Disco im Wasser und Party im Himmel

Wir verlassen die schönste Bucht und ziehen weiter Richtung Norden. Die Isla Coronados und San Juanico stehen auf unserem Plan. Wir flicken mal wieder Dinge mit schöner Aussicht und treffen auf einen anderen Schweizer auf Langfahrt.

In der V-Cove bzw. El Refugio an der Nordseite von Isla Carmen wurde es nach ein paar Tagen etwas ungemütlich. Der Wind hatte gedreht und brachte und Wellen in die Bucht, und die Windvorhersage blieb dahingehend ungünstig. Deshalb war es für uns an der Zeit, weiterzuziehen. Nächster Halt war die rund 10 Seemeilen entfernte Isla Coronados. Es war nicht ganz einfach, sich für eine der Ankerbuchten an dieser Insel zu entscheiden, da die Vorhersage Wind aus allen möglichen Richtungen zeigte. Schlussendlich ankerten wir in der Südwestbucht, was sich grösstenteils bewährte.

Streikalarm

Auf dem Weg dorthin gab unser Pinnenautopilot an der Windsteueranlage den Geist auf. Wir hatten schon zuvor mit Wackelkontakt zu kämpfen, aber nun brachte auch rütteln und den Stecker drehen nichts mehr. Das bedeutete, dass wir nun unter Motor von Hand steuern mussten. Doch wir sind in diesen 1.5 Jahren auf dem Boot zu kreativen Lösungsfindern geworden. Da die Buchse definitiv das Problem war, bauten wir diese aus. Ersatz dafür war hier nicht zu finden.

Wir bauten kurzerhand den Ersatzautopiloten so um, dass wir ihn mit Steckverbindern an die Stromversorgung anschliessen konnten. Das Loch im Deck verschlossen wir mit einem Plastikpfropfen und führten das Stromkabel hindurch. So können wir, sobald wir die neue Buchse haben, diese einfach installieren und wieder den originalen Autopiloten verwenden.

Mal wieder was flicken

Weil es gerade so schön war (und man sagt ja über das Segeln, dass man es auch «Dinge an exotischen Orten reparieren» nennen könnte), widmeten wir uns in dieser wunderschönen Ankerbucht mit weissem Sand und türkisgrünem Wasser auch noch anderen Projekten. Da wir das Pumpen des Masts noch nicht zu 100% eliminiert hatten, montierten wir unsere Backstage. Das sind 2 Stahlseile, die das obere Drittel des Masts zusätzlich stützen. Bei dieser Gelegenheit reinigte David auch gleich noch die restliche Takelage und stellte fest, dass die Takelage im Bereich der oberen Salinge ziemlich locker war. Das war nicht gut. Da wir aber bald auf Dogfish mit Marga und einem Spannungsmessgerät für die Stahlseile an Bord treffen würden, wollten wir uns später darum kümmern.

Reparieren mit netter Aussicht

Wir haben mehr Schatten

Milagros kriegte auch endlich ein Bimini. Nachdem wir nun seit Monaten einfach mit dem Sonnendachgestell rumgesegelt sind, haben wir nun aus Sonnenbeschattungsstoff einen provisorischen Überzug genäht und auch gleich noch unsere mexikanische Flagge repariert, die schon etwas desolat aussah. Ausserdem brauchte unsere 12v Steckdose, von der wir den Inverter für Starlink laufen liessen, einen grösseren Kabeldurchmesser. Beim Aufstarten von Starlink hatte der Inverter nämlich teilweise Mühe. Jetzt nicht mehr.

Schweizer überall

Wir hatten aber mit einem kleinen Punkt etwas Mühe. Am ersten Tag waren 3 Schiffe mit uns in der Ankerbucht. Doch täglich wurden es mehr. Eines Abends machten wir eine wunderschöne Wanderung, die uns über losen Kiesel und grosse Felsbrocken zum erloschenen Vulkan der Insel führte. Vor dem letzten grossen Anstieg brachen wir die Übung aber ab, denn wir hatten wie immer nur unsere Crocs montiert. Nun hatten wir den vollen Überblick über die Bucht und zählten bereits 17 Schiffe. Da war nix mehr mit Einsamkeit. Trotzdem genossen wir die Aussicht mit einem Bierchen. Auf dem Rückweg trafen wir auf ein paar Segler, die sich am Strand für ein Bier verabredet hatten. Mit dabei war auch Thomas aus der Schweiz, der seit 8 Jahren gemeinsam mit seiner Partnerin auf Robusta unterwegs waren.

