Santa Rosalia ist ein Glückstreffer!

Alte Bergbauanlagen in Santa Rosalia

La Paz ist wirklich eine schöne Stadt. Hier hätten wir gut und gerne noch ein wenig verweilen können, aber der Plan war nun mal ein anderer. Unser Zeitfenster wurde immer enger und wir mussten weiter in den Norden der Baja California vorstossen. Puerto Peñasco wartete schliesslich auf uns. Wir nutzten ein paar Tage ohne Nordwind, um weiter vorwärts zu unserem nächsten Zwischenhalt Santa Rosalia zu kommen.

Windstille Phasen wechselten sich mit tagelangem Nordwind ab. Nun würde immer mehr der Motor zum Einsatz kommen. Wir hatten uns bereits mental darauf vorbereitet, dass die Segel immer weniger gehisst werden. Der Nordwind im Golf baut sich ganz im Norden der Baja auf und bläst praktisch hindernisfrei die 600 Seemeilen in Richtung Süden bis nach La Paz und darüber hinaus. Somit haben Wellen tagelang Zeit, sich aufzubauen und wandern zusammen mit dem Wind in Richtung Pazifikmündung.

Im Baja Bash nach Santa Rosalia?

Macht man sich mit Nordwind in Richtung Norden auf, hat man Wind wie auch Wellen gegen sich. Man fährt den berühmt-berüchtigten "Baja Bash", allerdings direkt im Golf anstatt an der Pazifikküste. Der Name sagt alles. Auf diesen Höllenritt hatten wir keinen Bock. Somit beobachteten wir täglich die Vorhersagen und definierten den ersten Tag einer windstillen Phase als Tag der Abfahrt. Nun ging wieder die Planungsphase los.

Carmen und ich sind zu spät dran

Carmen und ich hätten anfangs nur einen Ankerstopp südlich von Santa Rosalia geplant. Zu unbeeindruckt waren wir von den spärlichen Infos, die wir über die Stadt eingeholt hatten. Santa Rosalia war aber schon länger auf dem Schirm von Iñaki. Er hielt uns an, uns näher mit der Stadt und ihrem Hafenbecken zu befassen. So stellte sich heraus, dass seine Idee die Bessere war. Könnte daran gelegen haben, dass wir viel zu spät mit der Planung begonnen haben, es lag aber auch an Iñakis Erfahrung. Er wusste wann die richtige Zeit war, um sich mit der Weiterfahrt zu beschäftigen. Das war nicht erst am Abend vorher, sondern schon 1-2 Tage früher. Asche auf unser Haupt.

Los geht die wilde Fahrt

Früh ging es am nächsten Morgen los, und wir liessen La Paz, das wir innert kürzester Zeit lieb gewonnen hatten, hinter uns. Wir tankten noch schnell auf. Wieder ging unsere Berechnung von um die 130 Liter Tankkapazität pro Tank auf. Danach ging es entlang der Isla Espiritu Santo. Hier konnten wir uns sogar noch einen leichten Nordostwind zunutze machen und setzten die Segel auf einen Am-Wind-Kurs. Die Freude war allerdings nur von kurzer Dauer.

Wir sind jetzt ein Motorboot

Als wir zwischen der Isla Espiritu Santo und der Isla San Jose unsere Kursänderung vornahmen, wurde der Winkel so ungünstig, dass wir die Segel bergen und den Motor zur Hilfe nehmen mussten. Die sollte so bleiben, denn der Wind liess weiter nach und so tuckerten wir vorwärts in Richtung Santa Rosalia. War zwar so geplant, aber trotzdem schade.

Was nun?

Unter Motor unterwegs zu sein hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits ist da der konstante Motorenlärm, andererseits kann man das Schiff einfach per Autopilot seinen Kurs fahren lassen. Man muss keine Rücksicht auf die Segelstellung und allfällige Windveränderungen nehmen. Natürlich wollten wir segeln, aber so ist das halt manchmal. Teilweise machte sich Langeweile breit, denn wenn man stunden- oder sogar tagelang auf dem Wasser unterwegs ist, muss man sich beschäftigen können. Und unter Motor hat man definitiv weniger zu tun, als wenn man die Segel gesetzt hat.

Carmen und Iñaki sind glückliche Seeleute
Die glücklichen Segler Carmen und Iñaki der SY Anila helfen uns mit Milagros

Ich und meine Nachtschichten

Beschäftigen können musste ich mich besonders auf meinen Nachtschichten. Nicht nur gab es nun noch weniger zu tun, es war stockfinster, verglichen mit den Nächten an der Pazifikküste. Der Mond ging immer später auf und so gab es auch nichts mehr zu sehen. 5 Stunden konnten sich gerne Mal wie 5 Tage anfühlen. Die Zeit blieb stehen. Immerhin hatte ich immer ein Spülbecken voll mit dem Abwasch des ganzen Tages zur freien Verfügung. Ansonsten war viel nachdenken, Nintendo Switch und Netflix angesagt. Ich weiss nicht, ob ich und die Nachtfahrten noch Freunde werden.

Ein Feuerwerk am Bug von Milagros

Eines meiner wenigen Lichter im Dunkel war das sogenannte "Meeresleuchten", Biolumineszenzim Wasser. Ausgelöst wird es durch beispielsweise Algen, Einzeller oder Quallen. Milagros triggert bei den Tierchen im Wasser Berührungsreize, worauf sie mit ihren Leuchtorganen reagieren. Sie verwandelten unsere Bugwellen in ein funkelndes Feuerwerk. Auch unser Propellerwirbel, den wir tagsüber unsichtbar hinter uns herziehen wurde zu einem Kometenschweif. Solche Momente erinnern mich an unsere Anfänge auf den kapverdischen Inseln, wo die Biolumineszenz teilweise absurde Ausmasse annahm. Manchmal lässt die Natur einfach keine Gelegenheit aus, um mich umzuhauen. Vielleicht weiss ich ja eines Tages, wie man eine Kamera richtig bedient, dann kann ich noch mit Fotos dieses Phänomens aufwarten.

