Alles nur ein schlechter Traum?

Der Tag, an dem wir entdeckt hatten, dass unser Freibord-Anstrich nicht hält, schien der Startschuss für eine einzigartige Pechsträhne gewesen zu sein. Seither geschahen Dinge, die auf keine Kuhhaut gehen. Unglaubliches trug sich zu – und wir waren mitten drin.

Prolog zu den Püttings

Du erinnerst dich sicher an die Episode mit dem Paket in Mexiko – das Paket, das erst nach einigem Hin und Her an sein Ziel in Kalifornien gefunden hatten. Wir hatten nämlich bei Colligo Marine neue Püttinge aus Titan bestellt. Damit nichts schief gehen konnte und wir exakte Kopien erhielten, schickten wir unsere alten Püttings dort hin. Einige wenige Wochen später würden sie dann geliefert werden. Ziemlich simpel, oder?

Prolog zum Wassertank

Ähnlich verhielt es sich mit dem neuen Wassertank. Wir hatten das Modell ausgesucht, es aus Holz nachgebaut, die Orte der Anschlüsse bestimmt und in der dazugehörigen technischen Zeichnung eingetragen, und bestellt. Eigentlich wollten wir die Anschlüsse selbst installieren, aber der Hersteller Ronco Plastics hat darauf insistiert, dass es besser durch sie direkt erledigt wird. Auch hier sollte die Lieferzeit rund 3-4 Wochen dauern.

Das Schauspiel beginnt

Wir hatten beides in der gleichen Woche bestellt und 6 Wochen später trafen beide Pakete am selben Tag bei uns ein. Eigentlich wie Weihnachten und Ostern am gleichen Tag. Nur dass unsere anfängliche Euphorie schnell zu Nichte gemacht wurde. Dave packte den ersten neuen Pütting aus und verglich ihn mit dem alten. Und nun ja, was soll ich sagen. Sie waren nicht identisch. Wir packten auch noch die restlichen 6 Püttings und 2 Rückseitenbeschläge aus, und es wurde immer schlimmer.

Viele Abweichungen...

Es war nicht nur die eine, die nicht genau passte. Es waren alle! Manche zu dick, manche zu dünn, manche zu lang, manche Löcher nicht dort wo sie sein sollten, ein zu kleiner Winkel in der Beugung und falsch abgeschrägte Kanten. Das volle Programm! Wir hatten noch die kleine Hoffnung, dass das alles nur ein böser Traum war. So assen wir erstmal gemeinsam mit dem restlichen Bewohner des Yards frische Empanadas, um uns etwas abzulenken.

Es passt nicht

Doch am nächsten Morgen und auch mit Drehen und Wenden wollten die neuen Püttings immer noch nicht recht zu den alten Püttings passen. Ich dokumentierte die gesamten Abweichungen und wir riefen bei Colligo Marine an. Wir hatten gleich den Chef am Apparat, welcher sich sofort entschuldigte und uns ohne Diskussion das Geld zurückgeben wollte, nachdem er die Fotos sah. Er bot uns auch an, dass wir die falschen Püttings zurückschicken konnten und sie uns neue schicken würden. Unsere Herausforderung war jedoch der Zeitfaktor. Konnten wir weitere 6 Wochen auf neue Püttings warten?

Was nicht passt, wird passend gemacht

Wir hatten die Pütting-Situation zuvor mit Marga diskutiert. Bei den Löchern, die nicht ganz am richtigen Ort waren, konnten wir die Löcher im Schiff passend machen. Bei den zu dicken Püttings konnten wir das Loch im Deck vergrössern. Die Auswirkung vom nicht ganz korrekten Winkel der Achterstag-Pütting konnten wir erst feststellen, nachdem der Mast wieder drin ist, was aber die Installation der Püttings bedingt. Und mit dem Hersteller der Takelage mussten wir zwar noch abklären, ob wir die fast 2.5 cm zusätzliche Längen von 2 Püttings ausgleichen konnten.

Aber wir kamen zum Schluss, dass wir mit ein paar Tagen Aufwand das Schiff passend machen konnten. Obwohl wir eigentlich lieber die Püttings passend zum Schiff ohne zusätzliche Arbeit gehabt hätten. Wir teilten also Colligo unsere Entscheidung mit und uns wurde noch am selben Tag das Geld zurückerstattet. Wir tauschen also Geld gegen Zeit – gratis Titan-Püttings, dafür Mehrarbeit.

Es geht weiter

Nach diesem Debakel schauten wir uns unseren neuen Wassertank an und stellten fest, dass eine von vier Installation nicht am richtigen Ort war. Musste das sein? Wir schickten eine Mail an unsere Kontaktperson mit der Frage, was es nun für Optionen gäbe. Die Antwort kam überraschend schnell – in den Monaten zuvor wurden Mails erst nach einigen Tagen beantwortet und Anrufe gingen allermeistens direkt auf die Mailbox, ohne Rückruf. Es dauerte ohne Witz eine Woche um den Tank zu bezahlen, weil wir die Firma einfach nicht erreichen konnten um telefonisch unsere Kreditkartendaten durchzugeben. Und nein, es lag nicht an der Zeitzone.