Die Abenteuer der Robusta

Dafür, dass die kleine Schweiz ein Binnenland ist, haben wir schon ziemlich viele Schweizer hier in der Sea of Cortez getroffen. Wir genossen es, wieder einmal auf Schweizerdeutsch plaudern zu können. Thomas lud uns tags darauf auf ein Bierchen auf Robusta ein. Er erzählte uns von ihrer langen Reise, die die beiden auf Robusta aus Deutschland über den Atlantik, um Kap Horn, dann in die Südsee, nach Neuseeland und Japan, Alaska und Mexiko geführt hatte. Anja durften wir leider (noch) nicht kennenlernen, denn sie war gerade auf Besuch bei ihren Eltern in der Schweiz. Wir unterhielten uns auch über unseren Plan, der gar keiner ist. Haha. Wir möchten nächste Saison mal nach Panama segeln, aber dann wissen wir noch nicht weiter.

Waaaaaaaaleeeeeeee

Eines Abends hörten wir über Funk, dass sich zwei Buckelwale bei uns in der Ankerbucht befanden. David und ich schnappten uns sofort das Kajak und paddelten in deren Richtung. Sobald wir sie irgendwo auftauchen sahen, versuchten wir zu schätzen, wo sie als nächstes auftauchen würden. Da diese gigantischen Meeressäuger durchschnittlich etwa 15 Minuten lang tauchen, ist es ein bisschen wie Lotto spielen. Wir schafften es, ziemlich nahe an sie heranzukommen. Das war ein richtig tolles Erlebnis. Bilder dazu gibt es leider keine. Keine Zeit gehabt, wir mussten paddeln!

Cabrales Connection

Als die Wale die Bucht verliessen, befanden wir uns ziemlich weit weg von Milagros, aber direkt neben Bodhisattwa. Dieses Schiff kannten wir noch vom Cabrales Boatyard. Ihre Besitzer hatten kurz vor unserer Abreise damit begonnen, das Schiff für einen Neuanstrich vorzubereiten. Mike und Wendy luden uns auf ein Sonnenuntergangs-Bierchen ein. Da fiel David plötzlich auf, dass er nur in den Unterhosen im Kajak sass. Egal. Wir amüsierten uns darüber. Wo sonst sitzt man bei quasi fremden Menschen in den Unterhosen auf der Terrasse und trinkt ein Bier mit ihnen? Und nein, auch davon gibt’s keine Bilder.

Es geht weiter

Hier in Coronados treffen wir auch wieder auf Hazel und Paul von SV Susimi. Wir haben einen ähnlichen Zeitplan – es stellte sich heraus, dass wir beide für das gleiche Datum eine Reservation in der gleichen Marina in Santa Rosalia gemacht hatten. Und bei Drinks auf Susimi entdeckten wir, dass wir uns auch zwischendrin die gleichen Ankerbuchten ausgesucht hatten. So nutzen wir auch dasselbe Wetterfenster, um die gut 20 Seemeilen nach San Juanico/Ramada zu bewältigen. Ungewöhnlicher, etwa zwei Meter hoher Schwell verunmöglichte leider unser Vorankommen unter Segel bei eigentlich gutem Wind, so musste leider der Motor herhalten.

Planänderung

Gegeben dem in dieser Jahreszeit meist vorherrschenden Wind von Südosten (und diesem ungewöhnlichen Schwell) wollten wir in die nördliche Bucht «Ramada Cove», die gemäss den Revierführer Platz für zwei, drei Schiffe bot. Kurz vor der Ankunft hörten wir einen Funkspruch von einem Schiff, das fragte, wie viele Schiffe sich in Ramada befanden. Als wir die Antwort «fünf» hörten, änderten wir unseren Plan und steuerten die Südbucht von San Juanico an. An diesem Tag testen wir zum ersten Mal unser neues «Tageskapitän» Konzept, damit wir uns weniger gegenseitig beim Segeln dreinreden. David war an diesem Tag Kapitän. Und ich würde sagen, dass es ganz oke funktioniert hat. Aber wir müssen noch etwas üben. 😊

