Das Königreich von El Mero

Die Seglergemeinschaft in der Muelle El Mero nennt ihr aktuelles Zuhause insgeheim ‘das Königreich von El Mero’. Es beherbergt Prinzen und Prinzessinnen aus aller Welt: aus Kanada, Polen, Island, USA, und neu auch aus der Schweiz. Nun standen die Feiertage an, die wir alle weit weg von unseren Familien und Freunden verbrachten.

Es weihnachtete ein bisschen in unserem kleinen Königreich. Aber nur ein bisschen. Denn Milagros besitzt keine Weihnachtsdeko und die Spotify Weihnachtsplaylist wollten wir uns nicht antun. In Guaymas kriegten wir bereits die volle Dosis ab. Aufblasbare Schneemänner, geschmückte Bäume, wild blinkende Häuser und Weihnachtslieder in Endlosschlaufe. Die 25-30°C tagsüber mit wolkenlosem Himmel und Sonnenschein halfen auch nicht wirklich. Dennoch, ein bisschen Weihnachten musste auch bei uns ein. Vor allem: Spitzbuben mussten her.

Weihnachtsbäckerei

Da wir keinen Mixer haben, liessen wir die Butter für den Teig extra lange in der Sonne liegen und mangels Ausstechförmchen entschieden wir uns für Spitzbuben-Carrés. Wir fanden sogar ein seltenes Exemplar Himbeergonfi. Viel zu schnell waren diese Köstlichkeiten in unseren Mündern verschwunden. Viel Arbeit für ein kurzes Vergnügen, aber auf definitiv die Mühe wert.

Ein bisschen Schweiz

Am 24. Dezember fuhren wir ins 45 Minuten entfernte San Carlos und gönnten uns eine Schweinshaxe zum Frühstück. Da auch Samstag war, holten wir weitere Teile für unsere Projekte bei Schmuggler Debbie ab. Nun hatten wir endlich alles zusammen, um unser Solarprojekt abzuschliessen. Die Installation war zwar gemacht und funktionierte, aber hier und da mussten noch einige Provisorien durch Fixa ersetzt werden. Den Abend liessen wir auf Petes Schiff ‚Swansong‘ mit Popcorn und ‚Mad Heidi‘, einem sehr kurzweiligen und unterhaltsamen Schweizer Independent Film, ausklingen.

Ein netter Weihnachtsabend

Für den zweiten Weihnachtstag organisierten wir auf dem Dock einen bei Segler beliebten Potluck. Dabei bringt jeder eine Speise mit, die mit allen geteilt wird. So kommt ein Buffet zusammen ohne grossen Aufwand für jeden Einzelnen und je grösser die Gruppe, desto vielfältiger die Auswahl. Auf Wunsch einer Prinzessin von El Mero steuerten wir Samichlaus-Brötli (wir haben am 6. Dezember Grättimänner gebacken und verschenkt, daher die Benamsung) bei und auf eigenen Wunsch Rotkraut passend zum Truthahn, den ein anderer Segler mitbringen wollte. Am Ende kam ein ausgewogenes und absolut köstliches Festmahl zusammen. Nur an der Weihnachtsdeko, die jemand mitbrachte, war zu erkennen, um welchen Anlass es sich überhaupt handelte.

Die Siedler Schlacht

Mit ein paar Seglern in unmittelbarer Nähe bot sich auch für mich endlich wieder die Gelegenheit, Siedler von Catan zu spielen. Mein absolutes Lieblingsspiel kann man leider zu zweit nicht spielen. Deshalb freue ich mich immer, wenn wir auf andere Catan Begeisterte stossen. So forderten wir die beiden Australier Holly und Saxon zum Spiel heraus. Da wir Catan schon so oft gespielt haben, haben wir uns angewöhnt, die Ausgangslage des Spiels so zufällig wie möglich zu gestalten und somit die Schwierigkeit zu erhöhen. Die beiden Australier nannten diese Startaufstellung „Selbstmord-Catan“, da damit ein nicht ganz irrelevanter Teil der Strategie hinfällig wird, aber sie nahmen die Herausforderung an. Der Gewinner (ich 😉) erhielt ein Set von Wackelaugen, mit denen noch ausgiebig herumgealbert wurde. Es schaut einfach wahnsinnig komisch aus, wenn man und frau sich diese zwischen die Augenlider klemmt.

