Wo Schatten ist, ist auch Licht

Nach der Pechsträhne der vorigen Woche sind wir motivationstechnisch nach wie vor noch nicht auf der Höhe. Das Glasen will einfach nicht fertig werden und die Empfehlung eines Profis lässt uns an unserem Vorgehen zweifeln. Zum Glück stand aber mein Geburtstag an, den wir ausgiebig feierten.

Die Profimeinung

Um für unsere Hüllenrenovation einen Profi an der Hand zu haben, haben wir uns bei Andy von Boatworks Today als Patreon registriert. So konnten wir ihm Fotos von Milagros schicken und seine Meinung zu unserem Vorgehen einholen. Wir hatten also damit begonnen, die tieferen Stellen am Rumpf mit Fiberglas zu füllen, als wir von Andy die langersehnte Antwort erhielten. Und wir wollten sie nicht hören.

Die Empfehlung

Er empfahl, die komplette Hülle (über und unter der Wasserlinie) zu spachteln und 1-2 Schichten sogenannter 1708 Biaxial-Glasfasermatte mit einer Dichte von 850g/m2 (25 oz) zu verlegen. Damit würden alle delaminierten Stellen stabilisiert und das Osmose-Problem (höchstwahrscheinlich) für immer gelöst. Eine 100% Lösung also, mit der wir quasi einen neuen Rumpf hätten.

Bootsarbeit ist manchmal frustrierend

Warum nicht?

Es ist mühsam: Wer schon mal mit diesen Matten gearbeitet hat weiss, dass die Matte ist schon für kleine Reparaturen mühsam zu verarbeiten ist. Denn anders als Glasfaserstoff, muss die Matte vorab in Epoxy getränkt werden. Das macht sie schwer und unhandlich. Ganze Bahnen davon müssen Horror sein. Zum Vergleich: Wir nutzen aktuell einfach gewobenen Glasfaserstoff mit einer Dichte von 250g/m2 (7.5 oz), welcher sehr einfach zu verarbeiten ist.

Es ist eine Materialschlacht: Die Menge an benötigtem Material, vor allem Epoxy, ist enorm. Wir haben für die Blasenreparaturen schon beinahe eine Gallone Epoxy und 5m2 Stoff verarbeitet.

Es ist übertrieben: Andy hat absolut recht – sein Vorgehen ist wäre optimal. Wird unser Schiff untergehen, wenn wir es nicht machen? Nein. Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn wir Andys Rat nicht folgen? Der Anstrich kann versagen, und wir werden irgendwann in Zukunft wieder Osmosebehandlungen machen müssen. Im schlimmsten Fall müssen wir uns eingestehen, dass wir auf Andy hätten hören sollen. Und vielleicht müssen wir alles nochmals abschleifen und seinem Rat folgen. Oder auch nicht. Nichtdestotrotz wissen wir, dass er eigentlich Recht hat.

Bootspocken

Die Seglercommunity hier ist wunderbar. Wir wurden aufgemuntert, konnten Andys Vorgehen besprechen und Vor- und Nachteile abwägen. Schlussendlich haben wir uns dazu entschieden, bei unserem geplanten Vorgehen zu bleiben. Jedoch mit der Option, dass wir nach dem Spachteln am Unterwasserschiff 1 – 2 Schichten Glasfaserstoff statt Matte verlegen, je nach dem wie das Resultat aussieht. Beim Blättern in einem unserer Bücher habe ich entdeckt, dass der Zustand unserer Hülle einen eigenen Namen hat: Bootspocken.

Ein systemisches Problem

Die Osmoseblasen entstehen zwischen dem Gelcoat und der ersten Fiberglasschicht, wenn der Gelcoat seine Schutzfunktion nicht mehr wahrnimmt. Bei den Bootspocken treten die Blasen nicht vereinzelt auf, sondern über das komplette Unterwasserschiff verteilt und stellen ein systemisches Problem dar. Dann muss der komplette Gelcoat entfernt und der Anstrich neu aufgebaut werden.

Gängige Praxis

Bei uns kommt noch dazu, dass viele Blasen tiefer gehen und sich zwischen der ersten und zweiten Fiberglasschicht befinden. Das Problem entsteht üblicherweise schon beim Schiffsbau, wenn damit begonnen wird, das Schiff von aussen nach innen in der Verschalung aufzubauen. Es ist leider gängige Praxis, auf den noch feuchten Gelcoat die erste Schicht Fiberglas zu legen und dann einen Tag zu warten, bis die zweite Schicht aufgetragen wird. Das führt dazu, dass die Verbindung zwischen den beiden Schichten nicht so gut und deshalb anfällig für Blasen ist. Die vorgeschlagene Lösung ist, die korrumpierte Schicht zu entfernen und durch eine Lage 350g/m2 (10 oz) Glasfaserstoff zu ersetzen.

Kein Ende in Sicht

Wir bleiben aber dabei: keine zusätzliche Schicht und wir glasen fröhlich, und manchmal weniger fröhlich, weiter. Eine so grosse Fläche zu bearbeiten, ist herausfordernd und teilweise fast überfordernd. Vor allem weil wir zeitweise an unserem Entscheid zweifelten und nicht sicher waren ob wir das richtige tun. Um die Übersicht nicht zu verlieren, haben wir ein Gitternetz auf die Hülle gemalt – so konnten wir uns Quadrat für Quadrat vorarbeiten, an etwas entlanghangeln und kleine Erfolge feiern. Der Frust bei dieser Arbeit wurde noch dadurch verstärkt, dass gleich drei Boote einwasserten und ein weiteres so gut wie parat zum Einwassern war. Wir wollten einerseits auch los und andererseits "verloren" wir tolle Leute hier auf dem Yard.

