Mindset nur ein wenig ändert, seine Komfortzone verlässt und nicht alles glaubt was man liest und hört, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten und Abenteuer. Iztapalapa zeigte sich in Form der hilfsbereiten Dame nach ein paar Minuten bereits von seiner besten Seite. Was danach folgte werden wir wahrscheinlich so schnell nicht vergessen. Zum Glück haben wir Iztapalpa besucht! Der Ausblick aus den Gondeln war nicht weniger als atemberaubend, die ganze Stadt lag uns zu Füssen. Dass wahrscheinlich nicht zuletzt aus Wandmalereien auch Dachmalerein wurden, war wahrscheinlich dem «Cablebus» zu verdanken. Die 45 Minuten Fahrt waren ein Genuss.

Ein Highlight

Was danach folgte werden wir wahrscheinlich so schnell nicht vergessen. Zum Glück haben wir Iztapalpa besucht! Der Ausblick aus den Gondeln war nicht weniger als atemberaubend, die ganze Stadt lag uns zu Füssen. Dass wahrscheinlich nicht zuletzt aus Wandmalereien auch Dachmalerein wurden, war wahrscheinlich dem «Cablebus» zu verdanken. Die 45 Minuten Fahrt waren ein Genuss. Wir liessen es uns auch nicht nehmen, ein wenig durch die Strassen zu schlendern, wo wir einen kleinen Strassenmarkt besuchten und in allerlei Erlebnisse kulinarischer Art eintauchten. Dank unseres immer besser werdenden Spanisch konnten wir uns auch mit den «Iztapalapianern» unterhalten. Sie hatten ausnahmslos grosse Freude an unserem Besuch in ihrem Stadtviertel. Hier leben viele Leute am Existenzminimum, trotzdem mussten wir jeweils grosse Überzeugungsarbeit leisten beim Ablehnen unseres Rückgelds. So tickt Mexiko! Es ist nicht alles Drogenkrieg, Kartelle, Mord und Totschlag.

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