Neuankömmlinge

In unserem kleinen Königreich durften wir vor kurzem auch sechs kleine Neuankömmlinge begrüssen. Eine Hündin (die einzige nicht kastrierte) des etwa 20 Hunde starken Rudels hat geworfen. Aus einer alten Kühltruhe hat ihr eine Seglerin einen Unterschlupf gebaut. Nun hoffen wir, dass die kleinen Rabauken ein schönes Zuhause finden und nicht auf den Strassen von Guaymas landen. Generell ist die Zukunft des El Mero Rudels ungewiss. Per Mitte Dezember ist neu die mexikanische Marine Besitzer dieser Einrichtung. Was sie damit vorhat, steht in den Sternen. Da die mexikanischen Mühlen durchaus langsam mahlen können, kann es sein, dass vorerst mal gar nichts passiert. Wir werden es sehen, oder auch nicht.

Es wird genäht

Während die Tage nun endlich wieder länger werden, wird zum Glück unsere To-Do-Liste immer kürzer. Von unseren Nachbarn konnten wir eine Nähmaschine ausleihen und seither bin ich fleissig am Nähen. Das dringendste Projekt war die Bestoffung unseres Biminirahmens. Seit über einem Jahr haben wir auf diesen Moment gewartet, und endlich konnten wir dieses Projekt fertigstellen. Wenn wir nach Süden in regenreichere Gebiete kommen, wollen wir schliesslich im Trockenen sitzen können. Auch konnten wir endlich den Segelsack fertigstellen, bei dem die Abdeckung um den Mast gefehlt hatte. Und weitere Installationen auf Milagros erhielten ein neues kohlegraues Gewand.

Es wird entrostet

Auch unsere Ankerwinsch erhielt einen neuen Anstrich, natürlich in grau. Wind, Wasser und Wetter hinterliessen Spuren, vor allem Rost. Deshalb erhielt sie als erstes eine Rostbehandlung. Danach erhielt sie eine schützende Epoxidgrundierung und ein graues Polyurethan Finish. Jetzt sieht sie wieder aus wie neu. Als wir sie wieder zusammensetzten und testen wollten, funktionierte sie aber nicht. Hatten wir beim Abschrauben vom Massekabel was im Motor drin zerstört? Das ist uns nämlich schon mal passiert. Wir hielten unsere Flüche erst mal zurück und schauten nach, ob überhaupt Strom bis dorthin kommt. Und siehe da. Beim Abmontieren vom Bugkorb hatten wir auch das Navigationslicht entfernen müssen. Wir fanden einen losen Kontakt bei der Sammelschiene, die die beiden sich im Ankerkasten teilen. Unheil abgewendet.

Es wird verbunden

Auch haben wir endlich eine Möglichkeit gefunden, unseren Autopiloten vom Cockpit aus anzusteuern. Denn wir haben keinen klassischen Autopiloten, sondern verwenden einen Tillerpilot an unserer Windsteueranlage. Um eine Kursänderung vorzunehmen, mussten wir deshalb bisher aus dem Cockpit und nach hinten ans Heck des Schiffs. Neu ist dieser Tillerpilot Teil unseres Datennetzwerks und kann vom Kartenplotter im Cockpit bedient werden. Das hört sich simpel an, doch dahinter steckt Einiges an Überlegungen, wie wir die verschiedenen Technologien von verschiedenen Anbietern dazu bringen konnten, miteinander zu kommunizieren.

Autopilotsteuerung auf dem Kartenplotter

Es wird dekoriert

Milagros erhielt auch eine neue Dekoration am Mast. Der Wegweiser (isl. Vegvísir) wird auch der alte nordische Kompass genannt. Das wunderschöne Symbol hat uns unser isländischer Freund Tyr geschenkt, der mit seinem Schiff Ez Duz It auch hier am Muelle el Mero sitzt. „Wenn jenes Symbol geführt wird, soll der Träger weder bei Sturm noch Wind verloren gehen, selbst wenn der vor ihm liegende Weg unbekannt ist“. Wir haben den Vegvisír an der Vorderseite unseres Masts platziert, von wo aus er uns durch die Weite der Meere führen wird. Die Götter sind mit uns.

