Hitze, Wellen, Kaffee und Feuer

Die Coyote Bay, wo wir uns mit Marga nun schon seit einiger Zeit niedergelassen hatten, war echt crazy. Die Hitze liess uns erahnen was der Sommer in der Sea of Cortez temperaturtechnisch so zu bieten hatte. Nämlich brütende Hitze. Was haben wir geschwitzt! Jeden Abend, wenn die Sonne unterging, trafen wir uns mit Marga auf Dogfish zu einem kalten Getränk und liessen die Tage Revue passieren. War es heute nicht wieder heisser als gestern? Wie viele Liter Flüssigkeit haben wir wohl nun wieder verloren? Werden wir die Coyote Bay jemals wieder verlassen?

Heiss, heisser, am heissesten

Besonders während der Mittagszeit war an körperliche Anstrengungen nicht zu denken. Die Sonne brätschte vom Himmel und wir hatten gerne mal über 40°C im Schiff. Ich lag dann meistens auf dem Sofa unter einem Ventilator, während Pati sich draussen im Cockpit mit ihrem Tolino mit Lesen beschäftigte und so vor sich hin schwitzte. Wenn irgendwelche kleinen Ärbetli an Milagros anstanden, konnten und wollten wir diese nur erledigen, nachdem die Sonne untergegangen war. Nicht dass es dann kühler wurde, aber immerhin war die Sonne weg. Unter den vorherrschenden Gegebenheiten waren wir schon mit wenig zufrieden.

Hoher Besuch

Abgesehen von Arbeiten am Rigging haben wir auch nicht viel Nennenswertes erledigt. Vielmehr genossen wir es einfach mal neben Dogfish in der wunderschönen Ankerbucht zu liegen, ohne dass wir uns gross Gedanken über eine Weiterreise machen mussten. Ein bisschen bädelen hier, ein bisschen schnorcheln da, alles garniert mit feinem Essen und den obligaten Sundowners. Eines Abends traf auch noch Margas Papa François für einen Besuch auf Dogfish ein, und so wurde aus unserer Dreiergruppe ein Viereck. Er würde Marga auf einem kleinen Teil ihres Wegs zurück nach Norden und Puerto Peñasco begleiten.

Wir schmieden Pläne

Langsam, aber sicher mussten wir auch wieder ans Weiterziehen denken. So setzten wir uns wieder an die Planung für die nächsten paar Hüpfer in Richtung Santa Rosalia. Wir mussten zuerst zurück nach Santo Domingo. Von da aus konnten wir mit einem günstigen Wetterfenster (mit Südwind) weiter in Richtung Norden und Santa Rosalia ziehen. Marga und ihr Papa entschieden sich, noch ein wenig länger in Coyote zu bleiben. So machte sich Milagros allein auf. Zuerst gabs einen kurzen und unaufgeregten Hüpfer zurück nach Santo Domingo.

Neue Ziele

Als der Südwind da war machten wir uns auf zu einer längeren Fahrt in Richtung der «Isla San Marcos». Von da aus war es nur noch ein Katzensprung nach Santa Rosalia, der Stadt, die wir eigentlich auf unserer Jungfernfahrt hatten ansteuern wollen. Aber ihr wisst ja. Unser Motor und so. Wir lichteten den Anker gleichzeitig mit einem anderen Schiff und segelten zum ersten Mal ohne Mithilfe des Motors los. Wir beobachteten zuerst unsere Nachbarn beim Lossegeln und machten dann einfach alles nach. Klappte super und hat Spass gemacht! Wieder was Neues ausprobiert.

Ein Rennen das gar keines ist

Die Voraussetzungen zum Segeln an diesem Tag waren echt top. Der Wind war gut genug, dass wir teilweise mit über 5 Knoten vorwärtskamen, aber nicht stark genug, dass wir uns in die Hosen machten. So versuchten wir mit leeren Hosen mit unseren Nachbarn mitzuhalten. Je länger die Fahrt dauerte, desto mehr war klar, dass sie in dieselbe Richtung unterwegs waren. Wir verglichen fortlaufend unsere Taktik mit dem des anderen Schiffs. Sie blieben eher näher am Ufer, während wir weiter draussen unser Glück versuchten.

Kein Wind und grosse Wellen

Im Verlaufe des Tages zeigte sich, dass unsere Mitstreiter sich wahrscheinlich für die bessere der beiden Taktiken entschieden hatten. Während bei uns draussen der Wind stetig nachliess, schien der Wind näher am Ufer konstanter zu bleiben, und so wurden wir nach und nach abgehängt. Gleichzeitig baute sich auch ziemlich beeindruckende See auf. Von Süden her kamen nach und nach grosse Wellen in langen Abständen daher. Eigentlich unüblich in der Sea of Cortez, die bekannt dafür ist, dass sich in relativ kurzer Zeit unangenehmer Schwell aufbauen kann, der einem mit seinen kleinen Wellenabständen das Leben schwer machen kann.