Wir tuckern nach Santa Rosalia

Als Motorboot zogen wir unsere Bahnen gen Santa Rosalia. So vergingen die Stunden und Tage, und die knapp 350 Seemeilen fanden ihr Ende. Tatsächlich konnten wir kein einziges Mal mehr die Segel hissen. Der Diesel verpuffte so natürlich literweise und es stand erneut ein Date mit der Zapfsäule an. Wir rechneten im Steuerbord-Tank mit 60 Litern Restmenge. Tatsächlich füllten wir 70 Liter nach und so bestätigte sich unsere Theorie von knapp 130 Litern Diesel pro Tank bei einem Verbrauch von 3 – 3.5 Litern pro Stunde endgültig. Beim Umbau auf dem Rocky Point Boatyard in Puerto Peñasco, werden wir der Sache dann natürlich ganz genau auf den Grund gehen.

Ankern oder nicht ankern?

Im kleinen Hafen von Santa Rosalia hatten wir die Wahl zwischen einer Marina, oder dem Ankern im Hafenbecken, das von Wellenbrechern umgeben war. Wir entschieden uns für Ersteres. Während unserer Recherchen bei der Planung der Passage hatten wir von mehreren Seglern gelesen, die beklagten, dass der Grund des Hafenbeckens zugemüllt sei und ein altes, unbenutztes Unterwasserkabel den Ankerplatz kreuzt. Unser 30 Kilogramm schwerer Anker ist uns nun doch ein wenig ans Herz gewachsen und ein Tauchgang in einem mexikanischen Hafenbecken steht auch nicht zuoberst auf unsere Liste.

Hafen von Santa Rosalia

Fonatur Marina Santa Rosalia

Wir trafen die richtige Entscheidung, denn die Marina Fonatur Santa Rosalia ist klein aber fein. Es gibt nur um die 10 Hafenplätze, das war sehr niedlich und übersichtlich. Der Preis ist mit 15$ pro Nacht vergleichsweise günstig, die WC’s und Duschen waren sauber und gepflegt. Zudem steht den Gästen ein kleiner Swimmingpool zur freien Verfügung. Alles keine Selbstverständlichkeiten in Mexiko. Die WiFi-Verbindung war grauenhaft schlecht, aber daran hatten wir uns inzwischen gewöhnt.

Perspective ist die grössere Milagros

Schnell lernten wir Sarah, Brad und ihren Hund Sydney vom Segelschiff "Perspective" kennen. Sie bewohnen eine Kelly Peterson 46, die etwas grössere Version von Milagros. Es stellte sich heraus, dass die meisten Schiffe in der Marina Santa Rosalia sich aus Puerto Peñasco kannten. Kommend vom Rocky Point Boatyard hatten sie exakt das hinter sich, was wir noch vor uns hatten. Viel, viel Arbeit.

Ist Santa Rosalia ein Geheimtipp?

Natürlich mussten wir auch die Stadt unter die Lupe nehmen. Um das Jahr 1880 begann Frankreich in Santa Rosalia mit dem Kupferabbau. Als die Minen in den 50er-Jahren nicht mehr genug Rendite einbrachten, wurden viele der Einrichtungen sich selbst überlassen. Sie stehen bis heute, und führen so zu einem tollen Kontrast zwischen Stadtleben und Industrieruinen. Inzwischen wird in der "Boleo Mine" von einem koreanischen Konsortium Kupfer, Kobalt, Mangan und Zink abgebaut. Neben der Fischerei dürfte die Mine das Haupteinkommen der meisten der etwas über 12‘000 Bewohner von Santa Rosalia ausmachen.

Französische Architektur

Die Hauptattraktion der Stadt dürfte die Kirche "Iglesia de Santa Bárbara" sein. Die Legende sagt, dass sie aus der Feder von Gustave Eiffel, dem Architekten des weltberühmten Eiffelturms in Paris, stammt. Natürlich gibt es dazu passend auch eine französische Bäckerei in der Stadt. Hätten wir uns ansehen können, kam uns aber erst wieder in den Sinn, als wir schon unterwegs nach Puerto Peñasco waren. Dann müssen wir halt nochmal vorbeischauen.

Viren haben auch ihre Vorteile

Alles in allem können wir sagen, dass Santa Rosalia definitiv seinen Abstecher wert war. Die Stadt ist hübsch, die Marina super. Wir können Santa Rosalia wirklich allen ans Herz legen, die die Baja California bereisen. Abgesehen davon, dass man vielleicht über eine halbe Stunde auf einen Becher Kaffee warten muss. Wir denken allerdings, dass dank Covid auch ein wenig Glück im Spiel war. Dass die Marina so klein ist, dürfte während der Hochsaison mehr ein Fluch als ein Segen sein.

Es geht nicht mehr lange!

Es stand nun die letzte Teilstrecke nach Puerto Peñasco an. Wir mussten wieder ein windstilles Wetterfenster abwarten, dann konnte es losgehen. Ich war gespannt wie ein Regenbogen (ja ihr habt richtig gelesen, gäll Alex), denn die Stadt ganz im Norden des Golfs von Kalifornien soll unser neues Zuhause für den Umbau und die Upgrades von Milagros werden. Wer weiss, was da noch alles auf uns zukommt.

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