Es wird pausiert

Und ja, es kam auch vor, dass wir weder an Milagros noch online arbeiteten. Fast jeden Morgen nach Sonnenaufgang spazieren wir auf den Hügel und schauen aufs Meer raus. Und jeden Tag ist am Dock irgendetwas los. Mal mit Bier bei Milagros im Cockpit, mal Abendessen auf einem anderen Schiff, oder ein Ausflug ins Kino nach Guaymas. Wir schauten Avatar II auf Englisch mit spanischen Untertiteln für 2.50 CHF. Das Snackpaket mit Popcorn, Hotdogs und Getränken für 2 Personen kostete 5-mal so viel.

Es wird gesegelt

Und wir gingen auch segeln – mit anderen Schiffen. Das ist immer sehr lehrreich, denn man sieht verschiedene Optionen für die Handhabung der Segel und des Motors. Man kann hören und spüren, wie sich andere Schiffe verhalten und dabei sein, wie Entscheidungen getroffen werden und Manöver gefahren werden. Und es macht auch immer viel Spass.

Es muss gefegt werden

Mit Aurora, einer 54 Fuss (16.5 m) Yacht, sind wir nach Guaymas in den Hafen gesegelt. Das war interessant, denn wir wollten selbst mit Milagros dorthin, so konnten wir die Umgebung live auf einem grossen Segelboot erkunden. Auf dem Weg begann es aber plötzlich, unter Deck beim Motor zu qualmen. Schnell stellten wir den Motor ab und Dan inspizierte ihn. Er schien nicht zu überhitzen. Wir hatte vorsorglich schon den Anker bereit gemacht. Doch schnell fand er das Problem.

Der Motor befand sich direkt unter dem Salonboden und durch einen Spalt rieselte konstant Staub und Sand auf den Motor. Diese Ansammlung begann zu verbrennen, als der Motor die Betriebstemperatur erreichte. Alles gut, der Motor musste also nur mal abgewischt werden. Unterwegs fiel uns auf, dass das Rigging (die Stahlseile, die den Mast in Position halten) ziemlich lose war. Dies hatte ein paar Wochen zuvor beim Einwassern wegen dem Kran gelöst werden müssen. Also wurden die Werkzeuge hervorgeholt und unterwegs die Spannschlösser angezogen. Und so segelten wir gemütlich wieder zurück nach El Mero.

Es wird repariert

Wir crewten auch bei Pete auf seiner 40 Fuss (12 m) Yacht ‘Swansong’, denn er hatte seine beiden Vermieter auf einen Segelausflug eingeladen und konnte noch ein paar Hände gebrauchen. Bei der ersten Kontrolle unterwegs stellte Pete aber fest, dass es ein Leck gab bei der Stopfbuchse des Ruders (die Dichtung des Ruders, wo der Ruderschaft in das Schiff eintritt). Wir vermuteten, dass das ganze einfach etwas mehr angezogen werden musste. Aber wir hatten aber nicht die notwendigen Werkzeuge dafür zur Hand.

Also kehrten wir um, holten die richtig grossen Rohrzangen hervor (eine von Milagros und eine von Richard) und kümmerten uns um das Leck. Natürlich war eine der Muttern verhockt, so assen wir Zmittag, während ein korrosionslösender Spray einwirkte. Schlussendlich konnten wir die Stopfbuchse so weit anziehen, dass das Leck minimal war. Dann konnten wir erneut rausgehen und Swansong segeln; für uns das erste Mal mit einem Rollgrosssegel.

Mitternacht der Segler

Für Sylvester hatten wir nicht gross was geplant – Pizza und Bier sollte es sein und ein Prosecco war auch kaltgestellt. Während wir noch an ein paar Projekten bastelten, begann die Party bei Pete. Wir stiessen später dazu und das ganze Dock versammelte sich um und auf seinem Schiff. Pünktlich um 21 Uhr – die allgemein anerkannte Mitternacht der Segler – liessen wir die Korken knallen und stiessen auf das neue Jahr an.

E guets Neus

In diesem Sinne wünschen wir auch dir ‘e guets Neus’ und alles erdenklich Gute fürs neue Jahr. Wir möchten uns herzlichst dafür bedanken, dass du unseren Abenteuern folgst und uns immer wieder mit einer Spende in die Bierkasse erfreust! Es macht uns viel Spass den Blog am Leben zu erhalten. Lass es dir gutgehen und wir sehen uns!

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