Wellen Kapverden Style

Der komische Südschwell wurde nach und nach grösser. Irgendwann fühlten wir uns an unseren allerersten Segeltrip 2018 auf den Kapverden erinnert, wo die See einfach nur mächtig und beeindruckend war. Gleichzeitig nahm der Wind ab. Wir weigerten uns anfangs, den Motor zu Hilfe zu nehmen, aber irgendwann machten die Segel einfach zu viel Lärm. Je mehr Wellengang vorhanden ist, desto mehr Wind ist nötig um die Segel straff zu halten. Das Schiff neigt sich um seine Achsen und wenn nicht mehr genügend Druck in den Segeln ist, beginnen diese von Seite zu Seite zu floppen, was erstens nervig ist, und zweiten das ganze Material unnötig beanspruchen kann. So entschieden wir uns irgendwann, die ganze Übung abzubrechen. Runter mit den Tüchern! Zeit für Burrito.

Neue Bekanntschaften auf dem Wasser

Das andere Schiff hatte sich vor uns an der östlichen Seite der Insel festgebissen und stand praktisch still, während es in den Wellen herumeierte und die Segel nach links und wieder nach rechts flogen. So holten wir unsere Mitreisenden schnell ein. Während unserem Überholmanöver meldete sich der Besitzer der «Mar de Luz» per Funk, und wir fanden heraus, dass er allein an Bord war und denselben Plan hatte wie wir. Halt machen auf der Isla San Marcos und dann weiterfahren nach Santa Rosalia. Zum Glück hatten wir eine Reservation für die Marina von Santa Rosalia, denn der allgemeine Trend zu dieser Jahreszeit bei praktisch allen Schiffen ist es, in Richtung Norden zu ziehen, aus dem Weg der Hurrikane der Sommerzeit.

Hallo Susimi

Bevor wir ein bisschen Marinazeit verbringen würden, verbrachten wir noch ein bisschen Zeit in der Sweet Pea Cove. Als wir die Nordseite der Isla San Marcos rundeten, spotteten wir SV Susimi, die es sich in einer Ecke gemütlich gemacht hatten. Unser Versuch, es ihnen gleichzutun, scheiterte an der schlechten Sicht im Wasser. Wir wussten von fiesen Steinen unter der Wasseroberfläche, die wir nun nicht sehen konnten und brachen so den Versuch ab. Dafür fanden wir gleich um die Ecke Unterschlupf.

Auf Erkundungstour

So machten wir uns nach einer Nacht ausruhen auf, um Paul und Hazel auf Susimi zu besuchen, denn in der Nähe gab es Spannendes zu begutachten. Auch auf der Isla San Marcos hatten die Wassermassen spannende Felsformationen und Höhlen aus dem Stein gemeisselt. Paul und Hazel paddelten mit ihren SUPs (Stand Up Paddleboards), während wir unserer Faulheit freien Lauf liessen und mit dem Dinghy und Aussenborder mittuckerten. In eine der Höhlen konnte man unter einem Felsbogen einfahren und wir staunten nicht schlecht, als wir auf der anderen Seite eine Gruppe Mexikaner antrafen, die dort anscheinend campiert hatten. Es gibt definitiv schlechtere Orte für eine Übernachtung! Zuerst hatten wir noch gelacht über Pauls Bemerkung, dass er Rauch gerochen hatte («Paul riecht Höhlenbewohner!»), aber seine Nase hatte recht gehabt.

Kaffee und Fisch

Nach unserem kleinen Erkundungstrip fanden wir uns noch auf Susimi für eine Runde Kaffee ein. Wieder zurück auf Milagros war es Zeit, auf die Jagd zu gehen. Wir wollten am Ufer ein Feuer machen. Ein Fisch musste her! Also sattelten wir das Dinghy, packten mein Speerfisch-Equipment ein und düsten um die Ecke zu einer vielversprechenden Felsformation. Kaum im Wasser hatte ich auch schon einen Fisch geschossen. Dabei blieb es auch, denn als ich noch im Wasser war passierte etwas Komisches.

Trübe Suppe

Plötzlich kam mir eine Wand trüben Wassers entgegen. Innert Minuten fiel die Sicht von gegen die 20 Meter auf null. Die trübe Suppe kam aus dem Norden und von einem Moment auf den anderen war an Speerfischen nicht mehr zu denken. Als ich zurück bei Pati im Dinghy war mussten wir die Situation mal genauer unter du Lupe nehmen. Und es war wirklich ein wenig bizarr: Das braune Wasser schien sich nicht mit dem «normalen» Wasser zu vermischen und es formte sich eine Grenze zwischen Blau und Braun. Den Weg in die Ankerbucht fand das braune Wasser aber nie. Es schien vor der Isla San Marcos Halt zu machen. Strömungen? Abwasser aus Santa Rosalia? Wenn irgendjemand von Euch weiss um was für ein Phänomen es sich hier handelt, dann klärt uns bitte auf!

Wir sind an so einem schönen Ort gelandet

Nach einem kurzen Spaziergang sammelten wir Schwemmholz, machten Kartoffel-Wedges und den Fisch und genossen die Abendstimmung. Es sollte der letzte Abend in einer Ankerbucht sein, bevor es in die Marina nach Santa Rosalia ging. Unsere allererste Saison auf Milagros neigte sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Als später die Sonne unterging zeigte sich die Sea of Cortez mal wieder in all ihrer Pracht. Nur Pati, ein Feuer und ich. Mit vollem Bauch und vollem Herz. Und um uns alle Farben, die ein Sonnenuntergang hier in Mexiko so von sich geben kann. Was will ich mehr?

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