Die Legende von Sylfia

"Das ist die Geschichte eines Segelboots namens Sylfia und der bunt zusammengewürfelten Crew, die sie ihr Zuhause nennen."

So klingt es (allerdings auf Englisch) im Intro des Videoblogs von Expedition Drenched der Iñaki plötzlich auf YouTube vorgeschlagen wurde. Wohl kaum per Zufall, sondern wegen einem ganz besonderen Segelschiff namens "Sylfia", dem wir auf unserer Suche begegnet sind.

Expedition Segelschiffsuche

Da unsere Inspektion von drei Segelschiffen in Spanien leider nicht erfolgreich war, mussten wir uns anderweitig umsehen. Alle Eindrücke und Erfahrungen, die wir in La Manga sammeln konnten, liessen wir nun natürlich in unsere Suche einfliessen. Wir gruben uns durch die Weiten des Internets und tauschten uns bei regelmässigen Treffen über die neusten Funde aus. Spannend war zu sehen, dass wir vielen Schiffen immer wieder begegneten und sich teilweise die Bilder und Informationen auf den jeweiligen Homepages voneinander unterschieden.

Umgang mit Bootsmaklern

Wenn wir eine potentielle Kandidatin ausgemacht haben, gingen viele unserer Anfragen erst über Makler, welche die zu verkaufenden Schiffe im Portfolio ihrer Firma hatten. Der Umgang mit den selbigen brauchte ein wenig Übung. Die Herren und Damen Makler wollen ihre Schiffe natürlich zum höchstmöglichen Preis verkaufen, somit musste man in der Korrespondenz hart bleiben und zwischen den Zeilen lesen. So liessen wir beispielsweise nicht locker, bis wir aktuelle Bilder von bestimmten Teilen des Schiffes von den Maklern erhielten und versuchten, direkten Kontakt zu den Besitzern zu erhalten. Das hatten wir ein für alle Mal gelernt während dem Besuch von Gran Atalaya.

Die rostige Gran Atalaya
Mehr über unsere traurige Begegnung mit Gran Atalaya gibt's hier.

Eingrenzung möglicher Boote

Wir wurden wirklich gut darin, uns einen Überblick zu verschaffen, welche Schiffe es überhaupt wert waren, in eine engere Auswahl genommen zu werden. Wichtig war dabei natürlich auch der Standort des Schiffes. Unser Hauptaugenmerk lag auf Europa, aber wenn wir eine wirklich tolle Kandidatin sahen, fassten wir auch Reisen in entferntere Gebiete ins Auge.

Das Potenzial von Sylfia

So kam es, dass Iñaki ein wirklich spezielles Schiff in seine Auswahl nahm, die wir alle auf der Suche immer wieder angetroffen hatten, aber aus verschiedensten Gründen zur Seite geschoben wurde. Die Rede ist von einer 24 Meter langen Stahlketsch (eine Ketsch hat zwei Masten, einen grossen Hauptmast und einen kleineren Mast dahinter) namens "Sylfia", die damals noch in Kerikeri in Neuseeland vor Anker war.

Sylfia unter Segeln
Sylfia – Foto © Sylvan Kuczera

Würden wir ein Hippie-Boot umbauen?

Wir hatten Sylfia schon ein paar Mal auf dem Schirm, allerdings hatte sie als Schlafräumlichkeiten nur Kajüten für bis zu 16 Personen in einer grossen Kabine im Schiffsrumpf und war relativ rudimentär ausgebaut, was uns immer abgeschreckt hat. Aber Iñaki erkannte genau darin das Potential. Was wäre, wenn man den kompletten Innenraum umbauen könnte? Es hätte Platz für mehrere Doppelkabinen, Badezimmer und einen Salon, zudem wären wir komplett frei in der Gestaltung der riesigen Schiffshülle. Wo man in normalen Segelschiffen im Motorenraum herumkraxeln muss stand auf Sylfia beispielsweise eine komplette Werkstatt, überall im Schiff hatte es Platz ohne Ende.

