Der Fluch von Mag Bay

Nach unserer langen Überfahrt von Ensenada in die Bahia Santa Maria verbringen wir ein paar ruhige Tage vor Anker in der Mag Bay (Bahia Magdalena). Diese sind nicht minder gespickt mit spannenden Ereignissen. Wir erkunden das kleine Fischerdorf Punta Magdalena, essen im wahrsten Sinne des Wortes wie die Könige (und Königinnen), und haben "Probleme" mit unserem Dieselmotor.

Unsere erste Nacht vor Anker

Diese ruhige Nacht hatten wir uns verdient. Nach viereinhalb Tagen auf offener See See blinzelten wir mit einem Kaffee zufrieden in die Morgensonne. Der Anker hatte auf sandigem Grund wie eine Eins gehalten. Das gab ein gutes Gefühl. Wir waren zwar noch nicht in der Mag Bay, aber nun konnten wir unsere Ankerbucht Bahia Santa Maria auch mal bei Tageslicht begutachten. Sie ist viel grösser als ich erwartet hatte. Im Norden schützen steinige Hügel die Bucht vor nördlichen Winden. Dort stehen auch ein paar Fischerhütten. Eine grosse Motoryacht lag vor Anker. Die Südhälfte ist geprägt von einem kilometerlangen Sandstrand. Der Pelikan, der uns bei unserer Ankunft Gesellschaft geleistet hatte, war nicht alleine. Dutzende Pelikane und viele andere Seevögel hatten sich in der Bucht niedergelassen.

Eine Pelikan-Show nur für uns

Dass wir die Bucht praktisch für uns selber hatten und von beeindruckender Tierwelt umgeben waren, gefiel uns. Wir entschieden, die Fahrt in die benachbarte Mag Bay zu verschieben und genossen einen ganzen Tag ohne klapperndes Geschirr, ohne Kochen als Drahtseilakt und ohne flüssige Lärmkulisse in den Kojen. Wir wurden dafür belohnt, als abends alle Pelikane gleichzeitig ums Schiff auf die Jagd gingen. Zig Pelikane versuchten im Abendlicht einen Fisch zu ergattern. Ein tolles Schauspiel.

David weiss noch nichts von den Motorenproblemen

Auf geht’s in die Mag Bay

Am nächsten Morgen ging es los zu unserem eigentlichen Ziel. Die Einfahrt zur Mag Bay lag um die 4 Stunden entfernt. Es war windstill, und so legten wir die Fahrt unter Motor zurück. Wir fuhren entlang karger Mondlandschaft. Auch hier wieder Seelöwen die delfin-like springend jagten, Rochen die aufsprangen und Bauchklatscher par excellence vorführten. Wie schon in den Tagen zuvor geizten die Meeresbewohner nicht mit Unterhaltung. Aber wo blieben die Delfine?

Motorenprobleme zum dümmsten Zeitpunkt

Bei der Passage in die Bucht erwarteten wir (gemäss Navionics) eine leichte Strömung von offener See in die Bucht hinein. Das Gegenteil war der Fall. Wir hatten den Strom gegen uns, zusätzlich war er ein wenig stärker als erwartet. Als Gegenmittel erhöhten wir die Drehzahl. Statt einer Leistungssteigerung hatte dies allerdings zur Folge, dass der Motor beinahe abschmierte. Was war los? Der Motor bliebt glücklicherweise nicht stehen und so konnten wir mit kleiner Fahrt weitertuckern. Trotzdem herrschte kurzzeitig Alarmstufe rot.

Was wäre wenn?

Einen dümmeren Zeitpunkt für Motorenprobleme als in einer Passage gibt es kaum. In solchen Situationen hat man einfach keinen Spielraum. Der Platz ist begrenzt, die Tiefe ist verhältnismässig knapp. Dazu kommen Strom und Wellen und wir waren von felsigem Ufer mit steinigen Ausläufern umgeben. Klar hätten wir uns von der Strömung einfach wieder aus der Mag Bay Passage treiben lassen können. Aber was dann?

