Aller guten Dinge sind zwei

Der dieswöchige Blogpost steht ganz im Zeichen eines kleinen Wortes: Fortschritt! Diesen haben wir nämlich letzte Woche zur Abwechslung mal wieder zu Genüge gemacht. Es scheint, als müssten wir immer zuerst durchs Tal der Tränen bevor wir wieder mächtig in den Flow kommen. Es hat sich einiges getan auf Milagros, und alles davon ist durchwegs positiv. Vielleicht bis auf ein kleines aber doch nicht so kleines Rencontre mit einer Sechskantmutter. Dieser kleine Bastard…

Kelly Peterson 44 Segelschiff Umbau in Mexiko

Der erste Anstrich war ja bekanntlich ein Desaster und steckt uns immer noch in den Knochen. Das war echt ein heftiger Schlag in die Magengegend. Inzwischen können wir mit grosser Sicherheit sagen, dass die Ursache für die Haftungsprobleme die Schichtdicke der Farbe war. Nachdem sich die Totalboat WetEdge Farbe einfach mal so mir nichts, dir nichts von unserer Hülle geschält hat, haben wir einen Test gemacht, indem wir eine richtig dünne Farbschicht mit der Rolle aufgetragen haben, die richtig gut gehaftet hat. Es war eine Lose-Lose-Lose Situation. Für uns, für den Boatyard, und auch für Pancho, den fürs Boote sprayen verantwortlichen Arbeiter. Auch ein anderes Schiff wurde unterdessen mit derselben Totalboat-Einkomponentenfarbe gesprayt.

Auf die Dicke kommt's an

Matthew, der Besitzer, hat unser Leiden hautnah mitbekommen und ist natürlich ins Grübeln gekommen. Er hat sich aber trotzdem entschieden, der Farbe nochmal eine Chance zu geben. Pancho, den Maler/Sprayer des Cabrales Boatyard, hat er angewiesen, die Farbe möglichst dünn aufzutragen. Auch hier dasselbe Resultat: Die Farbe hält. Hinzu kommt, dass ich auf meinen Recherchen über die Totalboat WetEdge feststellen konnte, dass die meisten Probleme, die andere Schiffsbesitzer hatten, praktisch durchs Band mit der Schichtdicke zu tun haben, die aufs Boot aufgetragen wurde.

Unsere Totalboat WetEdge Erfahrung

Wir denken, entgegen der Annahme, dass man einen Anstrich mit Einkomponentenfarbe einfach mal so aus dem Ärmel schütteln kann, ist das Gegenteil der Fall. Die Totalboat-Farbe ist alles andere als einfach zu handhaben. Es scheint, als müsse alles stimmen, damit die Farbe ihren Job richtig macht. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und vor allem die Schichtdicke der Farbe sind peinlich genau zu beachten. Hält man diese Faktoren ein, kriegt man, was Totalboat verspricht. Bezüglich Luftfeuchtigkeit noch eine Kritik an den Datenblättern von Totalboat: Sie schreiben nämlich, dass ihre Farbe bis 90% Luftfeuchtigkeit verarbeitet werden kann. Keine Farbe der Welt kann in so einer Atmosphäre problemlos verarbeitet werden. Aber eben, wir mussten unseren Blick nach vorne richten.

Zurück auf Null

Der Anstrich musste wieder runter. Und da gab es nur eins: Am Morgen aufstehen, Podcast und Musik auf die Kopfhörer, die Stunden investieren und schleifen, schleifen, schleifen. Die Farbe kam easy wieder von der Hülle, und nach ein paar Tagen waren wir wieder gleich weit wie Anfang des Jahres. Wir standen vor einer blanken, fleckigen, dunklen Schiffshülle. Die Farbauswahl für den zweiten Versuch? Alexseal, eine der bekanntesten und besten Farben auf dem Markt. Zweikomponenten-Farbe, die hält wie der Teufel. Glücklicherweise, dank Marga, kamen wir in Kontakt zu einem Vertreter der Farbe, der so Mitleid mit uns hatte, dass er uns einen Teil der Farbe gratis überliess. Somit fiel auch der finanzielle Verlust minim aus, nicht zuletzt auch weil Totalboat uns das Geld für die gefailten Anstriche sofort zurückerstattet hat. Wir waren ready, um erneut loszulegen. Aber es gab noch anderes zu tun!

Umbau eines Kelly Peterson 44 Blauwasser Segelschiffs in Mexiko

Was nicht passt, wird passend gemacht

Auch bei unseren neuen Titan-Püttings war ja alles schiefgelaufen was schieflaufen konnte. Hast du davon nichts mitbekommen? Dann ist es höchste Zeit, sich für unseren Newsletter anzumelden, dann verpasst du nichts mehr! Wir hatten ja in den USA bei einer renommierten Firma neue Titan-Püttings bestellt. Das Resultat war leider unterste Schublade. Sie waren zu lang, zu dick, zu dünn und die Bohrlöcher waren überall, aber nicht dort wo sie sein sollten. Trotzdem liessen wir uns davon nicht unterkriegen. Mit «ein wenig» Einsatz konnten wir sie trotzdem einpassen. Pati war tagelang damit beschäftigt, das Schiff an die Püttings anzupassen. Sollte es eigentlich nicht umgekehrt sein? Hmmm. Nichts ist unmöglich auf Milagros!