Wieder ein erstes Mal

Das erste Mal in dieser Saison ankerten wir in 4 Metern Tiefe. In so seichtes Wasser hatten wir uns bisher noch nicht getraut. Mit unserem Tiefgang von knapp 2 Metern bedeutet das nämlich nur 2 Meter Wasser unter dem Kiel. Der Wind hat an diesem Nachmittag immer mehr zugenommen und wehte nun mit 20 Knoten (fast 40 km/h) in die Ankerbucht. Ein seichtes Riff schütze uns etwas vor unangenehmem Wellengang. Dennoch erkundeten wir mit dem Kajak die Küste und spazierten am Strand entlang. Abends kamen Paul und Hazel auf Drinks bei uns vorbei. Als wir ihnen später beim Abschied das Decklicht einschalteten, lockten wir damit etwa 20 Goldrochen an. Diese schwammen in Reih und Glied neben unserem Schiff im Kreis.

Schnorcheln im eiskalten Wasser

Am nächsten Morgen versuchten wir es mit Schnorcheln am Riff, doch das Wasser war so kalt, dass es David nur 2 Minuten im Wasser aushielt und ich gegen Hirnfrost ankämpfen musste. Zu sehen gab es leider auch hier nur die üblichen Verdächtigen. Das Schnorcheln in der Sea of Cortez ist wirklich super, aber manchmal haben wir das Gefühl, dass hier nur etwa 10 verschiedene Fischarten rumschwimmen, was natürlich Quatsch ist. Hauptsächlich dürfte die mangelnde Abwechslung daran liegen, dass man sich beim Schnorcheln immer etwa dieselben Strukturen und Wassertiefen aussucht und anschaut. Folglich treffen wir dann auch immer etwa dieselben Bewohner an.

Umankern

Noch am selben Tag entschieden wir uns, unser Glück im nördlichen, schöneren Teil der Bucht zu versuchen. Paul und Hazel gingen voran. Der Ankerplatz befindet sich zwischen zwei grossen Felsen, hat nicht sehr viel Platz und ist auch nicht sehr tief. Ein Ort, an den wir uns normalerweise nicht hin trauen würden. Doch wir ankerten neben Susimi und sie signalisierten uns mit «Daumen hoch», dass wir nicht zu nahe an dem gefühlt sehr nahen Felsen hinter uns waren.

Gegend erkunden

Danach erkundeten wir mit Paul und Hazel die Gegend – die Farm mit frischem Gemüse war leider am Sonntag zu. Und als wir über den Hügel in die Ramada Cove gelangte, ankerten bereits 7 Schiffe dort. Und die hinterste Reihe schien ziemlich ungeschützt gegen den Schwell. Zurück in unserer Bucht sahen wir, dass der Wind deutlich zugenommen hatte. Und mit der steigenden Flut bot auch hier das Riff immer weniger Schutz gegen die Wellen. Unsere Schiffe schaukelten hin und her und auf und ab.

Weg hier

Kurz darauf beschlossen wir, dass wir nicht länger dableiben wollten. Die Wettervorhersage zeigte nämlich konstant genau diesen Wind für die ganze Woche. Nein danke. Zum Abschluss wurden wir aber noch mit krasser Biolumineszenz belohnt. Jede unserer Paddelbewegungen im Kajak führte zu einer Disco im Wasser. Winzige einzellige Algen reagieren auf jede Störung von aussen mit Lichtstössen, die nur Bruchteile einer Sekunde andauern. Sie machen das zu ihrem eigenen Schutz. Sie beleuchten herannahende Feinde und locken auf diese Weise deren Feinde an.

Eine ungemütliche Nacht

Während der Nacht drehte der Wind etwas und das führte dazu, dass wir quer zu den Wellen standen. Es war nicht einfach, so genügend Schlaf für die 10-stündige Fahrt am kommenden Tag zu kriegen, die bei Sonnenaufgang starten sollte. Mitten in der Nacht weckte mich David, um mir die Milchstrasse zu zeigen. Fern von jeglicher Lichtverschmutzung und kaum Mondlicht hatten wir einen atemberaubenden Blick auf unsere Galaxie. Es hat wohl jedes Übel auch etwas Positives…

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