Verschnaufpause vor Punta Magdalena

Nach all dem Nervenkitzel kamen wir zwei Stunden später doch noch wohlbehalten an. Der Ankerplatz "Man of War Cove" liegt vor dem beschaulichen Fischerdorf Punta Magdalena. Zuerst mal ein kaltes Bier. Die Mag Bay ist riesig. So riesig, dass wir das gegenüberliegende Ostufer nicht einmal mehr sehen könnten. Die einzige grössere Stadt in der Nähe des Ankerplatzes ist San Carlos. Von dort aus verteilten äusserst einladend die zwei riesigen Schlote des Dieselkraftwerks dunkle, gelblich-braune Rauchschwaden quer über die ganze Bucht. Ein schaler Beigeschmack zu unseren Feierabend-Bierchen.

Kulinarische Rundreise in der Mag Bay

Ausgeschlafen wasserten wir am nächsten Tag unser Beiboot, um das Dorf zu erkunden. Am Ufer angekommen spazierten wir durchs Dorf, wo uns allerlei freundliche Gesichter begegneten. Schlussendlich wurde es so heiss, dass wir keine andere Wahl hatten, als uns in der hübschen Dorfbeiz niederzulassen und ein paar kühle Cervezas zu bestellen. In der heissen Sonne zeigte das Bier schnell seine Wirkung und der leere Magen machte sich bemerkbar. Als uns der Inhaber des Restaurants drei Teller Langustenschwänze anbot, konnten wir nicht widerstehen. Hätten wir vorher nach dem Preis fragen sollen? Wir hätten!

Schnell weg hier!

Das Essen war toll, das Bier eiskalt und die Rechnung gesalzen. Über 1'500 mexikanische Pesos, fast 100.- Fr. waren da auf Papier gekritzelt. Wir trauten unseren Augen kaum. Auch gutes Zureden in bestem Spanisch von Iñaki half nichts. Wir hatten solche Preise dermassen nicht erwartet, dass Carmen und ich mit dem Dinghy zurück zu Milagros mussten, um zusätzlichen Cash zu holen. Wir kassierten wieder eine mexikanische Lehrstunde. Steht kein Preis da, frag wieviel es denn kosten soll. Als wir kurz darauf auch noch einen Meeresschildkröten-Friedhof hinter ein paar Häusern fanden, war das dann zu viel des Guten. Au revoir Punta Magdalena.

Die vergoldeten Langustenschwänze

Panga-Verkehr

Iñaki hatte sowieso noch ein paar Ankermanöver in der Mag Bay mit uns auf dem Plan, deshalb nutzten wir die Gunst der Stunde und verzogen uns in eine ruhige Ecke fernab des Dorfs. Unser neuer Ankerplatz lag entlang der Hauptverkehrsader von Punta Magdalena nach San Carlos. Pangas kreuzten hin und her. Diese kleinen, länglichen Fischerboote sind überall an den mexikanischen Küsten zu finden und waren von frühmorgens bis nachts unterwegs. Somit hielt auch mal der Ex-Hafenmeister von Punta Magdalena für ein Schwätzchen an. Er hatte Milagros wiedererkannt. Ihr Vorbesitzer Brent hatte auf seiner Tour de Baja California auch in der Mag Bay halt gemacht.

Motorenprobleme überall

Auf unserer Reise in die Mag Bay hatten wir zwei Stories von Motorenproblemen aufgeschnappt. Zum einen hatten Steven und Susanne von Motorenproblemen bei ihrem Besuch berichtet, zum anderen erzählte uns in der Strandbar der Käpt’n der lokalen Dieselpanga von einem 83-jährigen Herrn, der über ein Jahr mit einem kaputten Dieselmotor in der Mag Bay festsass. Unser Motorenproblem war nur eines von vielen. Über der Bucht musste wohl ein Fluch liegen.

Wie gewonnen so zerronnen

Als wir uns nach ein paar Tagen Ruhe morgens zu den über 300 Seemeilen nach La Paz aufmachen wollten, kam es wie es kommen musste. Unser Dieselmotor blieb plötzlich stehen. Darum wurde sofort ein Notanker-Manöver unter realen Bedingungen geübt. Wir segelten mit besten Thunersee-Bedingungen zurück zu unserem altbekannten Plätzchen und setzten ohne jegliche Hilfe des Motors unter Segeln den Anker. Das Ganze klappte vorzüglich. Wir rollten relativ früh das Vorsegel ein und kontrollierten mit dem Grosssegel unsere Fahrt. Diese verringerten wir kontinuierlich bis wir schlussendlich den Anker zu Wasser lassen konnten. Unsere launische Ankerwinde machte keine Mätzchen mehr und arbeitete so wie sie sollte.