Sylfia’s eindrückliche Geschichte

Sylfias Geschichte ist gut dokumentiert und Stoff aus dem Legenden sind. Geplant und erbaut wurde sie von einem Maschinenbauingenieur namens Bernard Kuczera, als letztes von mehreren Schiffen. Kuczera, geboren in der Nähe von Katowice (fern der polnischen Küste), ist mit all diesen Schiffen kreuz und quer in der Weltgeschichte herumgesegelt und hat die verrücktesten Geschichten erlebt. Er blieb mit seiner Familie schlussendlich in Neuseeland, und baute Sylfia praktisch im Alleingang. Wie die meisten seiner Schiffe zuvor besticht sie durch ihre schiere Grösse, den grossen Decksalon, und ihre zwei Stahlgitter-Masten. Leider verschwand Bernard Kuczera auf einer Ausfahrt mit seinem Beiboot und konnte trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden werden. Die ganze Geschichte ist in einem tollen Podcast von Expedition Drenched. Es lohnt sich!

Learning by doing

Wir wurden kreativ, begannen uns zu informieren und den Ausbau zu planen, damit wir in etwa wussten mit was wir es bei einem allfälligen Kauf zu tun kriegen sollten. Inspirieren lassen haben wir uns vor allem von den traditionellen Schiffbauern der Konjo aus Sulawesi. Dieses Volk von Seeleuten baut an den Stränden von Bina und Tanah Beru ohne jede Zeichnung bis zu 30 Meter lange Holzschiffe, "Pinisi" oder "Palari" genannt. Die fertigen Kähne werden für Handel, Fischerei oder auch als schwimmende Hotels für den Tauchtourismus genutzt. Insbesondere Letztere bestechen meistens durch atemberaubende Holzkabinen. Das Wissen für den Bau der Schiffe wird mündlich weitergegeben, jede einzelne Planke am Schiff hat ihren eigenen Namen.

Fehlgeschlagene Verhandlungen

Währenddessen waren wir auch in Kontakt mit Sylvan, Bernard Kuczeras Sohn. Das Schiff ist nach ihm und seiner Schwester Sophia benannt. Er hat seinem Vater beim Bau von Sylfia unter die Arme gegriffen und war nun auf der Suche nach würdigen Nachfolgern für das Schiff. Wir hatten ein paar coole Telefonate ans andere Ende der Welt mit Sylvan und uns mit ihm über unsere Pläne ausgetauscht. Leider scheiterte es schlussendlich am Preis. Wir hatten einfach nicht dieselbe Vorstellung. Dabei waren wir mental schon praktisch im Flugzeug, um Sylvan und Sylfia zu besuchen. Schade, denn so begann unsere Suche wieder von vorne.

Wie wir Expedition Drenched entdeckten

Ein paar Monate später taucht in Iñakis Vorschlägen von YouTube plötzlich ein Video auf. Ein junges Pärchen namens Nate und Jordan verkündet darin, dass sie seit Neustem stolze Besitzer eines riesigen Stahl-Segelschiffs in Neuseeland sind. Die beiden segeln mit junger Crew aus aller Herren Ländern von Neuseeland in die grosse weiter Welt hinaus und teilen ihre Abenteuer in schönen Videoblogs. Expedition Drenched ist entdeckt und plötzlich ist Sylfia wieder da.

Netflix & Chill

Natürlich war klar, dass wir den Abenteuern der beiden sofort folgen mussten. Pati und ich haben seither jede einzelne Folge gesehen und wir sind froh, dass Sylfia die perfekten Besitzer gefunden hat und wir ihr von Weitem auf ihrem Weg folgen dürfen.

Wer weiss, vielleicht kreuzen sich unsere Wege eines Tages ja noch einmal.

Die schöne Sylfia vor Anker

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