Unsere steile Lernkurve

Wo wir vor einem halben Jahr noch zu viel Respekt davor hatten, irgendwo einzelne Schrauben zu lösen, waren wir inzwischen mit einem ganz anderen Selbstvertrauen gesegnet, was Bootsarbeit anging. Pati vergrösserte einfach mal schnell Löcher im Deck, verschloss Bohrlöcher durch die Hülle mit Epoxidharz und dann bohrten wir neue Löcher durch die ganze Schiffshülle. Wir passten Winkel von Bohrlöchern mit der Bohrmaschine an und plötzlich war alles bereit: Unsere neuen Püttings konnten montiert werden. Ab die Post! An die Arbeit!

Füllen, einpassen, schmieren

Nun war wieder Teamwork gefordert. Pati auf Deck, ich im Schiff oder umgekehrt. So schoben wir die neuen Püttings durchs Deck in Position, schraubten sie fest und verschlossen danach das Deck mit Sikaflex UV 4000 Dichtmasse, empfohlen von Jamie von SV Totem. Wir löchern ihn immer mal wieder per Messenger mit Fragen, die er bereitwillig beantwortet. Vielen Dank für die Hilfe! Wie immer dauerte mal wieder alles länger wie geplant, war ein bisschen komplizierter als erwartet und eine gröbere Schmiererei mit Dichtmasse wie erwartet. Und natürlich: EINE von ACHTUNDREISSIG verdammten Muttern blockierte sich selber auf ihrem Bolzen. EINE MUTTER von ACHTUNDREISSIG!

EIIIIINE MUUUTTEEER VOOOOOONNNN AAAAAAACCCHHHHHTTTTTUUUUNNNDDDDRRREEEEEIIIIIIISSSSSSSIIIIIIIIIIIGGGGGG MUUUTTTTEEEERRRRNNNNN!!!!!

^3vv4v2ä42äö’4’ö4v3’öv43’42!!!!!!!!!!!!!!!

Puuuuhhh...

Tief durchatmen.

Alles kein Problem

Ein kleiner Schnitt mit dem Winkelschleifer und die Blockade war gelöst. Natürlich hatten wir auch keinen Ersatzbolzen, und mussten einen bestellen. Haha. Trotzdem waren die Püttings irgendwann trotzdem in Position. Schön schauen sie aus, diese neuen, starken und teuren Titanplatten. Wenn bei unserer Installation alles glatt gegangen ist, werden sie uns und wahrscheinlich auch das Schiff überleben. Die hinterste Platte für das Backstag (die hintere Mastabstützung) muss allerdings noch warten, da ihre Bolzen durch die Schiffshülle montiert werden. Bevor der Anstrich fertig ist, wollen wir noch keine Bolzen an der Aussenseite der Hülle montieren.

Ruder-Montage

Unser Ruder war schon seit längerem fertig geglast, geflickt und gestrichen. Es ist ein mächtiges Konstrukt aus Fiberglas und Stahlplatten und dementsprechend schwer. So versammelten wir für die Montage unsere Freunde aus dem Boatyard. Dies taten wir gleich zwei Mal, weil wir beim ersten Mal noch ein kleines Loch entdeckten, das noch gefüllt werden musste. Beim zweiten Mal ging alles ratzfatz. Alle packten zusammen an und mit Teamwork hatten wir das Ruder im Nu montiert. Wieder ein kleines Puzzleteil auf dem Weg zum Einwassern. Nochmals danke an alle Helfer!

Wie weiter?

Eine weitere Talsohle ist durchschritten und es geht stetig aufwärts. Es ist wirklich ein klares Muster: Nach dem Regen kommt die Sonne, nach dem Winter der Frühling. Es ist ein konstantes Auf und Ab. Draussen auf dem Wasser wird’s nicht anders sein. Apropos Winter: Die Temperaturen hier in der Wüste sind inzwischen wieder richtig erträglich. Die Klimaanlagen auf dem Schiff bleiben meistens ausgeschaltet, nachts können wir endlich wieder mit Decken schlafen. Das macht auch viele Bootsprojekte einfacher für uns. Es arbeitet sich einfach besser, wenn man nicht innerhalb von zwei Minuten komplett nassgeschwitzt ist.

Ihr merkt es: Alles ist gut im Moment bei uns in Mexiko. Hoffen wir mal, dass das möglichst lange so bleibt!

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