Die Bücherwürmer von Milagros

Wir kramten nun all unsere Bücher über Dieselmotoren aus dem Büchergestell und begannen die Recherche. Es war schnell klar, dass das Problem beim Treibstoffsystem liegen musste. Per Ausschlussverfahren unter gütiger Mithilfe des grossartigen Buchs “Troubleshooting Marine Diesels” von Peter Compton, tippten wir auf verstopfte Dieselfilter. Dies hatte möglicherweise auch den Abfall der Umdrehungen des Motors in der Passage zur Folge. So inspizierten und wechselten wir die Filter, wobei wir bei zugeschalteter Treibstoffpumpe aufsteigende Luftblasen im Schauglas bemerkten. Unsere Dieselleitungen sogen also irgendwo Luft an.

Die Vollprofis von Mag Bay

Carmen hatte den Einfall des Tages. Was wenn einfach der zugeschaltete Dieseltank leer war? Nach kurzer Überprüfung war klar – er war tatsächlich leer. Starke Leistung! Kein Wunder sog unser Motor nur noch Luft an und blieb stehen. Der Fluch von Mag Bay entpuppte sich zumindest in diesem Fall als Fehler unsererseits. Wie aber konnte ein Tank bereits leer sein? Unsere Tankkapazität lag bei rund 440 Litern. Auf die bisherigen Motorstunden heruntergerechnet musste unser Dieselmotor also über 7 Liter pro Stunde verbraten haben. Der normale Verbrauch bei Reisegeschwindigkeit (1500 u/min) läge bei etwa der Hälfte. Hatte der Motor einfach einen viel zu hohen Verbrauch? Wir sollten das Rätsel bald lösen können.

Fragen über Fragen

Immerhin wussten wir nun wo der Hund begraben war. Wir stellten die Zufuhr auf den vollen Steuerbord-Tank um. Nun mussten wir vor einem Testlauf aber noch das Dieselsystem mit seinen winzigen Leitungen entlüften. Darin hatte sich nun natürlich Luft angesammelt. Das hätte den Motor am Starten gehindert. Wir lokalisierten mit unseren Büchern und der Anleitung für unseren Perkins 4-154 alle Entlüftungsschrauben. Diese waren natürlich an diversen Orten auf der schlechter zugänglichen Seite des Dieselmotors angebracht. Als das Treibstoffsystem entlüftet und ein längerer Testlauf waren, war die Freude natürlich gross. Wieder hatten wir trotz eines vermeidbaren Fehlers viel über Milagros gelernt. Immer schön das Positive mitnehmen.

Inaki und Daivd unterwegs

Endlich Delfine

Schlussendlich hatte der Tag doch noch ein gutes Ende genommen. Auch die Mag Bay schien mitbekommen zu haben, dass ihr Fluch gebrochen war. Just als ich völlig zusammengestaucht im Motorenraum verkeilt war, schrillte an Deck der Delfinalarm namens Carmen. Eine grosse Gruppe der Meeressäuger hatte sich in der Nähe des Schiffs zum Jagen und Luftsprünge machen versammelt. Was will man mehr? Wir hatten unseren Motor wieder, und die Delfine gewährten uns endlich auch eine Audienz. Es sollten nicht die letzten sein.

Mag Bay Munchkin Party

Ein ereignisreicher Tag hatte ein Ende genommen. Wir gönnten uns ein paar kalte Bierchen und spielten eine Runde Munchkin. Dieses äusserst spassige Kartenspiel nimmt das Fantasy-Genre aufs Korn und wir spielten es stunden- und abendelang rauf und runter auf unserer Kapverden-Reise.

Die Crew spielt Munchkin

Am nächsten Morgen sollte es nun endlich in Richtung La Paz weitergehen. Wer weiss was diese Fahrt noch alles für Überraschungen bereithalten sollte?

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2 Comments

Hallo ihr drei
Ich lese euren Bericht mit Begeisterung und freue mich an euren Abenteuer mit. Das Motorenproblem hat Carmen ja gut analysiert.
Zum Glück läuft der Motor wieder.
Liebe Grüße aus der Schweiz Urs

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