Mein Geburtstag

Ich war ziemlich froh, dass in dieser Woche mein 27. Geburtstag zum sechsten Mal anstand. Schon länger hegten wir den Plan, selbst die richtig nervigen Strandbuggies zu mieten, die uns schon seit Monaten mit ihrem Lärm nervten. Als wir die Idee mit ein paar anderen Bewohnern des Boatyards teilten, waren SV Cavu, SV Alegría und SV Liquid sofort mit dabei. Gemeinsam mit Mike und Katie von SV Alegría und Betty, ihrem Auto, und Rosco, ihrem Hund, checkten wir vorab die Preise entlang der Strasse, um den besten Deal zu finden. Der Razor (der coolste), den wir im Visier hatten, kostete jedoch satte 250$ pro Stunde. Nein danke. Wir entschieden uns für die etwas weniger coolen Rhinos, quasi Golfcarts mit Vierradantrieb. 40$ pro Stunde und vier Sitze schien uns passend.

Der erste freie Tag

Ein komplett freier Tag ohne Arbeit am Boot – der erste seit beinahe 2 Monaten – hatten wir und auch andere nötig. Wir trafen uns also morgens um 10 alle bei Milagros für Kaffee und Kuchen Bier. Ich habe mich sehr über die vielen Segler gefreut, die gekommen sind, und mit mir angestossen haben. Voller Vorfreude zogen wir danach los und mieteten zwei Rhinos – einen in pink und einen in schnellem rot. Cavu Dave und Alegría Mike übernahmen als erstes das Steuer. Schon als wir kurz zum Boatyard fuhren, um Musikboxen zu holen, wusste ich: das hat sich gelohnt! Die übermotorisierten und topgefederten Fahrzeuge machten Lärm und Spass.

Eine Abkürzung

Auf dem Weg zu den Dünen von La Choya verliessen wir bei der ersten Gelegenheit die befestigte Strasse und nahmen eine Abkürzung durch den Sand. Diese Dinger sind nicht für die Strasse gemacht, ihr natürliches Habitat ist der Sand. So testeten wir gleich mal die Federung, den Einschlag und den 4x4. Die Mitfahrer auf dem Rücksitz und das Bier wurden kräftig durchgeschüttelt wie auf einer Achterbahn. Das war erst der Vorgeschmack und wir wollten mehr.

La Choya

Kurz vor La Choya konnte man erneut von der Strasse abfahren und durch die Wüste heizen. Eine Buckelpiste soweit das Auge reichte. Da Donnerstag war, hatte es praktisch keine anderen Leute. Abwechselnd trieben wir unsere Gefährte ans Limit, und fuhren mit den anderen um die Wette. Marla von SV Cavu schaffte es sogar, die Maximalgeschwindigkeit von 60km/h zu erreichen. Ein Bier zu trinken auf dem Rücksitz war ein Ding der Unmöglichkeit. Der Höhepunkt war, als wir den Berg von La Choya (San Juan Hill) erklommen und oben mit einer tollen Aussicht belohnt wurden. Mit Tequila stiessen wir auf meinen Geburtstag an. Was für ein Spass!

Die Aussicht von La Choya
Die Rhino-Crew mit einer schönen Aussicht im Hintergrund (Bild von Alegría Mike)

Erschöpft und glücklich

Nach 2 Stunden brachten wir die Rhinos erschöpft vom Gerüttele und Geschüttele wieder zurück. Vielleicht haben wir es etwas übertrieben, denn beide Buggies machten komische Geräusche, die sie zuvor nicht gemacht hatten. Cavu Dave hat es bezeichnend ausgedrückt: "Es fühlt sich an, als ob ich einen Autounfalll hatte". Das Fazit war auf jeden Fall: es hat viel mehr Spass gemacht, als erwartet. Und wir haben nun auch ein bisschen mehr Verständnis für all die Touris, die damit um den Boatyard heizen. Aber nur ein bisschen, denn wie gesagt: diese Dinger müssen in den Sand, und nicht auf die Strasse.

ATV Spass in Puerto Peñasco
Foto von Liquid Marc

Der Spass geht weiter

Pünktlich zur Einwasserung von SV Catspaw waren wir wieder auf dem Yard. Eine Einwasserung ist immer ein grossens Event, da es (üblicherweise) das Ende der Arbeit und den Anfang des Vergnügens bedeutet. Im Anschluss wurde ich mit einer Oreo Eistorte von DairyQueen überrascht – sogar mit Kerzen, die ich aber Corona-technisch nicht auspustete. Wir liessen den Abend mit Fischtacos und Bier bei SV Dogfish ausklingen. Was für ein Tag!

Willst du Patricia zum Geburtstag gratulieren? Das kannst du zum Beispiel tun, indem du auf den Button weiter unten klickst (du brauchst nicht mal einen Account!). Du kannst uns auch auf Patreon.


2 Comments

I can’t think of that day without a huge grin on my face! That was some much needed and intense fun!! Glad we could celebrate your second annual sweet 16 like teenagers again!

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