So geht das nicht

Der Inhalt der Mail überraschte uns auch: keine Entschuldigung, aber wir könnten die Installation selbst am richtigen Ort vornehmen und das falsche Loch verschliessen. Oder wir könnten den Tank zurückschicken und sie würden die Installation korrigieren. Also eigentlich das machen, wovon uns abgeraten wurde oder wieder ein Paket auf eine Odyssey schicken und nochmals 6 Wochen warten. Das wollten wir nicht. Auf einige Rückfragen und unseren Gegenvorschlag, dass sie uns direkt einen neuen Tank schicken sollten während wir den Alten zurückschickten, folgte eine noch überraschendere Antwort. Das sei nicht möglich und sowieso seien die Installationen genau dort, wo wir sie eingezeichnet hatten. Bääm.

Der Wasserauslauf wurde links statt rechts installiert

Oder doch?

Damit waren wir ganz und gar nicht einverstanden. In schweizerischer Manier antworteten wir in einem anständigem, aber bestimmten Mail unter anderem, dass unsere Zeichnung richtig war aber die Installation falsch. Schliesslich waren ja drei von vier Installationen am richtigen Ort. Und dass wir nicht wieder 6 Wochen auf einen neuen Tank warten konnten, und überhaupt. Wir wissen nicht genau, was danach passierte. Jedenfalls kamen zwei Stunden später eine Entschuldigung und das Angebot, dass sie uns gleich am darauffolgenden Tag kostenfrei einen neuen Tank schicken würden. Wow – wir waren zwar immer noch etwas enttäuscht, aber freuten uns über die rasche Lösung des Problems. Und es kann sein, dass wir für den Wassertank mit der falschen Installation ein Plätzchen auf Milagros finden und auf einen Schlag unsere Wasserreserven verdoppelte. 2 für 1 sozusagen.

Die nächste Überraschung?

Nachdem nun schon zwei für uns massangefertigte Bestellungen schiefgelaufen sind, mussten wir nun sofort unsere neue Takelage auspacken und ebenfalls überprüfen. Wir hatten sie eingepackt gelassen, damit sie so lange wie möglich sauber bleibt. Also schnappten wir uns Betty, das Yardauto, und brachten die alte und die neue Takelage in die Lackierhalle. Wir legten alles nebeneinander, um die Längen zu checken. Wir waren sehr zufrieden, dass hier alles stimmte – bis auf ein fehlendes Spannschloss. Der Hersteller Hayes Rigging schickte uns umgehend das fehlende Teil und somit ist die Takelage komplett.

Noch eine Massanfertigung

Die vierte Massanfertigung im Bunde war unser neuer Lümmelbeschlag (die Befestigung vom Baum am Mast). Dazu hatten wir alle Spezifikationen inkl. Mastprofil und Vorlage an Garhauer Marine geschickt und sollten 2 Wochen später den fertigen Beschlag in den Händen halten. 5 Wochen später fand dieser dann endlich den Weg zu uns. Nach den bisherigen Erfahrungen waren wir etwas nervös, aber dennoch guten Mutes. Als wir das neue, glänzende Edelstahlteil auspackten, sahen wir aber auf Anhieb, dass es nicht so aussah, wie es sollte. Und des Passtest bestätigte es: das Ding passte nicht. Das konnte einfach nicht wahr sein. Wir können das Teil nun zurückschicken und es wird passend gemacht. Vermutlich ist es dann innerhalb von einer Woche wieder hier. Und schlussendlich wird wahrscheinlich wie mit den Püttings, dem Wassertank und der Takelage alles in Ordnung sein.

Der neue Lümmelbeschlag passt nicht ganz

Warum???

Aber wie oft soll sich dieselbe Geschichte wiederholen? Wie kann das sein? Weshalb geht das nicht direkt auf Anhieb? Warum müssen immer erst noch unsere Nerven strapaziert werden? Was könnten wir anders machen? Wir verbraten Stunden um Stunden mit Lösungen diskutieren, dokumentieren, telefonieren, mailen, anpassen, zurückschicken und so weiter Wir wissen nicht, woran es liegt. Es sind alles bekannte US-Firmen in der marinen Industrie, und unsere Massanfertigungen sind nicht exotisch. Sind es unsere Skizzen, oder ist es unsere Schweizerische Art der Kommunikation? Liegt es an der mangelnden Konkurrenz? Was ist mit der Qualitätskontrolle? Vielleicht ist das alles aber ganz normal und es liegt an meinen persönlichen Erwartungen an amerikanische Qualität und Kundenservice.

Aber schlussendlich finden wir immer gute Lösungen – wie übrigens auch bei unserem neuen Freibordanstrich. Unser Durchhaltewillen, unsere Motivation und unsere Resilienz werden stark gefordert aber dadurch auch gestärkt. Dennoch reicht es jetzt langsam.

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